Archiv für den Monat: Oktober 2014

Im Land der Monster

Kürzlich fuhren wir los, mit dem Geländeautomobil. Unterwegs haben wir noch zwei weitere Geländeautomobile getroffen und mit drei Geländeautomobilen sind wir dann auf die Farm des einen Geländeautomobilfahrers gefahren. Ne Farm ist hier ja schon deutlich anders als wir es aus Europa gewohnt sind, aber dazu später mehr. Nach ein paar Kilometern Straße konnten wir diese auch mal verlassen und noch ein wenig über Wege fahren die besser zu Geländeautomobilen passen. Am Wegesrand wuchsen dort gewaltige Pflanzen. Ich glaub man nennt es Gras. Monstergras!

Das Geländeautomobil, das nur ein paar Meter vor uns fuhr war nach jeder Biegung der Straße verschwunden. Es hat sich wohl in der Wiese versteckt. Lustig auch, wie das Gras in der Mitte des Weges, das über die Motorhaube reicht immer plötzlich vor der Stoßstange des Geländeautomobiles verschwand…

Nach einigen Metern ist das vor uns fahrende Geländeautomobil plötzlich etwas ausgewichen. Etwas schwarzem, länglichem. Auf dem Boden kroch es. Eine Schlange? Nein, ein Monstertausendfüßler:

Auf dem Bild kommt das nicht so rüber, aber das Vieh hätte gegrillt sicherlich gereicht um satt zu werden. Also vielleicht nicht ganz, und wenn dann auch eher vor Ekel, war aber schon so ne Handspanne lang und über Daumendick. Ich glaub das war das größte Insekt, dass ich je gesehen hab…

Angekommen auf der Farm haben wir dann erstmal unsere Geländeautomobile zur Seite geräumt und ne Runde gechillt:

Achja, so ein kleines Frühstück mit gebratenem Huhn gabs auch. Anschließend sind wir mal aufs erste Feld marschiert und haben uns die Jamsernte erklären lassen:

Jams sind Wurzelgemüse. Am besten wächst es wenn man es in Erdhaufen anpflanzt, eine Pflanze pro Haufen und ein Stück der Wurzel in dem Haufen reicht um es neu Anzupflanzen. Recht dankbar eigentlich. Müsste man nicht erst die Haufen buddeln. Maschinen gibt es hier natürlich  nicht. Ich glaube es fehlt vor allem an fähigen Landmaschinenmechanikern um die Geräte am laufen zu halten und kaputte Maschinen setzen sich einfach nicht durch. Mal abgesehen davon, dass man sie sich leisten können müsste…

Ausschauen tut das ganze geerntet dann so:

Der verbeulte Stahlhelm ist eigentlich ne Alu-Schüssel, die sicher mal nen halben Meter Durchmesser hatte. Monsterkartoffeln könnte man also sagen. Allerdings nicht besonders überraschend, weil kannten wir schon…

Monstergras ergibt übrigens auch eine schöne Geschenkverpackung für Monsterkartoffeln:

Und den leeren Stahlhelm kann man dann auch wieder aufsetzen:

Nach der Rückkehr vom Feld sind wir dann ein wenig losmarschiert. Farm weiter betrachten, Jagen und Fischen. Ich kann es vorwegnehmen, die Jäger und Fischer waren Erfolglos, als betrachter hatten wir aber doch so einiges zu sehen.

Die volle Blütenpracht des Grases:

Blumen sind hier ansonsten eher selten. Ein Bohnenfeld:

Und der Bach:

Und ein traditionelles Haus:

Angenehmes Klima, dichtes Dach. Aber halt vom Status her nicht mit so nem schimmelnden, undichten Saunabetonbunker mit Flachdach zu vergleichen. Ganz klar, da nimmt man den Betonbunkter, nur um den Nachbarn zu zeigen, dass man es sich leisten kann. Die Rechnung der Klimaanlage übrigens auch…

Die Aussicht übers Maisfeld:

Schmetterling:

Schmetterlinge, Bienchen und Blümchen:

Bäume, Schatten. Endlich:

Und dann kehrten wir irgendwann wieder zurück. Wir waren vielleicht ne Stunde unterwegs oder zwei. Ich hatte jedenfalls genug für zwei Wochen geschwitzt, und so ein leichter Sonnenstich begann sich abzuzeichnen. Also erstmal in den Schatten setzen und viel trinken. Meine Frau durfte dann sogar mal in die Küche, Essen kochen helfen:

