Archiv für den Monat: August 2014

Urlaub…

Im Urlaub haben wir leider keine Zeit Blog zu schreiben.  Und Deutschland kennt ihr ja eigentlich auch, nicht? Dänemark ist übrigens auch ganz hübsch. Nen bisschen kühl vielleicht, aber das trifft ja derzeit wohl auch auf den Rest Mitteleuropas zu. Ansonsten haben wir noch ein paar schöne Hochzeiten besucht (und eine kommt auch noch), einige Familienmitglieder heimgesucht und Hamburg besucht. Auch ganz hübsch. Und dann waren wir noch in der Autostadt Wolfsburg. Ein Marketinginstrument der Aktiengesellschaft Volkswagen. Praktisch ein Markenmuseum, dass aber gleich auf mehrere Gebäude verteilt ist. Eines  davon heißt Zeit-Haus und ist recht interessant.  Viele schöne Alte Autos, nicht nur von Marken die inzwischen dem VW-Konzern gehören. Allerdings ist ein Teil der Ausstellung nach Zylinderzahlen sortiert, was ich ein wenig albern finde, VW aber marketingtechnisch nach vorne bringt, da sie bei den 10-, 12- und 16-Zylindern ja derzeit ziemlich einsam sind. Eine interessante Erkenntnis, bemühnt sich der Konzern angeblich doch um Nachhaltigkeit. Und dann gab es noch einzelne Häuser für die einzelnen Marken, wobei außer bei den Nutzfahrzeugen kaum interessante Fahrzeuge ausgestellt waren. Sämtliche Kleinwagen haben gefehlt. Dafür durfte man sich mal in den Porsche Panamera (nicht aber in den 911) setzen. Ein neuer Meilenstein im Punkt Unübersichtlichkeit. Man kann sich das in etwa vorstellen wie bei einem klassischen amerikanischen LKW, nach vorne behindert eine ewig hohe Motorhaube die Sicht und hinten ist sowiso alles zugebaut. Im Gegensatz zu dem LKW hat man allerdings keine brauchbaren Spiegel. Ich frage mich wie man für sowas nen Zulassung kriegt. Aber unsere Freunde vom TÜV scheinen ja ehh mit zweierlei Maß zu messen, abhängig davon, ob ein Unternehmen oder ein Privatmensch vor der Tür steht… Beim verlassen des Lamborghini-Pavillions viel noch der Kommentar: “Wenn ich der Veranstalter wäre wäre mir das peinlich.” Das triffts eigentlich ziemlich gut. Zum Schluß noch ein Highlight: man kann sich in einem Glaskasten durch die Autotürme fahren lassen. Kostet allerdings ordentlich extra und man fährt nur einmal ganz hoch und runter…

An sonsten genießen wir im Urlaub natürlich die vielen Kleinigkeiten die wir auf dem Afrikanischen Kontinent vermisst haben. Essen, Temperaturen (na, meine Frau derzeit nicht so), Sauberkeit, Ruhe etc…

 

Gute angekommen…

Ist meine Frau nach einem längeren Flug über 3 Kontinente (das war so geplant, Tickets sind halt nicht immer da frei wo man sie braucht) dann letztendlich auch. Nur falls das jemand noch nicht mitbekommen hat.

Und das Isareck in Wang ist ein wunderbarer Biergarten mit nem phänomenalen Burger. Natürlich schmeckt auch der Rest…

Doras Mann

Wieder kein Wasser. Gestern hatte ich mittags welches. Da habe ich schon jubiliert. Allerdings war es eher nur ein kleiner Rinnsal aus dem Wasserhahn. Nur für alle Fälle machte ich gleich einen Teil des Abwaschs und duschte. Zumindest versuchte ich es. Da der Druck für die Brause allerdings zu schwach war, kniete ich mich unter den Wasserauslass und versuchte unter dem 10cm von der Wand entfernten Strählich Haut und Haar zu befeuchten. Am Ende nahm ich doch wieder die Plastikschüssel. Aber…. nichts desto trotz, ich hatte geduscht. Vorahnung. Am Abend war das Wasser wieder weg. Am nächsten Morgen auch noch, genauso wie am Mittag. Es ist zum Verzweifeln. Wirklich.

