Archiv für den Monat: Dezember 2014

Zwischenstadium

Wir leben ja momentan in einem Zwischenstadium. Arbeitslos, obdachlos, perspektivlos und manchmal auch ein wenig hoffnungslos -ich zumindest.

Seit meiner Ankunft in Deutschland sind wir viel unterwegs. Mal bei Eltern, Schwiegereltern, Geschwistern, Freunden. Mal ein paar Nächte hier, dann wieder dort. Das ist nett, aber auch relativ anstrengend. Ständig aus dem Koffer leben und ohne z.B. einen Schreibtisch, an dem man mal sortiert Zukunftsplanungen oder Bewerbungen nachgehen könnte. Aber gut. Bis Ende des Jahres haben wir offiziell eh noch Urlaub, darum haben wir uns noch nicht so gestresst und erstmal Weihnachten auf uns zukommen lassen. Außerdem muss tatsächlich auch erst die Seele nachkommen.

Obwohl ich es schon erstaunlich finde, wie wenig ich Togo vermisse. Man ist wieder so mitten drin im alltäglichen Deutschland. Klar, anfangs ist man noch etwas irritiert, wenn der Bruder an der roten Ampel stehen bleibt oder die Angestellten im Laden einen sofort mit “was wollt ihr?” ansprechen anstatt erstmal “Wie geht’s” zu fragen. Aber das Rumreisen von einem zum anderen und die sich ständig stellende Frage wie es nun weiter geht, hat mich noch nicht mal eine Abschieds E-Mail an die Kollegen in Togo schreiben lassen. Es ist eine eigenartige Zeit. Viele sagen, das sei ja toll, man sei so ungebunden und hätte so viele verschiedene Optionen vor sich. In der Tat. Aber manchmal hätte man auch gerne einfach nur mal ein Zuhause, in das man sich zurückziehen und neu sortieren kann.

Naja, kein Zuhause, aber dafür ein neues Auto. Das haben wir bereits. Und das ist schon praktisch. Und nachdem ihr bereits wochenland den Auspuff angucken konntet (der übrigens extrem laut ist und eher nervt), hier nun ein paar “Ganz-Körper-Fotos”

Damit können wir euch jetzt heimsuchen :)

So und jetzt bleibt noch, allen ein fröhliches Rest-Weihnachtsfest zu wünschen, wertvolle und erholsame Momente mit Familie und Freunden und Alles Gute für 2015.

Hier noch einige Impressionen von unseren Feiertagen

 

 

Ein S(chn)eestern

This is it

So, es ist vorbei. Vor genau einem Monat bin auch ich aus Togo zurückgekommen. Zeit für einen letzten Togo-Blogeintrag:

Die letzte Woche in Togo war noch mal so richtig busy. Klar auch irgendwie. Nach einigem Hin und Her und komplizierten Diskutieren mit zwei potentiellen Käufern des Autos, haben wir dann endlich 2 Wochen nach meiner Ankunft in Deutschland auch das Geld für den Wagen überwiesen bekommen. Erleichterung!

Der Abschied war dann doch etwas emotional. Am meisten fiel es mir auf, als ich am Abend vor meinem Abflug noch mal durch den Stadtverkehr fuhr: hupend zwischen vollgestopften Taxis, kreativ einfädelnden Kreisverkehrteilnehmern, unvorhersehbar vorbeihuschenden Mopedfahrern, den alt-bekannten Fensterputzerjungs an der Ampel, Gartenteich großen Schlaglöchern in den Quertraßen aus Sand und Erde, über rote Ampeln und rechts überholend… ja, dieser anarchisch anmutende Verkehr würde mir in Deutschland fehlen! Keine Möglichkeit mehr, mal kurz wieder in diese andere Welt zu huschen und ein wenig Exotik aufzusaugen.

Also stellte ich mich vor der Abschiedsfeier bei meiner Chefin kurz in eine dunkle Seitenstraße und weinte ein paar Abschiedstränen. Das gehört dazu, irgendwann packt es jeden dann doch irgendwie. Die Abschiedsfeier war noch sehr schön! Die Chefin hatte eingeladen, zu sich nach Hause, sich für das Jahr zu bedanken und nebenbei nochmal alle zusammenzubringen. Die Kollegen nutzen die Gelegenheit und überhäuften mich mir Geschenken und freundlichen Worten. Es war ein warmes Miteinander, ein herzliches Lebwohl: Afrikanische Stoffe in allen Farben, sogar handgewebt von der Manufaktur in Sokodé. Sie schenkten mir diese Fülle an Tüchern und Stoffen, damit ich mich wärmend in diese hüllen könnte, da ich ja jetzt zurück ins kalte Deutschland gehen würde. Schon irgendwie süß meine Kollegen, vor allem, weil ihre Vorstellung von kalt geprägt ist von einer Jahresdurchschnittstemperatur in Togo von 35 °C und fröstelnden 23 °C als Tiefstwert im kältesten Monat :)

Noch ein “Foto de la famille”…

…und das war es dann. Am nächsten Tag hieß es: all my bags are packed, I’m ready to go.