Monsterkartoffelbrei stampfen. Irgendwann wars dann auch fertig:

Und Essen:

Afrikaner essen ja unheimlich gewaltige Portionen und das geht dann im Magen auch noch auf. Nachdem wir uns dann kugelrund aufgeblasen fühlten marschierten wir zum Fluß. Dort stand ganz unscheinbar am Wegesrand, fast hätte ich es nicht wahrgenommen, ein Strauch mit Monsterbohnen:

Im Fluß wurde auch schon Gold gefunden, entsprechend sah der Strand aus:

Fast wie ein ausgehfertiges Dekolleté (macht man das noch so goldig?).  Wir sind trotzdem Baden gegangen (Gold ist ja angeblich vollkommen ungifitig, obwohl es schwer und ein Metall ist):

Wir haben dann auch mehrere Goldnuggets herausgetaucht, die sich allerdings als Steine erwiesen – wobei hier und da schon ein wenig Goldglitzer zu sehen war. Die Profis hatten da sicherlich ein wenig mehr Erfolg:

Nach dem Baden sind wir dann wieder zurück zu unseren Geländeautomobilen gewandert, haben ein wenig beim Aufräumen zugeschaut (haste keinen Krempel dabei musste auch nichts aufräumen…) und dann sind wir wieder nach Hause gefahren. Anschließend sind wir praktisch direkt ins Bett gegangen. Wir hatten fast ein schlechtes Gewissen, weil es noch so früh war. Andrerseits, man geht ja so früh ins Bett, hier in Afrika…

 

Die vorletzte Woche…

… in Sokodé. Ich wollts ja nicht glauben, als alle sagten, das würde am Ende total schnell gehen. Aber das tut’s. Also, wieder viel passiert:

Wir haben uns schön in unserem Übergangsheim eingelebt. Die kleine Wohnung ist eigentlich viel gemütlicher als unser großes unbewohnbares Haus. Auch die Nachbarschaft ist lebendiger und auf dem Gelände arbeitet u.a. der Pastor für Übersetzungsarbeiten und kommt gelegentlich auf einen Schwatz vorbei.

Garten:

Häuschen:

Veranda (optimal für Frühstück und Mittagessen):

Wohn-/ Esszimmer und Küche:

Schlafzimmer:

Bad:

(was braucht man mehr ;) )

Etwas anderes hat uns total überrascht: wir haben schon total viel aus unserem alten Haus verkaufen können. Wussten ja erst nicht so recht, ob wir das ganze Zeug überhaupt los bekommen. Aber das geht so schnell, wir kommen gar nicht richtig hinter, die Verkaufs-Liste entsprechend zu erneuern. Kühlschrank schon weg, Herd schon weg, Esszimmertisch plus 6 Stühle schon weg, Gardinenzeugs schon weg, Bett und die 2 Matrazen auch, ebenso viele Küchenutensilien. Momentan sieht’s im Haus etwa so aus (sorry für die schlechte Bildqualität):

Außerdem gibt es fürs Moped 3 Interessierte, fürs Auto einen, der schon 3 mal gefragt hat, für die anderen Sachen sieht es ähnlich aus und was noch viel erstaunlicher ist: wir haben bis jetzt sogar mehr Geld wieder eingenommen, als wir ursprünglich erwartet hatten. Ich würd mal sagen: läuft !!! :)

Ansonsten sind wir schon so ein bisschen am Abschiednehmen. Dazu gehörte natürlich auch sowas wie Souvenire besorgen und da Sokodé für sein Webehandwerk bekannt ist, haben wir da gleich mal was bestellt. Den Leiter des Zentrums kenn ich ganz gut und er ermutigte mich, doch Farbe, Größe und Muster des Stoffes vollkommen frei zu wählen. Die Damen an den Webstühlen waren sogar so nett, sie webten verschiedene Optionen als Anschauungsmöglichkeit und riefen uns dann an, vorbeizukommen und uns den Favoriten auszusuchen. Tatsächlich fühlt man sich aber zeitlich um die 100 Jahre zurück versetzt, wenn man die Fertigungshalle betritt…

… aber das Ergebnis hat uns aber so gut gefallen, dass wir gleich noch was bestellen wollen.