Und dann saß ich aber gestern in einer Sitzung mit 7 Sokodéern, die dazu ausgewählt wurden, als Interviewer für eine Studie über zukunftsträchtige Beschäftigungssektoren zu arbeiten. Sie waren so motiviert und engagiert, es war eine Freude, mit ihnen zusammen zu arbeiten. Ich kenne die Studie ja relativ gut. Aber da das ganze Projekt langsam einen riesen Ausmaß annimmt und verschiedene Gruppen in verschiedenen Städten plus unterschiedliche externe Berater aus diversen anderen Ländern mitarbeiten, überfordert teilweise sogar mich die mittlerweile erreichte Komplexität und Kompliziertheit der Studie. Genau deshalb war ich wirklich fasziniert, mit wieviel Energie und Ernsthaftigkeit die mit-arbeitenden an einer Realisierbarkeit des Vorhabens werkelten. Sie hatten gute Ideen und unglaublich viel Geduld. Da das Ganze einen nicht gerade Afrika typischen Zeitplan hat, war ich besonders beeidruckt, wie sich jeder einzelne darum bemühte, den Spagat zwischen lokalen Höflichkeitsregeln und ambitionierten Konzepten aus einem vollkommen anderem Kulturkreis zu meistern. Ich habe wirklich viel gelernt. Vor allem darüber, dass unser eigenes Bild oft so einseitig ist und wir oft enttäuscht sind, wenn Dinge nicht funktionieren. Und dann sieht man den Elan dieser Leute, die natürlich methodisch und vielleicht auch inhaltlich nicht die Standards erfüllen, die wir von uns her kennen. Aber die auf ganz andere Dinge achten, ohne die aber diese Studie nie funktionieren könnte; die unglaublich feinfühlig problematische Themen ansprechen können und jeden ausreden lassen, um die jeweilige Sicht der Dinge anzuhören. Gemeinsam haben wir ein, find ich, echt gutes Programm erarbeitet und damit sogar Pionierarbeit für die anderen Interventionsstädte geleistet. Es hat Spaß gemacht und ich habe einmal mehr viel Respekt für meine mit-Arbeiter empfunden -und auch ein bisschen Demut.

Gestern Morgen wartet ich auch, dass Dora, die Dame, die mir öfter im Haushalt hilft, vorbei kommt, um den Schlüssel für unser Haus zu holen. Sie kam aber nicht. Ich wunderte mich. Endlich wurde nach mir gerufen und eine junge Frau kam anstelle von Dora. Sie wollte mir nur sagen: Doras Mann war am Morgen gestorben. Es traf mich wie der Schlag. Ihr Mann war sehr krank gewesen. Wir hatten ihn im Krankenhaus besucht. Schon damals sah er furchtbar aus. Total abgemagert. Sein Kopf wirkte zum Rest des Körpers verhältnismäßig groß, die Backen total eingefallen. Seit Oktober hatte er nur noch im Bett gelegen. Er war in Lomé und sogar in Ghana behandelt worden. Aber man konnte ihm nicht helfen. Am Ende, kam er dann zurück nach Hause. Eine Schweizer Krankenschwester hatte spekuliert, dass es Krebs sein könnte. Etwas in seinem Arm oder im Knochnmark sei wohl ständig gewachsen. Ich habe es nie richtig verstanden. Dora hat sich die ganze Zeit aufopfernd um ihn gekümmert. Sie hat ihm jeden Tag Essen ins Krankenhaus gebracht (hier bekommt man ja im Krankenhaus nichts, wenn die Familien nichts bringen), hat ihn nach Lomé und Ghana begleitet, hat für ihn beten lassen und immer wieder Geld bei Familie und Freunden zusammensuchen müssen, dabei sich noch um ihre 3 Kinder gekümmert (den 1 jährigen auf dem Rücken überall hin mitgenommen). Sie hat trotz allem anderen regelmäßig bei uns gearbeitet -wohl auch, weil sie sonst nicht wusste, wie sie die Medikamente oder das Schulgeld für die 2 Älteren zahlen hätte können. Und jetzt ist er tot. Heute war die Beerdigung. Es war schrecklich. Der Pastor hat zwar die ganze Zeit davon geredet, dass der Mann jetzt nicht mehr leiden muss und sich bei Gott erholen kann, aber es war fast abschreckend, wie wenig er auf den Schmerz der Familie eingegangen ist. Der Tote im Sarg sah auch furchtbar aus. Hat mich im Grunde an Bilder von Verbrechen an der Menschlichkeit erinnert, so ein Körper nur noch aus Haut und Knochen. Und Dora hat ihn bis zuletzt gepflegt. Hatte ihm am Morgen seines Todes noch Frühstück gemacht und als sie es ihm geben wollte, merkte sie, dass er nicht mehr atmete. Sie war stark. Die ganze Zeit. Und dann am Grab, als sie die Schaufel Erde auf den Sarg geschmissen hatte, brach sie zusammen. Es treibt mir jetzt noch die Tränen in die Augen. Sie wirkte auf einmal so zerbrechlich, der Schmerz schrie so tief aus ihr heraus. Sie tat mir so leid.

