Archiv für den Monat: November 2014

Modenschau

Letztes Wochenende war also mein letztes Wochenende in Lomé, ergo Togo. Das gab natürlich nochmal Grund, intensiver Souvenirs zu shoppen und sich in das Stadtleben zu schmeißen. Also morgens raus und den ganzen Tag nicht mehr heim gekommen. Mit versteckter Kamera auf dem Markt gefilmt (Das Ergebnis davon gibt’s dann später -oder vielleicht aber auch nie… mal schaun). Auf dem Künstlermarkt nochmal das lokale Handwerk unterstützt und natürlich Pagne (afrikanischen Stoff) gekauft.

Ein einziges Mal wollte ich es krachen lassen und mir einen Vlisco Stoff kaufen -eine der teuersten Marken afrikanischer Stoffe, die sich dadurch auszeichnen, dass sie in Holland gefertig werden(!!!). Und wie es der Zufall so will, war gerade Modewoche in Lomé, die am Samstag mit einer prestigelastige Modenschau im teuersten Hotel der Stadt enden sollte. Als zahlungskräftige Vlisco Kundin bekam ich dafür beim Kauf meiner Stoffe eine Eintrittskarte geschenkt. Schon geil!! Als ich die Poster für die Modenschau gesehen hatte, war nämlich schon mein Interesse geweckt worden.

Zum Glück gab mir mein Mann über Skype noch einen kurzen Arschtritt (raff dich auf), war ich doch kurz versucht, die Bequemlichkeit zu wählen. Aber schon auf dem Parkplatz des Hotels, wurde mir klar, dass ich das Event unterschätzt hatte. Die Stellplätze waren schon alle besetzt, die Leute parkten in 2. Reihe und zwischen den Autos stackselten bereits zahlreiche Frauen zum Eingang des Hotels, in Glitzerkleidern, Miniröcken (und damit mein ich MINI) , wallenden Abendroben und knalligfarbigen Cocktailkleidchen, die so eng anlagen, dass man meinen könnte, es sei eine bunte Haut. Äußerst faszinierend: die Schuhe. So eine geballte Ladung hoch hackiger Schuhe erwartet man sonst nur bei Russinnen. Die Absatzhöhe belief sich überwiegend zwischen 7 und 15cm und bei manchen Schuhen fragte ich mich, wie man in denen überhaupt stehen, geschweige denn laufen kann. Natürlich standen auch die Männer den Frauen in nichts nach. Bei Togoern ist das so. Die sind genauso herausgeputzt, von den Socken bis zur Mütze durchgestylt und die Farbenprakt der Anzüge übertrifft teilweise die der Damenwelt.

Das Hotel selber hat ja einen recht großzügigen Garten, mit 50m Schwimmbecken und großzügigen Palmengesäumten Gehwegen. Diese nett beleuchtet machte das Ambiente echt was her und die viele gestylten Menschen machten an jeder Ecke represäntative Statusfotos. Weil ich noch nichts gegessen hatte, mir noch kurz für saftige 10 Euro ein Sandwhich und ein Getränk gekauft und dann mir einen Platz gesucht. Wenn man alleine ist (die Karte ging nur ohne Begeleitung) hat man den Vorteil, dass man sich einzelne Stühle nehmen kann …die zu meiner Freude auch noch recht weit vorne vorkamen.

So, bevor ich aber jetzt mehr rede, als die Ministerin in ihrer Begrüßungsrede, lass ich jetzt besser mal die Bilder sprechen (kleiner Tipp: beim Anklicken der Bilder werden sie groß).

Die erste Linie:

Ein paar Hosenazüge

Etwas ausgefallener:

Die letzten beiden Kleider waren Teil der Linie “Wald”. Dem genauen Betrachter fällt auf, dass das letzte Kleid mit PET Flaschen dekoriert ist. Der Designer wollte damit auf Recyclin und Umweltschutz aufmerksam machen. War auch echt ein nett wirkender und lässiger Typ. Nicht so stylisch und selbstverliebt wie viele andere. Insgesamt stellten 12 verschiedene Designer aus ganz Afrika ihre Linien vor.

Ein bisschen fancy

und hier von einer südafrikanischen Designerin mit ein bisschen Massai-touch:

und natürlich die Linie ausschließlich für den Mann:


Der letzte hat doch nen geilen Anzug. Das faszinierende ist ja, dass die das wirklich anziehen. Also so richtig in der Öffentlichkeit. Alles was glitzert und glänzt ist total hip!

Man siehe die Kollektion eines nigerianischen Designers:

Ein bisschen traditionell gab’s auch (unter dem Motto Cocktail-Party):

Und hier nun Vlisco Stoffe: Farbenfroh und vor allem teuer:

Und nochmal ein paar Männer (der Anzug des letzten is tja mein persönlicher Favorit):

Die folgende Linie war mit “Sonne” betitelt und sollte auf erneuerbare Energien hinweisen (noch so ein Umweltbewusster):

Ende gut, alles gut, Ach, DANKE DANKE DANKE!!!

 

Ausreiten

Ich habe ja ein neues Pferd im Stall.

Heute habe ich erstmal das Pferd getränkt:

Anschließend sind wir dann den Berg hochgeritten. War gar nicht anstrengend:

Oben auf dem Berg hat mich die blöde Kuh hier von hinten angeschrieen als ich gerade vorbei war:

Das hier war der Freund der Kuh, der hat auch gelegentlich Geräusche gemacht:

Pferdchen wartet auf mich:

Und ich genieße die Aussicht:

Ja, das war sie. Meine kleine Tour zum Auerberg (ist übrigens höher als der Hohe Peißenberg, nur damit ihrs wisst), halb runter, wieder hoch und zurück. Meine längste Tour dies Jahr, ich bin so ferrtig! Waren vielleicht 25km und 500hm…

Ausgehverbot

Heute hatten wir Ausgehverbot. Nicht nur meine Arbeit hatte ihren Mitarbeitern offiziell untersagt, die Häuser zu verlassen oder in die Stadt zu fahren, auch die Schulen waren geschlossen, Leute von außerhalb planten erst nach dem Wochenende nach Lomé zu kommen und in allen Mündern war es heute von:

Den angekündigte Demonstrationen. Nächstes Jahr ist Präsidentschaftswahl. Und da der Präsident der Sohn des davor fast 40 Jahre amtierenden Präsidenten ist, fängt die Opposition langsam schon mal an, auf sich aufmerksam zu machen (die Opposition ist aber scheinbar selber so zerstritten, dass sie eigentlich gar keine Alternative zur aktuellen Regierung bieten könnte und sowieso, käme sie an die Macht, müsste erst mal der Chef des Hafens, der Chef der Zementproduktion, der Chef von… ausgetauscht werden. Also im Grunde alles, was momentan in Togo funktioniert und die Hauptwirtschaftsaktivität des Landes darstellt. Mit neuen Chefs würde erstmal gar nichts mehr gehen. Das ist gewiss. Wär auch irgendwie scheiße. Na jedenfalls ist man alarmiert. Vor allem, nachdem im Nachbarland Burkina Faso solche Demonstration etwas unschön geworden sind. Also Ausgehverbot und von zu Hause aus arbeiten.