Der Verkaufsladen:

Auf dem Gelände war auch noch eine Fahrschule:

Bedeutend weniger erfreulich war ein anderes Erlebnis: Wieder eine Beerdigung!

Mein Fahrer hat schon wieder ein Familienmitglied verloren, diesmal seine Schwester. Sie ist bei der Feldarbeit von einer Schlange gebissen worden. Schlangenbisse wären hier nicht grundsätzlich tödlich, nur hatte man sie erstmal 3 Tage im Dorf behalten und sie dem Wunderheiler anvertraut. Als es immer schlimmer wurde, kam sie dann doch endlich ins Krankenhaus. Allerdings war es da schon fast zu spät. Ihr Bein war so dick angeschwollen das es ganz aufgeblasen wirkte. 2 Mal haben sie noch Bluttransfusion probiert, aber es hat alles nichts genützt. Eine sehr traurige Geschichte! Die Beerdigung war kulturell unkompliziert und doch ergreifend. Man bringt die Tote ja nicht so zum Grab wie bei uns und hält noch eine Ansprache. Wir Kollegen fuhren ins Dorf und wurden dann einfach gebeten, uns auf die Stühle im Schatten eines Hauses zu setzen. Nach uns nach kamen mehr Leute und setzten sich auch einfach hin. Keiner redete (außer halt nur ganz leise mit seinem Sitznachbarn). Irgendwann kam der Fahrer mit seinem Vater und bedankte sich, dass wir gekommen waren. Dann weiter sitzen. Dann sah ich ein Mädchen mit einem Wasserbecher auf uns zukommen und dachte fiebrig darüber nach, wie ich nun drum rum kommen könnte, das als Geste der Gastfreundschaft und Höflichkeit angebotene Brunnenwasser trinken zu müssen. Der togoische Kollege neben mir erlöste mich, nahm den Becher, trank selbst nur einen minimalen Schluck und meinte, sie solle den Becher weiter an die Schwarzen geben (die übrigens auch ablehnten …meine Städter Kollegen). Danach wurde uns gesagt, dass man die Tote im offenen Sarg ansehen könnte. Aber… in Zeiten von Ebola -schoß es mir durch den Kopf- wusste ich nicht, ob das unbedingt sein musste. Die anderen Kollegen gingen eh auch nicht und irgendwann sahen wir den Sarg weggetragen werden. Eine einfach Holzkiste, die ein einzelner Mann auf dem Kopf balancierte. Weiter sitzen, weiter warten, weitere Menschen, die dazukamen. Endlich trat ein Mann in die Mitte, bedankte sich -besonders bei uns- fürs Kommen und sagte, dass man jetzt die trauernde Familie grüßen könne. Ja, wer war jetzt die trauernde Familie? Es waren die ca 40 Leite, die auf der anderen Seite des Hofes im Schatten des anderen Hauses saßen. Ganz schön viele! Also, schön den Kollegen hinterhergedackelt (wir mussten den Auftakt machen) und ca. 40 Hände geschüttelt. Immer mit einem kleinen Knicks des Respekts und einem leisen “Mein Beileid” auf den Lippen. Und das wars dann auch schon. Nachdem wir die Hände durch waren, konnten wir dann aufbrechen. Eine gute Sache meines Arbeitgebers: in Zeiten von Ebola muss jetzt immer Desinfektionsgel in den Dienstwägen sein. Damit erstmal kräftig eingerieben. Selbst wenn bekannt ist, dass das Mädel an nem Schlangenbiss gestoren ist… man weiß ja nicht, was die 40 Dörflerhände sonst noch so angefasst haben ;)

Mein Mann hat uns auch noch mal kurz in Aufregung versetzt. Sein Nierenstein tat plötzlich wieder weh. Allerdings war das wohl nur ein Nebeneffekt einer Entzündung an anderer Stelle. Wir also wieder ins Krankenhaus. Da gings sogar schon wieder besser. Naja, trotzdem nimmt er jetzt auch (wie ich noch immer) Antibiotikum. Die “Moral” (wie man hier sagt) ist aber wieder top. Schon am nächsten Tag meinte er, es ginge ihm “einwandfrei”. Da freut sich die Frau und ist dankbar :)