Dora ist für mich ein tiefbewegendes Beispiel einer Ehefrau, die ihrem Mann treu ist “bis dass der Tod euch scheidet”. Durch Freud und Leid, durch gute und durch schlechte Zeiten, durch Gesundheit und Krankheit. Sie hat mich wirklich beeindruckt, diese kleine Frau, die so schwere Lasten auf ihren Schultern getragen hat und wohl auch weiterhin tragen wird.

Auch das hat mir wieder die Perspektive gerade gerückt. Worauf kommt es an im Leben? Was ist uns wichtig? Ich klage darüber, dass ich kein fließendes Wasser habe. Dabei ist das Witzige, dass die meisten Leute hier gar kein fließendes Wasser haben. Die können meine Aufregung gar nicht verstehen. Natürlich kann man schon kritisch sein, dass man hier vieles optimieren könnte und dass das schon auch teilweise ein diversen Einstellungen von Leuten liegt. Aber darauf kommt es doch alles gar nicht an. Natürlich bin ich hier am Wochenende relativ verzweifelt. Aber bin ich verzweifelt, weil ich kein Wasser hatte, oder bin ich verzweifelt, weil die Dinge nicht so gelaufen sind, wie ich es gewohnt bin oder erwarte, dass sie laufen sollten?? In meiner Verzweiflung hatte ich sogar die mir lieben Menschen, die mit Mut zugesprochen und das Ganze zwar über die Entfernung aber trotz alledem wirksam mitgetragen haben. Wieder die Frage: wie wichtig nehme ich mich und meine Vorstellungen und Erwartungen? Mein Bild von der Welt. Und…. Ist es wirklich so wichtig, ob ich geduscht habe, wenn eine Bekannte ihren Mann verliert? Da trauert man doch einfach nur mit und versucht, dem anderen bezustehen, so gut es geht. Und man wird dankbar, dass dieser bittere Kelch bisher an einem selbst vorbeigegangen ist bzw. dass bei uns die medizinischen Möglichkeiten einen doch wesentlich größeren Spielraum haben, etwas für die Kranken tun zu können.

Und so … bin ich mittags nach Hause und habe erstmal eine Ante-Pack-Trockenanlage erfunden und den genialen Vorschlag meines Mannes umgesetzt, das Regenwasser aufzufangen. Und tatsächlich, es ist viel klarer als das Brunnenwasser und es hat dermaßen viel geregnet, dass ich innerhalb von 20 Minuten knapp 20 Liter beisammen hatte. Und schon hab ich direkt großen Spaß an dieser abenteuerlichen Situation empfunden :) -trotzdem: bin ich so froh, wenn ich erstmal wieder von hier weg kann.

 

Der Pastor ist *frei* !!!

Der Pastor ist frei!! Eigentlich sogar schon 2 Wochen, aber die hat er erst mal genutzt, sich etwas zu erholen und sich von seinem Doktor checken zu lassen -im Gefängnis kursierten wohl diverse Krankheiten- heute war er dann im Gottesdienst.

Die Freude war groß, der Raum prächtig geschmückt mit bunten Wimpeln und Luftballons. Ein Großteil der Zeit wurde einfach gesungen und getanzt, aus Freude und aus Dankbarkeit.

Im Detail haben wir noch nicht geredet, aber ich bin am Dienstag Abend zum Essen bei der Familie eingeladen. Da freu ich mich schon drauf.