Meine Kollegin, die wohnt etwas näher an dem Ort, an dem heute das Geschehen stattfand. Sie meinte, es hätte sich eher wie ein Rave oder eine riesengroße Party angehört. Eine Art Schulabschlussfete mit Techno und viel Gejohle. Nachmittags hatte sich schon alles wieder recht verlaufen und sie fuhr los, mich für einen kleinen Sprung ins Meer zu abholen. Sie erzählte dann von Panzern und Wasserwerfern, die an der Strandstraße geparkt waren und einem ganzen Haufen an Regierungs-FREUNDLICHEN Leutchen, die alle am Strand rumsaßen. Viele Busse standen auch da rum. Hatte ganz den Anschein, als sei das irgendwie inszeniert worden.

Die Machtdemonstrationen hinter sich lassend, Richtung Badestrand. Jetzt kann ich euch auch endlich mal Bilder von dem zeigen, was aus den neulich noch mit Wasser gefüllten Schlaglöchern geworden ist. Ich finde den momentan Straßenverlauf und -zustand großartig. Fast bringt es Gefühl von Achterbahn und weil es die Hauptzufahrtsstraße zum LKW Rastplatz ist, gehts da auch ganz schön ab :)

Das ist übrigens die eigentliche Straße. Jetzt fahren nur alle über den Gehweg nebendran.

Vom Strand nur ein paar Fotos:

Das Wasser zeigte sich heute wieder von seiner besten Seite. Die Wellen waren so wild und wunderbar. Schon lange nicht mehr wurde ich so heftig wieder ans Ufer gewirbelt -und über den Sand geschmirgelt…

Die Kinder hatten Spaß beim Krebse fangen.

Ah, bei dem letzten Bild könnt ich heulen!!! Das wäre so cool geworden, hätte ich nicht den Kopf abgeschnitten. Scheiß Amateur Fotografen! Aber ein paar schöne gibts auch:

Beim Sitzen so im Liegestuhl haben wir dann noch ein Schiff beobachtet, das aus dem Hafen ausgefahren ist. Ich bin mir ziemlich fast ganz sicher, dass es genau das Schiff war, mit dem vor einem Jahr unser Auto nach Togo gebracht wurde.

Apropos Auto: natürlich war es ZU einfach gewesen. Und jetzt gehen die Schwierigkeiten los. Die besagte Käufer Dame hat NACH dem Unterschreiben des Kaufvertrages dann mal mit ihren Freunden in Frankreich telefoniert. Seitdem hat sie sich nur noch mit einer einzigen e-mail gemeldet, die voll war mit Fragen über das alte (!!) Auto: Ob wir schon mal eine Panne hatten und ob es bald eine Panne geben könnte, wie der Zustand der Stoßdämpfer sei, ob die Scheiben beschlügen, wenn es regnete (weil das Auto doch keine Klimaanlage hat) und sowieso sei es zu teuer. Sie wolle in 2 Jahren beim Verkaufen nicht so viel Geld verlieren. Ja, gute Frau, wir verlieren auch 2000 Euro, die wir für Transport und Hafen gezahlt hatten… Auf meine Antwort hat sie noch nicht reagiert, auf meine Nachfrage auch noch nicht und für mich wird langsam die Zeit echt knapp.

Verrückt. Genau heute morgen rief mich dann der Transiteur des Schwaben an. Also der, der sich um die Verzollung des Autos kümmern sollte. Wie gut, dass ich den Schwaben noch gar nicht angerufen und wg dem Auto abgesagt hatte. DerTransiteur ist wegen der Demonstrationen heute nicht nach Lomé gefahren und will sich mit mir am Montag treffen. Na, bis dahin hab ich entweder News von der Komplizierten oder ich gebs halt einfach doch dem Schwaben (wobei es da mit Kaufvertrag und vertrauensvollen Geldtransfer schwierig werden könnte, aber gut. Was bleibt mir anderes übrig). Ich bin erstaunlich ruhig. Wenn gar nichts klappt, schenken wirs dem Pastor … oder einem guten Zweck. Denn lieber es bekommt jemand, der es wirklich brauchen kann als irgend so ein haben-wollen-geiler Halsabschneider.

So und jetzt hab ich mir erstmal noch ein Spiegelei gemacht. Ich esse hier sehr viel Ei. Meine Kollegin brachte es recht gut auf den Punkt: sie traut dem Fleisch nicht in einem Land, in dem sie auch Hunde, Katzen und Ratten essen. Letztere werden tatsächlich öfter mal am Straßenrand angeboten. Da aber noch in voller Pracht und am Schwanz baumelnd. Die kann man erstehen und sich abends zubereiten.
Ich hab mir tatsächlich noch nie Gedanken darüber gemacht, ob an den Fleischspießlein, die ich eigentlich recht gerne esse, tatsächlich Rindfleisch dran ist. Na dann heute mal ein Spiegelei.

Countdown

Morgen in einer Woche fliege ich! Wow, ging das jetzt schnell. Das sagen ja alle – aber man glaubt’s halt erst selber, wenn man tatsächlich realisiert, dass nur noch 3 Mal eine Machine von Brüssel Airlines über das Appartment hinweg fliegen wird und man in der 4. dann drinnen selber sitzt.