Ergänzende Fotos

noch ein bisschen Bildmaterial zum letzten Eintrag:

Besuch beim Deutschen auf dem Plateaux, Fahrt über seine Farm in diesem schönen Gefährt :

(Das schöne Gefährt hat aber erstmal beim Anspringen rumgezickt und ist dann später wegen des schwachen Profils auf den Reifen in einer Schlamm-nasses-Gras-Fuhrt stecken geblieben -mehrere Anläufe auch mit Schwung ließen uns trotzdem nicht über die Stelle hinauskommen. Also die Fuhrt mit Palmenwedeln abgedeckt und kräftig geschoben. Sogar der 11 Jährige Sohn hat geholfen :) )

In Mali gefertigte Sitzbezüge:

Dafür ohne Windschutzscheibe:

Irgendwann war dann auch mal ein Hindernis im Weg:

Dann wieder saftige grüne Reisfelder:

Und schon wieder Wolken:

Und schlafende Hunde:

Am nächsten Tag dann weiter über Piste:

Der Weg war natürlich nicht immer so gut. Steinstufen, Bretter als Brücke über Löcher gelegt, steile Anstiege. Dann noch einn paar Hindernisse:

Ausblick vom zukünftigen Hotel des Franzosen (die Sandserpentinen sind wir dann alles runtergefahren)

Wieder im Tal dann weiter Richtung Lomé, vorbei am höchsten Berg Togos, dem Mont Agou:

Und Straßensperren:

(Die Polizisten, die daneben am Straßenrand sitzen, schlafen aber meistens oder freuen sich eher, ein paar Weiße zu sehen und salutieren dann grinsend)

Hier noch ein paar Druchreise-Dorf-Szenen:

Werbung für Milchpulver -in einem Land, in dem fast gar keine Milch getrunken wird. WAKA macht übrigens auch Seife (und nebenbei sehr lustige Fernseh-Werbespots):

Wäsche beim Trocknen:

Auto beladen:

Und beladene Autos:

Sorry, ich fand die Bilder einfach alle interessant :)

Die Rose hat mir mein Mann aus Deutschland mitgebracht :)

Und hier noch was fürs Auge:

Dann wieder Stadtnähe und Mautstation:

Geschäftigeres Treiben…

… und Geschäfte Treibende

Brotverkäuferinnen:

Haushaltswaren:

Modebranche:

Fast am Ziel die Strandstraße

Mit Resten der Landungsbrücke aus deutschen Kolonialzeiten:

Und vielen Schiffen am Horizont:

(Die Schiffe liegen vor der Küste Togos vor Anker, weil sie entweder darauf warten, in den Hafen von Lomé einlaufen zu können -der zur Zeit mächtig ausgebaut wird und so gut läuft, dass er wahrscheinlich Togos mächtigste Einnahmequelle darstellt- oder aber die Schiffe warten auf eine Anfahrtserlaubnis auf Nigeria. Da dort die Sicherheitslage  aufgrund von Piraterie so gefährlich ist, bleiben die meisten Schiffe also vor der durch Seepolizei bewachten Küste Togos, bis sie ihr entgültiges “Go” für die Einfahrt nach Lagos erhalten)

Ääääh ja… was will uns diese Ampel sage?

rechts ist sie auch noch abgestürzt

Und hier ein ganz spezieller Freund:

(Die Aufkleber des Moped sagen: “Ich habe Angst vor meinen Freunden, selbst vor dir”, “Ich vertraue mich Gott an”)

Ja und dann gings eben in die Klinik. Hier ein zu dem Zeitpunkt zur Ausnahme mal nicht am Tropf hängender Kranker in seinem luxuriösen Einzelzimmer mit Begleitperson:

Blick von unserem Balkon:

Und dann das großes CT Erlebnis (da haben sie uns gefragt, ob er schon einmal Computertomografie gemacht hat und nein, sogar als Deutsche hat man damit noch nicht unbedingt Erfahrungen :) )

Ende gut, alles gut: Nach erfolgreichem Verlassen des Krankenhauses ein kleiner heilungsfördernder Spaziergang am Strand:

So, das waren jetzt aber erstmal genug Eindrücke :)

 

 