Ansonsten freu ich mich schon SEHR auf Deutschland! Seit 48 Stunden haben wir jetzt kein Wasser mehr. Langsam komm ich schon an meine Grenzen. Der Wächter bot an, Wasser von woanders zu holen. Allerdings gibt es momentan in der ganzen Stadt kein Wasser, also blieb nur der naheliegenden Brunnen. Erst wollte er mir das Brunnenwasser nicht zumuten und fragte, ob das denn gut für meine Haut sei? Aber nachdem die Nachbarn ihn aufgeklärt hatten, dass sie da regelmäßig Eau de Javel (Chlorbleiche) reinschütten, um es trinken zu können, füllte er mir diverse Gefäße mit dem Brunnenwasser auf. Daraufhin konnte ich wenigstens “duschen” und den Durchfall richtig runterspülen.

Und dann ist da noch der Schimmel. Jeden Tag entdecke ich neue Stellen: an Hosen, Kleidern, Schuhen, an der Holz-SALATSCHÜSSEL, an dem Papieretikette der Honigflasche…es ist einfach eklig!

Ich will grad einfach nur noch weg! Von der Luft, dem Schimmel, der Wassersitutation, von dem Abwasch den ich unter den Umständen nicht richtig machen kann und den ganzen Ameisen, die deswegen überall rumrennen (unter anderem auch meine Hosenbeine hoch). Eine Woche noch!! Aber ich kann noch nicht mal anfangen, Koffer zu packen. Schon eingepackt, hätte das ganze feuchte Zeug eine  noch viel wunderbarere Atmosphäre, Schimmelkulturen anzusetzen. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als das Zeug wenigstens zusammenzusuchen und neben dem Koffer Stapel zu bauen.

Ja, aber neben jedem Leid gibt es auch Freud. Wie gesagt, der Pastor ist frei. Und gestern war ein sehr unterhaltsamer Abend: “Miss Togo” Auswahlrunde Region Central. Davon aber wannanders ausführlicher :)

Leben mit dem allabendlichen Stromausfall

Klassisch: man ist in der Küche gerade beim Zwiebeln Schneiden oder sitzt vielleicht gerade auf dem Örtchen. Schwupps… ist alles dunkel. Wir haben uns dran gewöhnt. Passiert eigentlich jeden Abend. Oder zumindest jeden zweiten und dann auch gern gleich mehrmals. Aber wir haben uns dran gewöhnt. Kein Grund zur Aufregung. Die Taschenlampen haben ihren festen Platz und man kann sich routiniert zu ihnen durchtasten. Einmal die Kerzen an, kann das Angefangene auch wieder aufgenommen werden. Und man könnte es ja fast romantisch nennen! Wer weiß, ob wir -zurück in Deutschland- jemals wieder bei Kerzenlicht speisen werden.

Was nicht ganz so oft passiert, aber irgendwie wesentlich einschränkender ist: Wasserausfall. Also, heute morgen kein Wasser. Das ist dann schon echt scheiße, besonders wenn man mal wieder Durchfall hat. Beim Wasserausfall weiß man auch nie, wie lange das sein wird. Nur 1-2 Stunden oder vielleicht den ganzen Tag? Eine Tonne mit Notwasser hatten wir uns noch nicht ins Bad gestellt. Aber nachdem ich jetzt mal gesehen habe, wieviel 1.5 Liter Trinkwasser im Toilettenkasten verschwinden, wäre so eine Tonne durchaus eine Überlegung wert (genauso wie wassersparenderes Verhalten beim Spülen. Mir war nie bewusst, wie VIEL Wasser bei einem Spülgang ohne Spülstop “verschwendet” wird)

Meanwhile in Togo

Während mein Mann Baby und Babybauch treffend, Familie und alte Freunde besuchend, sich kulinarisch verwöhnen lassend

(ich erlaube mir mal sein Abendessen von gestern zu posten)

und mit lauter Verrückten andere nachts einen Berg hochfahrende Verrückte anguckend durch halb Deutschland tingelt, erlebe ich in Togo etwas, das mir bisher vollkommen unbekannt war: Regenzeit in Afrika.