Wie wohl normal so eine Woche vor Abflug, ist in der Arbeit doch noch überraschend viel zu tun. Heute hab ich sogar meine Chefin heim gehen hören und musste über die Terasse das Büro verlassen, weil der Rest des Hauses schon zugeschlossen war. Als ich zum Auto ging hörte ich die Musik aus der Bar neben an. Salsa. Die Bar ist unter freiem Himmel, drinnen saßen gemütlich Leute bei ihrem Bier und aßen Fleischspießlein mit frittierten Yams oder Kochbananen. Im Hintergrund wiegten sich die Palmen im sanftem Wind, der vom Meer her wehte. Das Meeresrauschen konnte man über die 100m Entfernung noch immer vernehmen. Eigentlich schon ein echt cooler Abend, dachte ich. So eine laue Sommerbriese, ein paar Mopeds rollen vorbei. Ich komme aus der Arbeit in eine Atmophäre, die Leute sonst nur im Urlaub erleben. Schon irgendwie auch komisch, dass das dann bald vorbei ist. Die Selbstverständlichkeit Tag täglich an der Strandstraße ins Büro zu fahren und nach der Arbeit noch mal kurz ins Meer springen zu können. Hab ich irgendwie viel zu selten gemacht :)

Die große Neuigkeit: Der Kaufvertrag fürs Auto ist unterschrieben. Ich kann es noch gar nicht wahr haben. So verzweifelt war die Aussichtslosigkeit und das Fehlen von ernsthaften Käufern. Der Schwabe hatte am Samstag morgen nicht mal die Motorhaube aufgemacht und musste sofort weiter. Den hatte ich abgeschrieben. Alles Autoputzen mit Motorwaschen, seriös anziehen, pünktlich vor Ort sein (und das obwohl nur kurz geschlafen, weil am Abend davor noch auf einem Konzert) hatte nichts geholfen. Verzweifelt also die Flucht nach vorne, zur nächsten Option: dem Rouladen Reiner. Der Rouladen Reiner heißt Rouladen Reiner, weil er Rouladen macht. Der ist nämlich auch Deutscher und gehört zu der Generation, die in den 80ern Autos und Lastwagen durch die Wüste gefahren hat und dann in Togo versumpft ist. Das Auto Geschäft läuft seit den Libanesen nicht mehr. Wie man sich sonst so dann den Lebensunterhalt verdient, weiß ich nicht.

Jedenfalls fuhr ich also zu Rouladen Reiner. Der bot mir auch gleich ein Paulaner Weißbier an und setzte sich zu mir. Erzählte Schwanks aus der Wüstenfahrerzeit und fragte, wo ich her sei (er selbst ist aus der Nähe von Nürnberg). Au?? Ja, Au, das kennt er. Der “Pedda”, der am Ortsausgang Richtung Mainburg die Werkstatt hat, den kennt er noch vom Wüste fahren. Haha, hätt ich ja auch nie gedacht, dass der Auer, der unseren kleinen Fiesta für 50 Euro gekauft hat, früher durch die Wüste von Afrika geheizt ist.

Unterhalten mit Reiner war nett, die Aussicht fantastisch und das Weißbier auf leeren Magen bei ca. 40 Grad tat seine Wirkung. Die Roulade war dann auch RICHTIG geil.

(Solche Opfer muss man schon mal auf sich nehmen, wenn man inTogo ein Auto verkaufen will)

Das war also am Samstag. Nach dem zweiten Weißbier und dem harten Aufschlagen auf dem Boden der Realität nach Reiners Einschätzung, fuhr ich erstmal heim …und schlief 3 Stunden. Hatte ich schön meine Sorgen ertränkt, erst in Tränen, dann in Bier :)

Genau da, wo man am wenigstens weiter weiß -passieren dann doch irgendwie irgendwelche Wunder. Am Sonntag bekam ich einen Anruf vom Schwaben, dass er das Auto nehmen würde (ich hatte schon nicht mehr dran geglaubt). Er wollte noch runterhandeln, weil er ja das Auto verzollen müsste. Julian schrieb: klar weg damit. UND DANN bekam ich noch eine email von einer neuen Kollegin. Sie wäre auch interessiert am Auto. Der Vorteil: sie war auch eine ausländische Beraterin und hätte damit das Recht, das Auto sogar zollfrei übernehmen zu können!!! So hatte ich auf einmal sogar 2 Interessenten -und dazu noch eine viel stärkere Verhandlungsposition.

Mit der Kollegin traf ich mich am nächsten Tag. Eine ganz junge Französin, die gleich ihren Fahrer mitbrachte, weil sie selbst keine Ahnung von Autos hatte. Der gute Mann kontrollierte alles unglaublich eingehend -löste allerdings bei mir Kopfschütteln aus: Zum Beispiel war es ihm äußerst wichtig, ob der Wagenheber noch im Auto war und funktionierte. Auch bespritzte er das Auto erstmal ordentlich mit Wasser, weil ein paar Staubkörner seit dem Großputz am Freitag drauf gekommen waren (Jetzt hab ich dafür lauter Schlieren auf den Scheiben). Den Motor machte er erst an, als sie eigentlich schon gehen wollten und alle Details besprochen waren (Probegefahren ist er gar nicht). Gar verwunderlich, aber mir solls recht sein.

Die Dame hat mich noch etwas zittern lassen, allerdings eher, weil sie sich erst noch danach erkundigen wollte, wie man einen internationalen Führerschein bekommt und ob das Auto auch bei Kauf noch versichert sei. Ich hab gleich mal auf Französisch noch einen Kaufvertrag aufgestellt. Man lernt echt viel!!! Heute unterschrieben, das Geld überweist mir wohl ihr Vater und somit hab ich das Auto zu einem Preis verkauft, den wir selber nicht mehr für möglich gehalten hätten. Die hatte erst gar nicht verhandelt. Ich musste es ihr förmlich aufdrängen. Als der Chauffeur dann ein bisschen den Afrikaner raushängen ließ, hat er erstaunlich schnell meiner Ölwechsel und Motoröl Preise Argumentation nachgegeben. Sagte am Ende sogar, es sei ein guter Deal. Ein klitzkleinesbisschen schlechtes Gewissen hab ich, dass es SO einfach war. Aber vielleicht war das jetzt einfach auch noch ein nettes Abschiedsgeschenk!

Mittagspause

Fast Food :)

Reis mit Bohnen, frittiertes Hühnchen und ein gekochtes Ei. Lecker!!

Küchlein aus Kochbananen und Maismehl

für umgerechnet 35 cent :) Bonne Appétit  !!

