Archiv für den Monat: September 2014

Einsamkeit

An sich finde ich es sehr cool, auch mal allein zu sein und einfach mein Ding zu machen. Auch bin ich ja in der Vergangenheit schon sehr viel allein durch die Welt getingelt. Und doch ist es gerade anders:

Miri hat zum Abschied noch ein ganz besonderes Leckerli Kulturerfahrung mitbekommen: zurück in Lomé kann man ja mal von den europäischen Restaurants profitieren und gleich auch ein bisschen Salat essen (haben wir uns geteilt). Fehler. Den nächsten Tag verbrachte Miri mit Durchfall und Bauchkrämpfen im Bett. Abends ging‘s dann bei mir los. So arg, dass ich am nächsten Tag zum Arzt ging: Diagnose Amöben. Also Medikamente schlucken und immer schön in der Nähe der Toilette bleiben.

Dann flog sie und ich blieb zurück. Allein. Wieder mal. Wieder im Seemannsheim. Am nächsten Morgen raus, ich hatte eine lange Fahrt vor mir. Allein. Noch immer nicht im Darm in Ordnung und allgemein erschöpft. Die Tabletten mittags ausgesetzt, denn schon die Tabletten am Morgen hatten mich so müde gemacht, dass es für die weite, anstrengende Strecke unverantwortlich gewesen wäre.

Ja, und jetzt Sokodé. Und etwas Alltag. Und VIEL Einsamkeit.

Einsamkeit kann richtig wehtun. Auch wenn das kleine Apartment echt nett ist, der daran angeschlossene Hof eine angenehm friedliche Atmosphäre hat und sowohl Nachtwächter als auch die dort tagsüber arbeitenden Menschen alle super freundlich sind: ich bin einsam.

- Morgens beim Aufwachen und fertig machen (ich frühstücke nicht mal mehr.
Normalerweise kann ich ohne den Körper aufzuladen den Tag nicht starten. Jetzt
fehlt mir einfach der Appetit)

- In der Arbeit (meine Kollegin ist im Urlaub, die anderen auf Dienstreise in Lomé oder
bei Workshops)

- In den Mittagspausen ( wenn ich entweder im Büro bleibe oder zu unserem Haus
fahre, um aufzuräumen oder nach dem Rechten zu sehen).

- Abends, in den letzten Stunden vorm Schlafen gehen (in denen ich mich meistens
zwinge was zu essen, weil ich merke, dass mein Körper ausgelaugt ist)

Ich suche mir was zu tun, quatsche mit den Wächtern und mit Dora, für die ich so extrem dankbar bin, weil sie bisher jeden Tag gekommen ist, um das noch Brauchbare unserer Wäsche zu kochen und mit Chlor zur reinigen. Auch unsere Unterhaltungen werden immer herzlicher. Das ist schön.

Biertrinken mit 2 Kollegen war ich auch schon. Aber das ist alles nicht das gleiche. Mir fehlt mein Mann, meine Familie, richtige Freunde. Kommunikation über die Entfernung ist auch nicht leicht. Es liegt nicht mal an der manchmal sehr schlechten Internetverbindung … Skype kann einfach eine Umarmung oder einen beruhigenden Blick nicht ersetzen. Besonders, wenn der Darm noch spinnt, die Schimmelsituation in unserem Haus frustriert und man in der neuen Wohnumgebung wieder von allen neugierig bis verschüchtert angeguckt wird und man sich eigentlich nur einfach mal normal bewegen können möchte. Auf den quirligen Markt zu gehen, hatte ich noch keine Motivation, Essensbeschaffung ist so umständlich. Ich bin dankbar für die aus Deutschland mitgebrachten Tütensuppen und Tortellini.

Nachts schlafe ich schlecht. Oder halt nur wenig. Der Muezzin direkt vor meinem Fenster weckt mich jeden Morgen zwischen 4 und halb 5. Abends finde ich den Klangteppich aus polyphonen Stimmen und Tonlagen beruhigend, wenn nicht sogar friedlich und nicht selten bringt er mich selbst dazu, auch ein Gebet zu sprechen. Aber morgens so jäh aus dem Tiefschlaf gerissen zu werden, bin ich einfach nicht gewohnt und der Schlaf fehlt mir. Die Nerven sind blank.