Oh wundersames Togo

Jetzt bin ich schon wieder zwei Wochenin Togo und es ist viel passiert… Aber fangen wir vorne an, es ging gut los. Ich saß in München am Flughafen, sitzt gegenüber von mir ein junger Typ. Neben sich auf dem Sitz hat er seine Tasche. Kommt eine Stimme mit Dialekt und Tonfall der zum Stammtisch, aber nicht an den Flughafen passen würde aus dem Off: “He Bürscherl, mach da mal Platz.” Das Bürscherl war Ausländer und verstand kein Wort, wohl aber die Meinung. Der Sprechende war in Kontrast zu seiner Sprache ein schwarzer im Anzug. Ich grins ihn an, weil ich fand das lustig. Er: “wo willst du hin?” “Togo.” “Ah, Togo. Mein Togo!” Das war einer der Momente, in dem mir klar war, dass mein doch recht negatives Urteil über Togo nicht so ganz passt und die letzte Zeit super werden würde.

Flug, einmal Umsteigen in Brüssel, alles Ereignisarm und wenig erzählenswert. Brüssel hat mich dann ein wenig verwirrt, weil es ja so ein wenig französich ist, aber eben nicht so richtig. Also wieder rein in den Flieger, neben mir ein Mann und wir begannen uns ein wenig zu unterhalten. Als ich vor dem Essen mein Messer am Boden gesucht hab hat er gedacht ich bete (Beten vor dem Essen ist so das heimliche Erkennungszeichen von Christen) und das lenkte die Richtung des Gespräches ein wenig. Nunja, es war äußerst interessant und könnte unsere Zukunft deutlich beeinflussen.

In Lome hab ich dann endlich meine Frau wieder in die Arme schließen können. Das war schön. Am nächste Tag war ja noch Tag der deutschen Einheit und wenn man da als Deutscher im Ausland ist wird man in die Botschaft eingeladen und darf an entsprechenden Feiern teilnehmen. Für die ganzen wichtigen Leute war am Vorabend schonmal ne Vorfeier und für den Pöbel gabs dann ein Buffet nach dem zum Feiertag passenden Motto: “Mangelwirtschaft in der DDR”. Persönliche Beziehungen zum Caterer haben da aber noch ein wenig Abhilfe geschaffen. Und natürlich konnten wir wieder interessante Gespräche führen. Unter anderem auch mit meinem Sitznachbar aus dem Flugzeug…

Am nächsten Tag sind wir dann aufs Plateau gefahren. Das ist dort wo Togo am schönsten ist. Oben auf den Bergen. Ein paar hundert Meter Höher ist dann auch das Klima gleich ein paar Grad angenehmer. Und die Menschen sind schöner, die Landschaft sowiso. Dort oben wohnt der Kartoffel-Rudi, ein inzwischen fast 70 jähriger deutscher, der vor langer, langer Zeit als Entwicklungshelfer nach Togo gekommen ist und sich dann nach einiger Zeit dort eine Farm gekauft hat um Landwirtschaft zu betreiben. Das macht er nach wie vor, aber mehr so als Hobby. Und er ist einer der wenigen Deutschen, die lange in Afrika waren und nicht verbittert ist. Trotzdem freut er sich immer Deutsche zu sehen und Deutsch reden zu können. Dort waren wir dann ein bisschen, und haben uns die Gegend und die Farm angeschaut. Nach zwei Tagen sind wir dann – kurz vor der Alkoholvergiftung – wieder gefahren. Über eine kleine Straße vorbei am “GoldenEye”, einem Hotel, dass gerade von einem Franzosen gebaut wird. Das sollte eigentlich inzwischen fertig sein, ich denke aber es braucht noch ein paar Tage. Dann aber, allein durch die Lage kriegt es eine deutliche Empfehlung von mir. Also wenn ihr mal zufällig in Togo seit…