 

Ach ja und weil ich morgen das Auto ja hoffentlich mal dem Schwaben zeigen kann, hab ich es heute mal zum putzen lassen gebracht. Also wenn Togoer eins können, dann Autos putzen. Haha!! Ich war echt beeindruckt:

und dann die Motorhaube aufgemacht. Die Spinner waschen doch tatsächlich bei einem “einmal komplett” selbst den Motor:

Herbst

 

 

Ja, so schön kann der sein…

Während meine Frau noch allerhand in Togo erlebt genießen meine NIeren schon wieder europäische Herbsttemperaturen (weniger Schwitzen = mehr Pieseln -> glückliche NIeren).  Nebenbei beschäftige ich mich noch ein wenig mit der Landwirtschaft, der perfektionierung meiner Fahrradsammlung (der Weg ist noch weit…) und der suche nach einem schnuckligen Gebrauchtwagen. Achja, die Zukunft  in Form von Arbeit und Wohnort will natürlich auch gestaltet werden. Aber wie soll ich mich wo anders bewerben, wo es doch hier so schön ist?

Intensiv

Über Afrika sagt man ja oft, dass es nicht immer so ganz rationell abgeht, dass die Leute viel über Emotionen ausdrücken und für allerlei Spirituelles und Metaphysisches offen sind. Es ist schwer zu beschreiben, aber manchmal kommt es vor, dass man als Europäer plötzlich mitschwimmt auf dieser Welle, man die Welt um einen herum anders wahrnimmt, nicht so sachlich betrachtet, eher mit dem Herzen fühlt. Man teilweise auch hin und her gerissen ist, zwischen Dingen, die man gerne steuern können wollte, aber dann erleben muss, wie das Leben anders spielt.

Heute war ein solcher Tag. Sehr intensiv. Fing schon an, dass ich mit meiner neuen Kollegin in der Mittagspause essen ging. In eine kleine Bar am Strapenrand. Sie wollte mich kantonesischen Reis kosten lassen. Das ist das einzige, das es da zum Essen zu kaufen gibt, nämlich von einer Frau, die am Straßenrand einen großen Topf über einem Feuer warmhält. Es war eine sehr schöne Mittagspause, der kantonesische Reis echt lecker. Mal wieder war es ein einfaches Gericht für umgerechnet 80 cent, das mich mehr überzeugte, als vieles, was einem so in europäischen Restaurants angeboten wird. Ich “musste” auch gar kein Fleisch dazu essen, sondern sie akzeptierten es vollkommen, dass ich einfach keine Leber mag. Stattdessen bekam ich 2 Eier und war glücklich.

Danach noch Pagne kaufen. Keine Kollegin, eine Togoerin, die fließend Deutsch kann, hat mit den Stoffverkäuferinnen Ewe geredet, mit mir deutsch und wir alle zusammen französisch. Höchst intensiv wurden Stoffe angeschaut und Preise verhandelt. Natürlich kamen wir knapp ne halbe Stunde zu spät zur Arbeit :)

Der Verkehr war auch wieder sehr intensiv, wenn nicht sogar irre. Aber davon habe ich ja bereits genug berichtet.

Nach der Arbeit dann zur Schneiderin und da wird dann erstmal gequatscht und Fertiges anprobiert. Alle freuen sich, dass ich -ganz im Gegensatz zu den sonst so bestehenden Eindrücken von Weißen- so “eine tolle Form habe” ;) Bei der Gelegenheit hab ich gleich gelernt, dass man bereits Babies täglich mit heißem Wasser die Beine und den Po massiert, damit sie später eine schöne Form haben. Auch krass. Bei der Schneiderin ist es immer sehr lustig und aufregend. Ihre 4 Lehrlinginnen werden rumgescheucht und rumkommandiert, um der Steffi dies zu holen und der Steffi das zu machen. Wenn ich eine Bluse anprobiere, helfen mit 6 Paar Hände, den Eingang in die Ärmel zu finden, die Dame, die in dem Friseursalon den Kopf gewaschen kriegt, in dem aber der einzige Vorhang zum Umziehen ist, springt dann mit halb gefärbtem Kopfschmuck eifrig aus ihrem Stuhl, um mich in Ruhe ankleiden zu lassen… Heute habe ich mal eine größere Bestellung in Auftrag gegeben, da fielen dann vor lauter Wurschtel Wurschtel und “such doch schnell mal einen Stift” und “wo ist eigentlich der Stoff vom letzten Mal” immer wieder Zettel und Fadenspulen runter. Ach, es war herrschlich. Herrlich chaotisch, herrlich emotional und am Ende auch wieder herrliche entspannt. Herrlich inteniv halt.

Dann fuhr ich wieder fort und wollte noch schnell zur Bank. Davon ist eine auf der Hauptverkehrsstraße. Da wo Straßenkinder ans Fenster kommen und dir mit “Madame, ich habe Hunger” und “ab morgen werde ich nicht mehr betteln” ein mulmiges Gefühl hinterlassen. Essen geben wäre auch keine Lösung, so “erzieht” man sie praktisch zum Betteln; aber es ist richtig schwer, in so einem Moment damit umzugehen. Genauso als ich vor der Bank parkte und ein Mann förmlich auf meine Autotür zugeschossen kam. Ich versuchte ihn zu ignorieren und lief schnell zum Geldautomat. Holte egtl gar nicht so viel Geld ab, aber mit Sicherheit mehr als der Mann wahrscheinlich in einem halben Jahr in den Händen hält. Danach ging ich zurück zur Autotür. Da stand er noch und flehte mich mit Tränen in den Augen an “Madame, können sie mir helfen, haben sie Arbeit, haben sie Arbeit”. Aber es war eine absolut komische Situation irgendwie. Extrem irgendwie. So rein emotional. Er da so verzweifelt und doch war ich am Zweifeln, ob er nicht einfach eine Rolle spielt. Ich dachte noch daran, dass ich ja in 2 Wochen gehe und ihm soweiso keine Arbeit mehr geben könnte und dann wiederum, dass ich ja genau für ein Programm arbeite, das berufliche Perspektiven für junge Menschen schaffen soll.  Was mir an der ganzen Sache extrem unangenehm vorkam war die Intensität des Moments. Der Mann, der so aufdringlich, so emotional auf mich einredete und vor allem dabei meine Tür festhielt, dass ich sie mit Gewalt zuziehen musste. Ich bekam fast Angst. Und es war ein Erlebnis, das ich so in Togo noch nicht hatte und das so wohl auch eher nur in der Großstadt vorkommt und wahrscheinlich sogar vor allem nur auf dieser Straße. Ich bin dann einfach weggefahren. Meine Tür war nicht mal richtig zu. Ich hab gezittert. Und doch, war ich wieder nur so ne scheiß ignorante Weiße, die mit dem Ganzen überfordert gewesen war.