Heute Morgen hatte ich vor lauter mein Handy vergessen. Ich merkte es, als ich auf das Öffnen der Bank wartete und mich wieder mal irgend so ein Typ anmachte. Die versuchen‘s halt einfach, mal die Weiße anzuhaun. Eigentlich kein Problem. Normalerweise lassen die sich auch mit 2 gewitzelten Sätzen abwimmeln. Aber heute fehlte mir dafür die Lockerheit. Na gut, weg und zurück ins Apartment Handy holen. Beim rückwärts wenden setzte ich das Auto fest. Hatte die stark abfallende Steinformation auf der regenverwaschenen Sandstraße nicht bemerkt. Jetzt war ein Reifen in der Luft. Vor ging nix. Hinter ein bisschen, aber die Leute schrien gleich auf. In Sekunden hatte sich eine Menschentraube um mich gesammelt. Ich stieg aus, schaute es mir an, stellte den Allrad an, aber irgendwie ging auch das nicht. Ich wollte rechts einschlagen, ein Klugscheißer meinte, ich solle links einschlagen (nach dem nächsten Versuch fand er recht einschlagen dann auch logischer). Wenigstens hatte ich ihn nicht hinters Steuer „mir das Auto rausfahren“ lassen. Beim nächsten Versuch schoben einige Jungs, das klappte. Alles kein Stress, die Leute waren auch wie gewohnt nett und wollten wirklich helfen. Nur, als Weiße ist immer gleich alles doppelt dramatisch und jeder will doppelt nett helfen und ich zitterte danach einfach nur noch am ganzen Körper. Einfach alles zu viel. Ach ja, und das Endstück vom Auspuff hab ich bei der Aktion verloren. Aber das war eh schon so durchgerostet, dass es nur eine Frage der Zeit war, wann wir das verlieren.

Im Büro ging dann nicht viel. Für heut Abend habe ich mich selber bei den Amerikanern zum Essen eingeladen. Die Frau war schon am Telefon so verständnisvoll, mir schossen gleich wieder die Tränen in die Augen.

ABER: Regenzeit ist grandios. Wenn sich der Regenschauer schon durch tiefschwarze Wolkentürme im Himmel ankündigt und dann plötzlich übelster Wind über die Stadt hereinfegt. So heftig, dass Blätter und die ganzen schwarzen Plastiktüten bis zu 7m hoch in die Luft gewirbelt werden. Wenn dann einzelne Tropfen sachte den kommenden Wolkenbruch ankündigen und alle Menschen so zügig wie sonst nie ihrem Ziel entgegeneilen oder einen anderen Unterschlupf suchen. Wenn dann die Straßen buchstäblich leergefegt und menschenverlassen auf das Trommelspiel warten und dann der Regen losbricht, mit einer Heftigkeit, dass man –wenn man im Auto sitzen bleibt, um nicht vollkommen durchnässt zu werden- sich vorkommt wie in einer Waschstraße. Und nach 20 Minuten ist alles wieder vorbei. Und die Luft angenehm kühl. Und das Leben geht wieder weiter. Und es gibt einen wunderschönen Sonnenuntergang.

Die vielen Komplimente, die ich heute für mein Outfit bekommen habe, haben mich auch sehr gefreut. Und … das Auto hab ich grad vollgetankt. Die Zöllner streiken nämlich und dadurch kommt auch kein neuer Treibstoff mehr ins Land. Bei der einen Tankstelle gab es schon keinen Diesel mehr. Aber ich komm jetzt auf alle Fälle nächsten Donnerstag nach Lomé zum Flughafen … :) Darauf erst mal ein paar Gummibärchen naschen. Und es geht immer irgendwie weiter.

Nach jedem Regen kommt auch wieder Sonnenschein

…apropos… heute morgen bin ich aufgewacht, weil es so krass geregnet hat. Ist ja eigentlich auch echt geil, die Regenzeit. So viel Wasser auf einmal gibts bei uns ja nur selten vom Himmel.

Heute war ein guter Tag. Nach all dem, was in den letzten Tagen auch unerfreulich anstrengend war, durften wir heute viel Entspannung von Situationen erfahren.