Gepäck mittags zum Flughafen gebracht, um am Nachmittag sorgefrei nochmal an den Strand gehen zu können. Und weil mir ein derartiges Erlebnis in Togo bisher gefehlt hatte, wurde mir kurz bevor ich den Strand wieder verlassen wollte, mein Fotoapparat geklaut. Nur der kleine, den ich unauffällig unterwegs immer dabei hatte, aber trotzdem total nervig. Das hätte nun wirklich nicht mehr sein müssen. Naja. Bleibt ein Teil von mir in Togo -so sagte es die Kollegin :)

Der internationale Flughafen in Lomé hat die wahnsinnige Abfertigungskapazität von … genau einem Flugzeug. So gibt es ein Gate und einen Wartebereich. Aber es kommt ja eh nur ein Flugzeug pro Abend und selbst das bleibt nur solange stehen, bis ein Teil der Passagiere ausgeladen und ein neuer Teil aufgenommen ist. Ich flog mit Brüssel Airlines und da ist Lomé nur ein Zwischenstopp von Brüssel über Abidjan (Elfenbeinküste) über Lomé wieder nach Brüssel. So sitzen im Flugzeug eigentlich immer Leute, steigen aus oder steigen ein, wie in einem Bus eben.

Durch die Sicherheitsschleuse war ich dementsprechend schnell. Der Sicherheitsmann fragte nur, nachdem er meine Tasche gescannt hatte, ob in der 1.5 Liter Flasche denn Wasser sei. Als ich bejahte winkte er mich weiter. Ich saß nur 5 Min in dem Wartebereich, ging bereits das Boarding los: nämlich von der einen Halle in die andere laufen, dabei das Ticket zeigen, den Namen auf einer Liste kontrollieren lassen (alles nicht elektronisch) und dann das Handgepäck nochmal ohne Scanner kontrolliert bekommen. Die Sicherheitsbeamten dort wirkten, als erfüllten sie eher eine Erwartung als eine sinnhafte Aufgabe: “Mein” Beamter öffnete nur kurz meinen Rucksack, sah, dass er bis oben hin vollgestopft war, schloss ihn wieder und gab ihn mir zurück. Hätte ich Messer, Pistolen, Gas und/oder Bomben bei mir gehabt, es wäre wohl nicht weiter aufgefallen. Abgebildet waren derartige Gegenstände aber fein säuberlich auf zahlreichen Plakaten, jede Fluggesellschaft hatte ein eigenes Plakat aufgehängt. Auch wieder ein großartiges Beispiel von internationalen Richtlinien und deren landesspezifischer Auslegung und Anwendung.

Dieser Raum wirkte wie eine Schleuse zwischen zwei Welten, ein wenig verdreht, ein bisschen Clichés widerlegend: Weiße, die mit Trommeln bepackt, geflochtenen Zöpfchen im Haar und bunten Stoffhosen so schienen, als wollten sie etwas afrikanischen “Spirit” mit nach Europa nehmen und Schwarze, die in Businesskleidung, mit iPads, auffällig großen Kopfhören und Luis Vuittons Taschen die modern westliche Welt verkörperten. Irgendwie skurril. Dieser Raum schien aber auch wie eine Schleuse zwischen europäischem Zeitverständnis und afrikanischer Interpretation von Pünktlichkeit: So hatte das Boarding bereits 2.5 Stunden vor Abflug begonnen und war beendet, bevor das Flugzeug überhaupt landete. Dementsprechend ging das Ent- und Beladen später ratz-fatz und dann blieb nur noch ein letzter Blick aus dem Fenster …

auf den internationalen Flughafen von Lomé:

und die Lichter der Stadt, die aussahen wie ein glitzernder Sternenhimmel:

(liegt wohl daran, dass viele Haushalte nur einzelne Glühbirnen als Beleuchtung haben und die Straßen zum Großteil komplett im Dunkeln verlaufen).

Der Flug verlief unspektakulär und das Umsteigen in Brüssel erinnerte mich daran, wie ausgeprägt die “Kaffee to go-” und “Kaffee mit Milchschaum-” Kultur in Europa doch ist (beides habe ich weder in Togo noch in Bénin gefunden). Über den Wolken noch einmal von der Sonne verabschiedet (die ich jetzt wohl lange nicht mehr sehen sollte)

und dann tauchte ich ein, in das nasskalte Grau, das Leben unter der Wolkendecke, den prophezeiten 2°C.

Als der Pilot uns mit diese Temperatur in München begrüßte, lief mir auch kurz eine Träne über die Wange. Das waren 35°C weniger als in Togo. Schrecklich!!! Wie sollte ich mich da zurück einleben? Aber mein liebevoll vorausdenkender Mann brachte einen Kälte-Überlebenskoffer mit zum Flughafen :)

Auch wenn mir die erste Woche so bitterkalt vorkam und ich sogar Zeugin des ersten Schnees werden konnte,

habe ich mich doch mittlerweile schon wieder etwas eingewöhnt und kann die frische Luft bereits wieder genießen.