Dann bin ich noch kurz in den Supermarkt. Ja, in den für besser-Gestellte. In dem es sogar die Eier abgepackt und in “1A Qualität” gibt. Da sah ich schon ein paar Halbstarke, die vor dem Alkoholregal bereits ihre Dose Bier aufgemacht hatten. Sie standen da und lamentierten und fühlten sich wohl gut, in dem Laden für die Reichen abzuhängen. An der einen der zwei Kassen war der Barcode-Leser ausgefallen und die Dame musste alle Nummern per Hand eintragen. Das dauerte, aber ließ mir Zeit zu überlegen, dass das wohl die einizge Kasse mit Barcode-Lesegerät in ganz Togo sein könnte. Die Menschen mit mir in der Schlange waren alle sehr geduldig und friedlich. Gar nicht so die sonst so herablassende Oberschicht, einfach nur Leute, die noch kurz das Wichtigste für den Abend einkaufen wollen. Dann war da wieder einer der Bierdosen Typen. Die Kassiererin, knapp an Kleingeld, fragte, ob er ihr 100 Francs geben könnte, dann würde sie ihm statt 400 Francs in Münzen, 500 als Schein geben. Er war einfach viel zu blöd und fing eine Diskussion an, dass er doch nicht so blöd sei, ihr NOCH mehr Geld zu geben und sie würde betrügen und von ihm mehr verlange als gefordert und schrie rum und zeigte mit dem Finger auf sie, dass in Kürzester Zeit ein riesen Mob angelaufen war und der SIcherheitsmann kommen musste, den keifenden Typen nach draußen zu schieben. Die Kassierin hatte ihm natürlich schon längst 400 Francs in Münzen in die Hand gedrückt, aber er war so wild, nicht mal seine Freunde konnten ihn besänftigen. Er stolperte beim Rausgeschoben werden, fiel hin und wurde noch viel wilder. Die arme Verkäuferin versuchte stattdessen, die anderen Kunden nicht noch länger warten lassen zu müssen.

Ganz verwirrt von so viel Aggression und Missverständnis fuhr ich heim.

Da lebe ich ja in einem Hof mit einem 80 jährigen deutschen Professor (der beeindruckend interessante Geschichten erzählen kann) und 3 togoischen Familien. Die sind alle so nett und auch wenn ich erst seit einer Woche hier wohne, lebt man einfach so nah beieinander, dass man viel vom anderen mitbekommt (sogar die Pfurze) und man gar nicht drum rum kommt, Leben zu teilen. Somit hatte ich natürlich auch mitbekommen, dass die Frau des einen, SEHR netten Herren mit 2 SEHR netten Kindern, neulich schwere Blutungen gehabt hatte und ins Krankenhaus gebracht werden musste. Sie war im 6. Monat schwanger und natürlich kam mir gleich der Gedanke, ob um das Baby wohl alles so in Ordnung sei. Letzte Nacht dann wieder musste sie in die Notaufnahme gebracht werden, in ein Krankenhaus, das so überbelegt ist, dass selbst Mütter mit neugeborenen Babys auf Pappe auf dem Boden im Flur schlafen müssen. Heute morgen um 10 war klar, das Baby im Bauch unserer Nachbarin war schon seit einigen Tagen tot und die sofort eingeleitete Not OP versuchte im Grunde nur noch, das Leben der Mutter zu retten. Große Verzweiflung, große Hilflosigkeit. Die Ärzte sagten, sie könnten nichts mehr für sie tun. Ihr Mann solle sie mit nach Hause nehmen. Der alte deutsche Professor meinte nachher zu mir: Weißt du, in Afrika und auch hier in Togo, gibt es etwas anderes. Es ist rationell nicht nachvollziehbar, wie man eine im Todeskampf liegende Mutter nach Hause schicken kann. Aber irgendwie ist da noch ein anderes Wissen. Ein Gespür dafür, dass diese Frau einen EXTREM starken Lebenswillen hat und dass sie es -in ihrem gewohnten Umfeld- schaffen kann. Als ich vorhin nach Hause kam, hatte sie sich stabilisiert. Man weiß immer noch nicht ganz, wie es weitergeht, aber die Lage hat sich beruhigt und mit Medikamenten versucht sie jetzt, langsam wieder zu Kräften zu kommen.  Das Krasse ist, ich kenne diese Menschen seit einer Woche. Aber wir hatten schon so viel Austausch und so viele Begegnungen, dass das Leid dieser Familie mich zutiefst erschüttert. Und die beiden lebenden Kinder springen mir fröhlich um den Hals und ich versuche Witze mit ihnen zu machen und denke mir, sie verstehen wahrscheinlich gar nicht, dass sie gerade fast ihre Mutter verloren hätten. Der Mann tut mir leid. Es hat so ein freundliches Gemüt und so ein warmes Herz, und das nicht nur, weil er mir schon mehrmals das Auto gewaschen hat und mir jeden Morgen frische Baguetts an die Türklinke hängt. Er ist echt besorgt und tut alles ihm Mögliche für das Leben seiner Frau.

Ich saß lange mit dem Professor und redete über den Tag und über die unterschiedlichen Kulturen und darüber, wieviel Wissen und Weisheit teilweise nicht-rationeller Praktiken und Intuitionen in der europäischen Welt schlichtweg als Aberglaube oder folkloristischen Traditionsriten abgetan werden. Aber die Wissenschaft kann bestimmt noch bei Weitem nicht alles erklären, was einen Menschen z.B. dazu befähigt, die nötige Kraft aufzuwenden, trotzdem zu überleben.

Viele Emotionen heute. Gute und schlechte. Die meisten nicht mal bewusst. Die waren einfach da. Durch den Körper geflossen, gar nicht mal unbedingt bis in den Kopf gekommen. Einfach ziemlich krass intensiv.