Zurück in Lomé tat ich zunächst einen Tag nichts um mich am nächsten Tag nachmittags, ich saß gerade auf dem Klo, plötzlich vor Schmerzen zu krümmen. Schmerzen weit jenseits von dem was man aus dem Alltag so gewohnt ist. Ich hab mich übergeben vor Schmerzen (mir war nicht schlecht oder so). Nachdem die Schmerzen mich dann einige Zeit gequält hatten hab ich dann doch mal meine Frau in der Arbeit angerufen und ihr mitgeteilt, dass sie mich ins Krankenhaus fahren darf. Praktischerweise hatten wir gerade am Vormittag die Biasa-Klinik entdeckt die einen recht vertrauenswürdigen Eindruck gemacht hat. Dort angekommen wurde dann erstmal Blutdruck und Temperatur gemessen. Den Blutdruck habe ich nicht mitgekriegt und die Temperatur war schon fast unter Raumtemperatur, die haben 34,3° gemessen. Nachdem sie mich unter nem Stapel Decken begraben und an den Tropf (mit Schmerzmitteln) gehängt haben wurde es aber bald besser. Nachdem ich dann mit Rollstuhl und Chaffeur (super Service!) zum Ultraschall gefahren war, der sich aber noch nicht so ganz festlegen wollte durfte ich ins Bett. Fernseher, Klimaanlage, Bad, bequemes Bett, Frühstück, eigentlich wars im Krankenhaus besser als im Hotel, lediglich das Gästebett für meine Frau war ein wenig karg (160x60cm).

Am nächsten Tag  haben sie mich dann noch ins CT-Gerät geschoben und den Bluttest angeguckt. Bevor ich an diesen Gedanken teilhaben durfte verging aber noch ein weiterer Tag. Dann wurde mir ein Nierenstein attestiert. Ich war inzwischen aber schon wieder recht munter (wenn auch voller Medikamente) die Menschen dort waren alle nett, und ich eine Attrraktion (einmal kam der Herr Doktor in Begleitung von 8 Personen im weißen Kittel in mein Zimmer) so hat mich das auch nicht weiter gestört.

Die Nacht darauf litt meine Frau unter mehr Schmerzen als ich (die hat sich parallel mit irgendwelchen Coli Bakterien in der Nierengegend auseinandergesetzt – wir hatten als bei unterschiedlichen Ursachen ganz ähnliche Schmerzen) und so haben wir einfach mal die Betten getauscht. Am nächsten Tag bekamen wir die Diagnose und durften heimgehen, allerdings erst nachdem die Rechnung bezahlt war die zu erstellen nur etwa 6 Stunden gedauert hat.

Als Konsequenz davon darf ich direkt wieder nach Deutschland fliegen, aber da ich ja gerade erst nach Togo gekommen bin und keiner der beratenden Herren und Frauen Doktoren das Wort “sofort” gebraucht hat und ich gerade nichts davon spür (auch ohne Medikamente) werd ich mir da noch ein paar Tage Zeit lassen.

Und dann komme ich gerade zur schönsten Jahreszeit nach Deutschland zurück…

Da issa wieda

gut angekommen! Sagt, er habe interessante Menschen am Flughafen und während des Fluges kennengelernt und beim Rauskommen gleich mal die Flughafentür mit dem Koffer gerammt…. alles gut!! Alle glücklich! Gut nacht!

Geschafft!!!!!!!!

Heute kommt er! Wahrscheinlich steht er gerade schon in Abidjan (Elfenbeinküste) und wartet darauf, dass der Flieger wieder vollgetankt wird und neue Fluggäste zusteigen. Und wie es alle vorausgesagt haben, ist die Zeit ganz schön schnell vergangen. Die letzten Tage waren so voller Ereignisse und nach der Einsamkeit so voller GUTER Erfahrungen:

- so viele Freunde und Verwandte haben mir nette E-mails und Mut machende Worte geschrieben;

- Der Abend bei den Amis war echt schön und umkopliziert. Einfach ein gemütliches Familienrumhängen;

- Der Pastor hat mich im Gottesdienst von der Kanzel aus “Willkommen zurück in Togo” geheißen und dabei noch erwähnt, dass mein Mann ja auch bald kommt;

- Mehrere Frauen kamen danach zu mir, haben mich begrüßt und gefragt, wie’s mir geht, vor allem mit der Einsamkeit. Manche haben auch gesagt, dass sie mich eigentlich besuchen wollten, damit ich nicht so alleine bin, aber nicht wussten, ob sie mich vielleicht stören;

- Die Nachbarn gewöhnen sich allmählich an mich und grüßen total freundlich;

- Sowieso, auch wenn ich zu unserem alten Haus fahre, winken mir die alten Nachbarn fröhlich zu und fragen wie die Reise war;