Punkt 1: Das Mittagessen war total schön. Nette Gemeinschaft, wirklich gutes Essen (vor allem eine Sesamsoße, die ich noch nie gegssen hatte). Nur auf den Fufu, auf den steht Miri, ähnlich wie mein Mann, auch nicht so 100%ig :)

Punkt 2: Ich habe schon eine Wohnalternative!!!!!!!!!! Natürlich war es wieder der Pastor, der -wie ein Geschenk des Himmels- auf ein Appartment hinwies, dass zwar klein und einfach, aber möbiliert und ab sofort beziehbar normalerweise für Missionare und Bibelübersetzern angeboten wird. Wir konnten es heute Abend gleich besichtigen. Passt! Ab Montag werde ich dort wohnen -gleich, nachdem ich Miri in Lomé zum Flughafen gebracht habe :( !

Punkt 3: Wir haben mit dem Verwandten der Vermieterin unseres Hauses gesprochen. Er konnte zwar auf keinerlei Verhandlung bzgl Kautionrückzahlung und Mitminderung wg Schadensersatz eingehen, aber hat -gemeinsam mit dem Maurer, der dabei war- vollkommen bestätigt, dass das Haus nicht mehr bewohnbar ist und es ein Konstruktionsfehler des Architekten war. Froh war ich, dass der Kameruner Kollege mit dabei war. In Afrika reden Männer irgendwie doch noch lieber mit Männern. Irgendwie fühlte ich mich mit dem Kollegen an der Seite tatsächlich stärker.

Der Verwandte wird jetzt die Besitzerin kontaktieren und auch ich soll ihr eine Email nach München schreiben… bin mal gespannt, was da raus kommt. Ich rechne mit nichts Großartigem, aber auch der Kollege meinte, ich solle ruhig mal weit oben mit meinen Forderungen anfangen.

Punkt 4: Nach dem Holen einiger Sachen im Haus, schlossen Miri und ich den Tag noch in einer der Straßenkneipen  ab. Für umgerechnet 95 cent aßen wir uns an dem lokalen Reis-mit-Bohnen-Gericht und Yam-Wurzel-Pommes satt und Miri erklärte dies zum bisher besten Essen in Togo (u.a. weil es nicht nach Chlor schmeckte). Dazu ein einheimisches Bier, bewegungs-stimmulierende Musik und ein entspanntes Ambiente.

Das musste auch mal gesagt werden :)

Einfach krass

Die letzten 3 Tage waren einfach krass!! An Eindrücken und Erlebnissen, an Abenteuer und Extremsituationen, an Gefühlen und Begegnungen… hier eine kurze Zusammenfassung:

Freitag: Miris erster richtiger Tag in Togo. Ich erledige ein paar Arbeitsangelegenheiten, dann fahren wir einen Kollegen treffen. Sollten eigentlich in seinem Haus in Togos Touristenhauptstadt nächtigen dürfen – dann aber erfahren wir, dass ein anderer Freund samt weiblichem Anhang dort unterkommen möchte. Der Kollege organisert eine Alternative im Nachbarhaus. Wir starten unsere zwei-stündige Reise nach Kpalimé. Mit dabei ein weiterer Kollege, togoisch, französisch sprachig. Ich versuche mich durch den Verkehr zu lavieren, Eine Unterhaltung zu führen, Fragen zu übersetzen und Musik zu organisieren. Dann wird es dunkel. Schneller als damit gerechnet. Ist eben schon 5 Wochen her, seit ich das letzte Mal gefahren bin. Blendender Gegenverkehr, unbeleuchtete (lebensmüde) Fußgänger und Fahrradfahrer, eigenartig unangenehme Chemie-Situation besonders mit dem einen Mitfahrer… ich bin heilfroh, als wir ankommen. Dort: Stromausfall. Das Haus in dem wir schlafen “dürfen” ist riesengroß und unheimlich, leer und hallend, dreckig und muffig. Das einzige Möbelstück ist ein Bett mit siffiger Matraze. Nach einem entspannten Essen beim Belgier zurück in unser Nachtlager, es ist 10 Uhr abends, der Freund aus dem Kollegenhaus, von dem wir wenigstens Bettlaken bekommen sollten, hat sich noch immer nicht gemeldet. Wir machen uns bettfertig. Was anderes kann man bei Stromausfall eh nicht tun. Beleuchtung und Atmosphäre kommen uns vor wie in einem Horrorfilm.

Wir ziehen so viel an, wie es geht, um mit möglichst wenig Haut das Bett zu berühren, dösen ein, um halb 12 klingelt das Telefon, der Lakenmensch ist da.