Wir haben auch noch nicht berichtet, dass unser Autokäufer abgesprungen ist, oder? Tja, Julian ist schon in Deutschland und ich fliege auf den Tag genau heute in zwei Wochen heim -und derjenige, der seit 3 Monaten immer nachgefragt und bestärkt hat, dass er unser Auto kaufen möchte (KEIN Togoer), hat uns nun gesagt, dass er den Wagen nicht nehmen wird -seine 30 Jahre jüngere Freundin findet ihn zu wenig chick, bzw. zu wenig Klimaanlage. Das hat mich ganz schön durcheinander gebracht. Wie soll ich denn jetzt in 2 Wochen ein unverzolltes Auto los werden? Bei facebook, mit Kollegenrunmail, mit deutscher Community… kamen bisher 2 Reaktionen: eine absolut unverschähmte und ungeduldige Anfrage auf Facebook und ein Libanese (die beherrschen hier den Automarkt).

Aber auch da, geschehen wieder “Zeichen und Wunder”, deren “Zufälle” kann man mit normalen Menschenverstand nicht begreifen. Morgen Abend kommt eine Gruppe Schwaben aus Deutschland an, die schon seit langer Zeit “Hilfe für Togo” leisten und regelmäßig einmal im Jahr ins Land kommen. Einer der Schwaben möchte sich gerne langfristig eine Urlaubsbleibe hier schaffen und hat auf dem Plateaux neben dem Kartoffel Rudi schon zu bauen angefangen. Dieser sucht auch einen fahrbaren Untersatz und Rudi hatte mit ihm schon über unser Auto und sogar die letzte Preisvorstellung gesprochen. Lange Rede kurzer Sinn: der Schwabe ist gar nicht abgeneigt und ich werde ihn am Samstag treffen. Wenn das mal nicht intensive Zeiten sind.

Abenteuer Großstadt

Was so eine einzige Stunde doch alles mit sich bringen kann. Wollt ich also nur kurz nach der Arbeit noch schnell in den Supermarkt. Das ist ja ein Luxus, dessen Wert man sich -wenn man nicht aus Sokodé kommt- gar nicht vorstellen kann. Es war zwar grad Lomé-Haupt-Feierabendverkehr, aber Steffi findet das ja aufregend:

Schon beim Rechtsabbiegen in die zweispurige Hauptverkehrsstraße war kreatives sich Dezimeter pro Dezimeter im Verkehrsfluss Territorium erobern gefragt. Oder eher Machtanspruch. Das Verkehrsprinzip funktioniert hier ja eher nach dem Recht des frecheren. Du kannst ewig an einer Ausfahrt stehen oder dich einfach konsequent Stück für Stück nach vorne bewegen. Erst hupen die anderen Autos noch, dann hupen sie und fahren einen Bogen um deine Schnauze, dann kommen sie dir gefährlich nahe, weil sie nicht einsehen, dass du jetzt da rein willst, dann können sie nicht mehr anders und müssen stehen bleiben und dich reinlassen (denn bis das Lenkgrad komplett eingeschlagen ist steht man ja dann doch etwas quer zur Fahrbahn). Die ersten 100m vom Büro waren also gemeistert. Dann sah ich schon den Stau an der Ampel. Vier Reihen Autos auf 2 Spuren verteilt. Ich hab mich nicht bedrängen lassen und mir noch 10 cm neben der Karosserie des Nachbarautos meinen Platz erkämpft. Das Schöne ist ja: Schrammen im Auto fänden mein Mann und ich nicht schlimm. Das Interessante ist ja: dass mit dieser Einstellung und trotz hiesiger Fahrkultur noch nie eine Schramme ins Auto gekommen ist. Ein bisschen Bewahrung war auch dabei. So ein übereifriger Mopefahrer schoß direkt vor meinen Kühler, praktisch von meiner rechten auf meine linke Seite -genau in dem Moment, in dem ich wieder Gas geben wollte.

Schon von Ferne hatte mich der Scheibenputzer-Typ gesehen und rannte todesmutig zwischen den sich vor der Ampel einreihenden Autos auf meinen Wagen zu. Scheibenwischer-Typen finde ich ja äußerst praktisch. Anfangs versuchten wir sie noch ein wenig abzuwimmeln. Die nutzen dann geschickt die Momente, in denen ich z.B. mit dem Radio beschäftigt war, um doch mit Seife und Abzieh-Schwamm unsere Front zu säubern. An der einen Ampel sind es immer die 2 gleichen Typen und mittlerweile sind wir schon sowas wie Stammkunden geworden, die sogar persönlich begrüßt werden. Also hörte ich wieder das “jolie Señiorita” und der Typ begann eifrig und wirklich ordentlich die Scheibe zu putzen. Zwischendrin fragte er: Wo ist denn mein Präsident?? (er nennt Julian immer Präsident). Da sagte ich, dass er nach Deutschland zurückgegangen sei. “Nach Deutschland???? Comme ça?? (Einfach so?)” … und dann wurde die Ampel leider schon wieder grün.

An der nächsten Ampel kam ich an, da hatte es bereits auf grün geschalten. In Togo ist ja die Ineffektivität der Verkehrsführung beeindruckend: An der großen zweispurigen Hauptverkehrsstraße ist vor jedem Kreisverkehr eine Ampel (oder hinter jeder Ampel ein Kreisverkehr -wie mans nimmt). Die Ampelschaltung gewährt aber dann nur immer einer Richtung die Fahrt. Ergo: selbst wenn die zwei sich entgegenkommenden Fahrtrichtungen ohne größere Zusammenstöße voran könnten, muss die eine der beiden sich entgegenkommenden Richtungen stehen bleiben, bis die andere wieder Rot hat. Erstaunlicher Weise halten sich bei diesen Ampeln die Fahrer auch an die Ampel und fahren nicht einfach bei rot trotzdem los. Liegt aber auch daran, dass auf den Kreisverkehren zahlreiche Polizisten rumstehen, die jeden rausziehen, der sich nicht an diese Ordnung hält (oder der dann eventuell bereit ist, ne Kleinigkeit locker zu machen). Der Verkehrsstrom meiner Richtung floss also, nur irgendwie für meine Empfindung recht dämlich. Ein zweispuriger Kreisverkehr wird hier nämlich nicht in zwei Spuren umfahren, sondern man fädelt sich zu einer Tangente am Kreis ein. Oft fahre ich einfach rechts an allen vorbei. Heute sah ich, dass sich alle schon auf der Geraden rechts eingeordnet hatten und links alles frei war. Ich also links an mehreren Autos vorbei auf den Kreisverkehr zu, dann kurz recht ins die Tangente gedrängelt und beim Ausfahren aus dem Kreisverkehr auf die rechte Spur, um in die Straße zum Supermarkt zu kommen. Bei den kleineren Straßen wirds natürlich mit den riten Ampeln nicht so genau genommen. Ich aber trotzdem brav angehalten. Die hinter mir fanden das jetzt nicht so angebracht und hupten los. Und der ungeduldige Taxifahrer direkt hinter mir löste das Problem, in dem er mich überholte und danach einfach souverän seinen Weg (über die rote Ampel) fortsetzte.