- Der Mann beim Reifendruck messen wollte gar kein Geld haben und sagte, er habe eh nur die überflüssige Luft raus gelassen statt welche nachzufüllen (der Typ davor hatte über 3 statt 2,3 bar reingetan);

- Kollegen rufen an und fragen wie’s geht und zwei haben mich sogar zum Essen eingeladen

- Mein Fahrer hat extra einen Hahn geschlachtet und Erdnusssoße gemacht (machen lassen), weil er wusste dass ich die mag;

- Beim Bäcker gehe ich mittlerweile als ganz normale Kundin ein und aus und die Verkäuferinnen sagen “bis zum nächsten Mal” statt komisch zu gucken;

- Es ist schön, nebenan den Geräuschen des normalen Alltags zu lauschen. Gemütliche Gespräche sind da zu hören, lachen (vor allem als 2 Typen den ganzen Vormittag in einem Baum saßen und ihn nach und nach mit der Machete bis auf den Stumpf abgehackt haben);

- Sowieso, wenn man so ein bisschen in den normalen Alltag eintaucht, merkt man, wie falsch unser Bild von dem leidenden und armen Afrika eigentlich ist.

- Ein Kollege hat uns alles zu sich zum Tabaski eingeladen. Das ist ja das große muslimische Schafsfest, bei dem es vor allem ums Teilen geht. Die Leute in Sokodé reden von nichts anderem mehr. Die ganze Stadt ist voller Vorfreude, überall werden Schafe an Seilen über die Straße gezerrt oder in Grüppchen zusammengebunden. Auch sieht man überall diese kleinen chinesischen Dreirad-Mopeds, die auf ihrer Ladefläche liegende Rindern spazieren fahren;

- ich hatte die letzten Tage echt viel Arbeit, so viel, dass ich gar nicht zum Pause machen kam. War aber schöne Arbeit, unter anderem 2-Rad Mechanikermeister in ihren Werkstätten besuchen, um sie zu einer Schulung einzuladen. In ausgewählten Fachrichtunge soll nämlich jetzt das duale System eingeführt werden. Die Mechanikermeister werden auf diese neue Art von Lehrlingsausbildung vorbereiten. Diese “Besuche im Terrain” habe ich mit dem 2-Rad Mechanikerlehrer vom Technischen Gymnasium und dem Präsident der Handwerkskammer gemacht. Beide sind sehr kompetente Persönlichkeiten, auch ohne ausländische “Hilfe” super engagiert  und haben genau verstanden, worum es geht. Es hat richtig großen Spaß gemacht, mit ihnen durch die Stadt zu ziehen.  Vor allem, weil die beiden nicht nur die Leute sehr gut kennen, sondern ich als Weiße einfach nur mitlaufen konnte  und somit die Gespräche und Begegnungen viel natürlicher abliefen. Ein paar Bilder hab ich auch gemacht:

Sieht vielleicht für unsere Augen etwas befremdlich aus, aber meine beiden Begleiter haben sich überschlagen mit Lob für diesen Mechaniker: dass er richtig hart, sehr organisiert und sehr genau arbeite und vor allem sehr ehrlich sei. Von der Auswahl seines Werkzeuges und der Ordnung war ich in der Tat auch beeindruckt.

noch ein weiterer:

Lustig waren die Leute drauf:

Dieser Junge wollte fotografiert werden:

und sowieso fand ich die Stimmung und die Wolken wieder toll:

Vom Himmel kann ich mich sowieso nicht satt sehen -bin ich heut doch glatt volle Kanne durch ein Schlagloch, weil ich nach den Wolken geschaut habe.

- nach einer kleinen Panikattacke, weil seit gestern die Bremsen vom Auto wieder nicht gingen, war dann die Strecke von Sokodé nach Lomé vor lauter Vorfreude gar nicht mehr so schlimm. Die Luft im Bremssystem war schnell diagnostiziert und mein Fahrer kam extra früher zur Arbeit, um mir noch vor Abfahrt, die fehlende Bremsflüssigkeit nachfüllen und das kleine Loch in der Bremsleitung flicken zu lassen.

- Und dann im Seemansheim fiel mir die Reinigungsdame direkt um den Hals, als ich erzählte, dass heute meine Mann ankommt. Ist das nicht schön, wenn sich jemand so mit einem mitfreuen kann? Ich freu mich jetzt auch schon sehr!