Am nächten Tag gar nicht viel Zeit in Kpalimé verbracht. Miri hat gehört, dass ein gewisser “Kartoffel-Rudi” oben auf dem Plateaux Geschichten von Franz Josef Strauß erzählen kann. Das interessiert die Journalistin und wir fahren 2 Stunden Serpentinen mit Schlaglöchern in immer entlegenere Dörfer hoch. Die Luft wird angenehm kühl. Die Togoische Frau des Deutschen hat Spätzle gemacht. Wir verbringen einen Geschichtenreichen Abend mit dem Mann, der seit 1971 in Afrika lebt. Am Morgen geht es weiter mit Geschichten, aber wir müssen los. Haben uns eine ambitionierte Strecke vorgenommen. Auf der Rückseite der Togoer Berge über Pisten, Flußbetten und dichte Wälder. Es macht Spaß, die Landschaft ist sehenswert und unser Auto bahnt sich brav seinen Weg. Die Luft ist angenehm kühl. Der Höhenunterschied von knapp 900m macht sich bemerktbar (vor allem später, als wir wieder im Tal ankommen)

Natürlich dauert die Fahrt nach Atakpamé länger als geplant. 6 statt 4 Stunden. Zu dem anfänglichen Gefühl von Abenteuer und Freiheit kommen jetzt Unsicherheit und Hunger. Es ist bereits 14 Uhr. Werden wir es noch rechtzeitig heim schaffen? Was ist, wenn uns hier mitten im Dschungel die Karre verreckt, ein Reifen platzt oder wir eine falsche Abzweigung nehmen. Wir haben zwar eine Karte, aber die ist sehr ungenau. Kilometerangaben nur schwer einzuschätzen (für 6 km braucht man leicht mal 35 Minuten). Und dann eben das Bemerken, dass der Körper (unbewusst) nach etwas Nachschub ruft. Die rettende Idee: Mitbringsel aus Deutschland. Herzhaft fallen wir über den Christstollen her, der eigentlich für Kollegen und Bekannte gedacht war. Das steigert wieder unseren Blutzucker ebenso wie unsere Zuversicht. Endliche die feste Straße, die allerdings so voller Schlaglöcher ist, dass man kaum schneller vorankommt, als auf der Piste und unsere Stoßdämpfer einige Male hart gefordert werden. Doch der Ausblick ist atemberaubend. Fast zu schade, dass wir mittlerweile etwas unter Zeitdruck leiden.

Endlich in Atakpamé, kenne ich die Straße wieder gut und kann Gas geben. Die gröbsten Löchern wurden sogar wieder geflickt und so können wir einige Kilometer mit 130 km/h runterschrappen. Man gewöhnt sich an Autofahren in Togo. Die Umfahrung der Mopeds, LKW, Ziegen, Lasten-auf-dem-Kopf-tragenden Menschen und teilweise 50cm tiefen Schlaglöcher wird geschickt in die Linienwahl mit eingebaut. Miri beschreibt ihr Fahrgefühl später wie ein hohes Level eines Computerspiels, bei dem man ständig konzentriert auf aus der Seite hervorschießende Störfaktoren vorbereited sein muss. Wir kommen gut vorwärts, aber die Abgeschlagenheit der letzten Fahrstunden und der fehlenden Energiezufuhr werden langsam spürbar. An der Mautstelle 45km vor Sokodé, fällt dem vor uns zahlendem Herren nicht auf, dass sein Bremsfuß inexistent ist und er rollt langsam aber konsequent auf unsere Schnauze. Ich, vor lauter Reflex, trete kräftig auf die Bremse (natürlich nicht ohne mit ganzer Kraft die Hupe solange gedrückt zu halten, bis der Herr vor mir aus seinem Winterschlaf aufwacht).

Bei dieser Aktion löste sich wohl etwas aus den eh schon komplett abgefahrenen Bremsen. Bei mir ist das der Auslöser einer Panikattacke. Ich will nur noch heim und jetzt noch ein Auto, dessen Bremsen nur noch bei bis an den Anschlag-Durchdrücken ein wenig reagieren. Miri beruhigt mich, übernimmt: Höchstes Level des Computer-Spiels. In einer brenzligen Situation will sie gerade zum Überholen eines auf unserer Fahrbahn langsam entgegenkommenden LKWs ansetzen, als Gegenverkehr auftaucht. Vollbremsung, die Reifen quietschen, wir schlittern, dank der Handbremse bleiben wir ca. 4m vor der Lastwagenschnauze stehen. Alle klatschen und rufen uns “Ansara” zu. Ich spreche von Bewahrung. Miri zittert nun auch.