Der Supermarkt Parkplatz (einziger französischer und damit westlicher Supermarkt in Lomé) quillt über von Prestige- und in der Stadt eher nutzlosen aber konfortablen Riesengeländewägen. Mit diesen überdimensionalen Gefährten entstehen natürlich immer wieder besonders ungünstige im Kampf um den dem-Eingang-am-nächsten-liegenden Stellplatz. Ich habe -die Rangierproblematik in diesem Kontext nicht vergessend- rückwärts einparken wollen. Das irritierte aber irgendwie meine Mit-Parkplatz Bevölkernden. Sie verstanden nicht, warum ich an einer bestimmten Stelle stehen blieb (wollte ich doch nur einen Wagen erst rausfahren zu lassen, um dann besser einschlagen zu können). Verdutzt blieb der auf den ich wartete wie angewurzelt stehen, zeitgleich dachte ein anderes schwarzes Monstergefährt, es müsse jetzt unbedingt rückwärts ausparken -praktisch auf den angewurzelt Stehenden zu. Der bisher unauffällige Parkeinweiser pfiff aufgeregt in seine Trillerpfeife. Währenddessen war mein Hinterfahrer ungeduldig und schloss so dicht auf mich auf (und hupte dabei), dass ich nun weder vor NOCH zurück konnte. Naja, wie ein Knäul Wolle löste es sich dann doch, als das schwarze Monstergefährt sich dem Parkeinweise unterordnete und abwartete bis der Rausfahrende das Knäul verlassen und ich einparken konnte.

Im Supermarkt war was dann schon toll. Ich kaufe eine Restaurante Mozarelle Tiefkühlpizza und abgepackten Ackersalat aus Europa (!!!! *hahaha) und fühlte mich wie eine Königin. Die Pizza werde ich nachher in der Pfanne “backen”, weil wir keinen Ofen haben und den Salat (mit nur aus Gewohnheit im Kopf auftretenden Sorgen um Amöben) beruhigt genießen. In Sokodé hätten wir zwar einen Ofen gehabt, allerdings hätte es bis dort hin die Tiefkühlpizza nicht gepackt.

Draußen wollte ich noch ein paar Avocados kaufen und kommunizierte das ein paar mit Kochbananen auf dem Parkplatz handelnden Damen (ich erhoffte damit, sie freundlich von meinem heutigen Desinteresse an ihrem Produkt überzeugen zu können). Falsch gedacht. Die eine Dame meinte gleich, sie könne mir auch Avocados besorgen, für wieviel denn?? Ich nannte einen Preis und sie zog los. Ihre Kolleginnen baten mich, doch neben ihnen auf dem Pappakarton Platz zu nehmen …also gut. Und da saß ich dann und wartete. Neben den anderen Händlerinnen und den wartenden Mopedtaxifahreren und Chauffeuren, deren “Patronen” im Supermarkt für dickes Geld europäische Lebensmittel konsumierten. Ich fühlte mich wohl, so bei den “Normalos”. Die Loméer Weißen- und Reichenwelt ist nicht so meins. Da lächelt keine, wenn sie die Tüten von einem der zahlreichen Verkäufern aus dem Supermarkt hinterhertragen oder sich von ihrem Chauffeur aus dem Parkplatz bugsieren lässt. Meine Avocado Dame kam aber ne ganze Weile nicht wieder, so lange bis ihre Kolleginnen unruhig wurden und eine weitere hinter ihr her schickten. Ich war allerdings keineswegs beunruhigt. Ich hatte noch nicht mal gezahlt (die Dame war einfach so auf command losgegangen -hätte sich also auch mit meinem Geld nicht aus dem Staub machen können) und außerdem hatte ich keinen Stress. Manche Weiße schnauzen ihre Bediensteten ja voll an, wenn die nicht spuren… voll krass irgendwie. Aber auch in anderen Zusammenhängen hab ich schon bedeutend mehr positive Erfahrungen gemacht als negative und hab das Gefühl, die Leute sind meistens ehrlich und nutzen einen nicht unbedingt aus, wenn man als Weiße auf dem Markt einkaufen geht.

So, dann kam also die Frau, alles gut, alles ins Auto und los. Beim Zurückfahren ähnliches Spiel wie bei der Her-Fahrt, nur noch mit einem Leckerli: die Wasser gefüllten Schlag(schwarze)löcher trocknen langsam aus. Was nicht heißt, dass sie trocken sind. Eher mit einem uneinschätzbaren Schlick gefüllt. Bisher wusste ich, konnten wir mit unserem Auto DURCH die Löcher fahren, auch wenn wir teilweise bis zu 40cm tiefe Flüssigkeit durchquerten. Aber die braune, leicht schaumende Oberfläche hatte nicht mehr ganz mein Vertrauen und ich wählte bei dem ersten Schlagloch die improvisierte Umgehungslinie. Beim zweiten Schlagloch allerdings waren am Rand wieder so viele hohe Steinkanten freigeleht, dass ich mich entschloss, das Vertraute zu wagen und durchzufahren… Ein komisch, glitschiges Gefühl. Fast ein wenig weich. Ich erinnerte mich an Julians Rat: konstante Geschwindigkeit, nicht zu schnell, nicht zu langsam. Und da an der tiefsten Stelle -so ca. 30cm tief- war plötzlich was komisch. Ich kam nicht mehr so gut vorwärts und der Motor klang als wollte er gleich absterben. Scheiße, ich war ja noch im 2.Gang. Das Wasser-Schlick-Gemisch umquoll meiner Reifen mehr als mir lieb war. NUR NICHT STEHEN BLEIBEN!!! Ich schaffte es in den 1.Gang zu schalten und hatte wieder mehr Zug. Zitternd schaffte ich es aus dem Loch, war dankbar und wollte beim nächsten derartigen Hindernis lieber kein Risiko mehr eingehen. Also die entgegenkommenden Mopeds abgewartet und dann -kein Moped seinend- mit Abgrund links (weil durch den Regen der Teer abgebrochen und der Randstein unterspült worden war) und Verkauftsständen 10cm rechts nebem meinem Rückspiegel die Umgehungslinie entlang bugsiert.

Das Folgende ist das spannenste Schlagloch. In der Mitte so um die 40cm tief:

Beim “heim” kommen noch kurz über die miese Laune des sonst so netten 80 Jährigen Vermieters gewundert, aber dessen rechte Hand kämpfte grad recht erfolglos mit einer immer wieder umspringenden Sicherung, die eine komplette Dunkelheit im Haus zur Folge hatte.

Jetzt mach ich mir aber meine Restaurante-Mozarella-Pizza!!!

Nachtrag: Heute bin ich definiv NICHT mehr durch die Schlicklöcher gefahren. Ein Laster hat es doch probiert:

Und das war nur einer von 2en. Die können jetzt erstmal ihr Mittagessen nebendran kochen :) Jedenfalls ist die Straße jetzt komplett blockiert und die improvisierten Umgehungslinien führen halb über einen Sandberg drüber und zwischen auf dem Parkplatz einer Bank parkenden Autos und Strompfosten durch.

München

Ratet mal, wer gut in München gelandet ist… und auf dem Flug von Lomé nach Brüssel hatte er sogar ne ganze Sitzreihe für sich allein.

Die Zukunft beginnt JETZT :)

Wehmut

In wenigen Stunden geht es los. Mein letztes Mittagessen in Togo wird grad von meinem Magen verarbeitet. Es war recht lecker, wir haben nochmal ein schönes Restaurant gefunden.

Ein bisschen wehmütig bin ich (erstaunlicherweise) ja schon. Seit dem Deutschland Urlaub im Sommer bin ich ja mit einer ganz anderen Einstellung an die Sache herangegangen. Und trotz einem kleinen Steinchen im Entwässerungssystem, dass mich teilweise ganz schön außer gefecht gesetzt hat hatte ich so eine schöne Zeit. In unserer “alten” Heimat Sokodé wohnten wir ja in einem kleineren, aber schöneren Haus, da unser großes ja leider recht verschimmelt war. Das hat auch gleich zu sozialer Mehrintegration geführt und da ich ja so Unternehmungslustig war bin ich auch nochmal 500km mit dem Motorrädchen durch die Gegend gefahren und hab noch schöne Sachen entdeckt. Da kommen noch Fotos und Videos und Geschichten. Wenn ich dann wieder in Deutschland bin…

Und dann die letzten zwei Tage wieder in Lomé, da war ich dann zeitweise doch auch wieder froh bald weg zu dürfen. Die Stadt geht mir schon irgendwie auf die Nerven, aber so schlimm ist es diesmal auch nicht. Vielleicht ist es auch nur grad nicht so schlimm, weil mein Gepäck schon aufgegen ist und ich somit total entspannt bin. Der Flughafen hier ist ja leider ein wenig furchtbar. Gut, man kann direkt davor relativ günstig parken und es gibt jede Menge günstige, hilfreiche Kofferträger. Aber dann, an der ersten Absperrung werden alle außer die Fluggäste des Tages abgewiesen, dann kommt ne Sicherheitskontrolle mit so nem Apparat wo alles durchleuchtet wird und dann erst kommt man zum Gepäck aufgeben und einchecken. Das Problem daran, ich hatte so ein Fahrradkarton dabei, und das versprach Kommunikationspotential. Und das allein mit meinem Französisch… Jedenfalls, kam ich dann da rein, allein, meine Frau und Dolmetscherin wurde abgewiesen (und konnte beobachten, dass man mit ein wenig Zahlungsbereitschaft auch ohne Ticket reinkäme…). Drinnen hab ich der Check-In-Dame dann mein Ticket hingehalten und verständlich gemacht, dass ich da noch so ein klitzekleines Extra-Gepäckstück habe. Ich sollte alles mal aufs Band schieben und wurde in ein Büro geschickt. Da war dann ein Mensch, der behauptete Englisch zu sprechen. Tat er auch, ganz gut sogar. Nur meines verstand er nicht. Also hab ich doch mal mein Französisch ausgepackt und im zunächst mal erklärt, dass ich statt der von ihm geforderten 150€ nur 100€ zu zahlen gedenke. Hat er dann auch schnell eingesehen. Anschließend hab ich ihm erklärt, dass meine Frau mit der Visa-Karte draußen ist und ob ich mit meiner Maestro zahlen kann. Ging natürlich nicht. Aber ich konnte in meinem Geldbeutel noch 80€ und 13500 Francs CFA zusammenkratzen, das hat ihn auch zufrieden gestellt. Dann hat er festgestellt, dass mein Französisch ja gar nicht so schlecht ist, und tatsächlich, es geht. Gut, es gibt keine Zukunft, keine Vergangenheit und oft versteh ich auch einfach nichts, aber so die überlebenswichtigen Alltagsgespräche gehen schon so halbwegs. Die Woche hab ich sogar schon zweimal meiner Frau was übersetzen können, was sie nicht verstanden hatte… Aber kommt jetzt blos nicht auf die Idee mit mir französisch reden zu wollen…

Lustig war heut auch das Taxi, das mich böse angehupt hat. Ich glaub es hatte Angst, dass ich es komplett überflute, mit der Bugwelle, die ich hier durch die Klitzekleine Pfütze vor mir hergeschoben hab. Gestern hat es nochmal ordentlich geregnet und auf dem Weg zu unserem Appartment sind ein paar interessante “Schlaglöcher”. Da könnte man auch ein wenig Schlauchboot fahren. Oder eben Geländeautomobil…

Also, die Koffer sind weg, das ist schön. Ich bin ein wenig wehmütig, ein wenig werd ich Togo schon gelegentlich vermissen und vielleicht kommen wir ja sogar mal wieder her. Vor ein paar Monaten noch war das für mich vollkommen ausgeschlossen…