Bei einbrechender Dunkelheit fahren wir (ohne weitere schwerere Zwischenfälle) in Sokodé ein. Es fühlt sich wie nach Hause kommen an. Aber der schlimmste Teil steht uns noch bevor: wird unser Haus noch bewohnbar sein? Ist es nicht.

Wir packen die Koffer gar nicht erst aus, fahren direkt ins Hotel. Warten über eine Stunde auf unser Abendessen und ich schlafe aufgrund der Hitze schlecht. Am Morgen haben die Angestellten im Hotelrestaurant vergessen, dass ich Frühstück bestellt hatte. Ich gehe verzweifelt in die Arbeit. Bin ich erst seit 3 Tagen wieder in Togo??

Miri macht bei Tageslicht eine Bestandsaufnahme des Hauses:

- Zimmerdecke

- Seitenwand

- Mückengitter

- Bettbezug

- Matraze

- Kleiderschrank

- Geldbeutel

- Herd

- Hochzeitsfoto

- Postkarte

Auch wenn dass jetzt vielleicht etwas viele Bilder waren, ich frage mich, von welcher Seite ich diese Strapaze noch betrachten kann, um es als Abenteuer zu sehen.

ABER, langsam ganz langsam, finden sich Lösungen zu den erlebten Katastrophen. Mein Fahrer hat sich heute absolut dafür eingesetzt, dass das das Auto wieder fahrtauglich wird. Die neuen Bremsen und der Ölwechsel haben nicht nur in unserem kleinen Pajero wieder neue Lebensgeister geweckt.

Morgen hilft dann ein Kollege, den Vermieter durch das Haus zu führen und über mögliche Alternativen zu verhandeln. Schließlich brauchen wir ja für zumindest 6 Wochen noch irgendeine Art von zu Hause. Und der Pastor und seine Frau haben uns morgen Mittag zum essen eingeladen. Die Frau des Pastors hatte sowieso während meiner Abwesenheit immer wieder das Haus durch gelüftet und dabei das Problem schnell erkannt. Entgegen aller hiesigen Gewohnheiten, Schimmel einfach abzuwaschen und das einst Befallene in der Sonne trocknen zu lassen, steht sie bezüglich der Aussichtslosigkeit unserer Lage vollkommen auf meiner Seite.

Es tut so gut, in der Fremde so etwas wie Freunde zu haben.

Back to Togo

Der Urlaub ist vorbei, die Arbeit ruft zurück nach Togo. Damit der Abschied von meinem noch in Deutschland verbleibenden Menne nicht zu hart wird und sowieso, weil sie noch nie in Afrika war, hatte meine gute alte Freundin aus Schulzeiten sich in den gleichen Flieger wie ich gebucht.

Die gute alte Schulfreundin fuegt hinzu: endlich Arbeit vorbei und Urlaub!

Die Männer uns also zum Flughafen gebracht. Julian und ich noch ein paar Gruselgeschichten aus Westafrika erzählt, der Mann der Freundin mit nun etwas skeptischem Blick seine Liebste verabschiedet und schon waren wir durch die Sicherheitsschleuse.

Da ging dann der Urlaub für die Freundin los , für mich war er noch nicht ganz vorbei und so steuerten wir fröhlich brabbelnd und nur ein wenig chaotisch den nächsten Souvenirshop an: Noch ein letztes Mitbringsel besorgen. Plötzlich ein hektisches Rascheln in allen Taschen: Miri konnte ihr Handy nicht mehr finden. Scheiße. Wo ist das?? Scheiße, bei der Sicherheitsschleuse vergessen. Also zurück. Dort hatte unsere Schleuse aber schon zu. Miri fragte eine Angestellte. Die erklärte sich dann auch dazu bereit, das Handy anklingeln zu lassen, bis ein verwirrter Security Typ in seine Tasche griff. Über viele Köpfe hinweg erspähte Miri diesen Security Mann und hinderte ihn gerade noch rechtzeitig daran, zum Lost-an-Found weiter fortzuschreiten.

Dann noch kurz Sakrotan gekauft –schließlich fliegen wir ja in ein Ebola gefährdetes Gebiet- und schon war die Stunde schneller um als geplant und wir legten auf unserem Weg zum Gate etwas an Geschwindigkeit zu. Easy… der Flieger hatte 20 min verspätung. Weiter fröhlich brabbelnd konnten wir schließlich boarden, Boarding pass scannen, den Gang entlang laufen, in den Bus steigen… warte mal. Vor lauter Quatschen war ich plötzlich verwirrt. Wir saßen jetzt schon im richtigen Bus, oder? Beim Einsteigen in den Flieger fragte ich also die Stewardess: wir fliegen schon nach Brüssel, oder? Sie so: nee… nach New York. Kurzer Moment Konfusion. Dann lachten wir alle los. Hatte die Stewardess brilliant auf meine seltenst blöde Frage gekontert. Die gleiche Stewardess erklärte übrigens später das Angeschnallt-blieben-müssen bei der Landung wie folgt: stellen sie sich vor, sie fahren neben ihrer Mutter unangeschnallt die Autobahnabfahrt runter – die Kräfte bei der Landung sind ähnlich wie die dabei entstehende Fliehkraft. Während des Fluges wollte es der Steward auch nicht bei dem Orangensaft belassen , fragte: und was darf’s noch sein? Und schenkte uns nach einem kurzen Zögern unsererseits gleich Sekt ein.

Dann saßen wir am Gate und warteten auf den Flug nach Lomé. Miri versuchte genau 4 Minuten ihre ersten Französisch Wörter zu lernen „Schä suhi dä Alleman“ bevor sie verzweifelt-trocken von sich gab: Scheiße, Steffi, ich hasse Französisch. Ich weiß schon, warum ich das nie lernen wollte. Ich kann den Julian so gut verstehen.

Der weitere Flug verging ohne große Ereignisse. Drei Filme und ein paar beeindruckende Ausblicke aus dem Fenster (großes Merci an die Fotografin Miri).

 

(Küste Mittelmeer)                               (Wüste Sahara)

Teils war die Vorfreude größer, teils auch die Erleichterung darüber, dass ich das zwar jetzt noch ein mal erleben, dann aber im Dezember wieder ganz zurück nach Deutschland durfte. Und dann waren wir in Lomé. Aus dem Flugzeug raus, die Luft eingesogen: warmer Teer, irgendetwas Verbranntes, ein wenig Benzin und ein Hauch von Meeresbriese … herrlich. Andere empfinden das vielleicht als Gestank. Miri und ich waren uns einig: das riecht fantastisch exotisch mit einem Geschmack von Sizilien.

Dann bekamen wir noch etwas die Sicherheitsvorkehrungen bzgl. Ebola zu spüren. Noch vor dem Eintreten ins Flughafengebäude wurden jedem Passagier die Augen gescannt (oder mit einem orangenem Licht durchleuchtet) und den Reisenden Desinfektionsmittel auf die Hände gesprüht. Ja, es ist schon komisch, genau wieder in die Region zu reisen, vor der in dem Medien zur Zeit so stark gewarnt wird. Ein besonderes Bewusstsein und entsprechendes Verhalten ist allgegenwärtig -und man fühlt sich schon beunruhigter als in Berlin, Konstanz oder wo wir sonst so waren.

Kurz spannend wurde es nochmal, als ein Herr in weißem Kittel den Impfpass jeden Passagiers kontrollierte -auf die Gelbfieberimpfung hin. Ich hatte meinen natürlich nicht dabei. So ein Mist. Der Typ ließ auch nicht mit sich diskutieren, nahm mir meinen Reisepass weg, bevor ich protestieren konnte und hatte sowieso davor schon mehrere Einheimische aus der Schlange gezogen. Meine letzte Idee: ich müsste doch noch einen Scan des Impfpasses auf meinem PC haben. Glücklicherweise hatte ich derartig “Wichtige Scans” tatsächlich auch mal auf meinen Arbeitslaptop kopiert und so wurde ich relativ schnell fündig. Triumphierend stampfte ich zu dem Herren im weißen Kittel, der aber die elektronische Version nicht akzeptieren wollte. Er brauche einen echten physischen Impfpass. Da stand ich dann mit ein paar anderen Leidesgenossen und wartete darauf, dass die Tür zu dem medizinischen Versorgungsabteil wieder aufging (das alles noch vor der Passabfertigung). Noch ein bisschen diskutieren, noch ein bisschen erklären, dass ich schon einen Mann hätte und keinen togoischen mehr bräuchte und dann bekam ich meinen Pass wieder zurück und konnte doch schließlich nach Togo einreisen.