Nun habe ich mich ja wirklich auf die Regenzeit gefreut. Und ein paar Mal ordentlich gerumst und gescheppert hat es auch schon, als Julian noch da war. Wenn dann so ein Wolkenbruch über Sokodé niederdonnert, ist es schon faszinierend, dass wenn sich über meinem Büro ärgste Wasserfälle vom Himmel stürzen, bei meinem Mann im Haus 2km Luftlinie entfernt  nichts davon zu merken ist und vielmehr alles trocken bleibt. Jetzt regnet es aber schon die eine oder andere Nacht mal durch und auch tagsüber schafft die Sonne es nicht mehr, genügend Wasser zu verdunsten. Die Folge ist eine Luft, die von Wasser nur so schwillt. Alles ist feucht. Legt man sich ins Bett, ist es klamm. Nimmt man frische Kleidung aus dem Schrank scheint es, als hätte man sie nie richtig trocknen lassen. Schaut man an die Zimmerdecke, sind die Wasserflecken an den Ecken zu einer großen Fläche über die gesamte Decke angeschwollen. Wirft man einen Blick auf die vertikalen Mauern, entdeckt man, dass auch diese von Feuchtigkeit durchsogen sind.

 

Und ganz zufällig entdeckte ich heute die wundersame Neubelebung vergessen gelaubter Colakulturen auf unserem Vorhang. Im April, zu der Zeit als der Vorhang noch Tischdecke war, hatte jemand aus Versehen eine Colaflasche umgeschmissen. Weil man keine schlimmen Flecken sah, machten wir uns keinen Stress und ließen das Ganze einfach trocknen. Ich weiß das noch so genau, weil ich die Tischdecke nur einen einzigen Tag aufgelegt hatte, nämlich da, als wir unseren Besuch bekamen. Eine vielleicht etwas eklige aber doch freudige Erinnerung :

 

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Auch im Straßenverkehr lässt sich eine starke Verwässerung erkennen. So durchfuhren mein Fahrer und ich gestern nicht nur in ein mächtiges Gewitter,  sondern besonders ich erfreute mich an den stark veränderten Stadtbildern. Dort wo sonst Verkäufer ihre zu kreativen Türmen aufgebaute Ware anbieten, standen jetzt nur noch vereinzelt zurückgelassene bunte Plastikschüsseln. Daneben rauschte das Wasser weit über den für es vorgesehenen Abwasserkanal hinweg.

Die Leute wirkten trotzdem alle irgendwie sehr entspannt – wenn überhaupt welche zu sehen waren. Die saßen dann -auch nicht unbedingt trocken- unter irgendeinem Dach oder liefen -vor allem die Frauen- sowieso schon klitsch nass, einfach mit ihren Schüsseln auf dem Kopf weiter den Straßenrand entlang. Mein Fahrer fragte mich, ob es in Deutschland auch so regne und als ich bejahte und sagte, dass es sogar tagelang regnen könne meinte er nur: aber wie arbeiten die Menschen dann? Hier bleibt die Zeit tatsächlich stehen wenn es regnet und niemand tut mehr etwas. Aber auch irgendwie verständlich, wenn man sieht, dass die Werkstatt oder der Verkaufsstand oft nicht mehr als ein Wellblech auf 4 Pfosten ist.

So, und weil wir eh grad mal wieder beim Straßenverkehr sind, hier noch ein paar Eindrücke von der letzten Fahrt nach Lomé (da war es ja noch trocken):

Unser Pajero ist jetzt ein betagter Pajero. Er hat stolz und ohne Tadel die 300 000 km Marke überschritten. Auf dass noch viele folgen mögen!!

Da vorne liegt ein Hinternis:

 

Ach, es ist nur mal wieder ein Laster, der umgefallen ist:

Die Leute -alle gar nicht dumm- fahn einfach um den Laster rum:

Klappt aber halt doch irgendwie nicht immer so ganz, weil die meisten heillos überladen sind. Also, alles raus:

Der Laster vor dem 15 Personen (eigentlich 9 Personen) Minibus schaffte natürlich die Auffahrt aus der Seitenspur nicht mehr und blieb auch stecken. Der Pickup zwischen Laster und Minibus dachte, er sei ein Geländewagen und könne den Abhang hochfahren. Nach einigen Versuchen gab er auf und warte brav, bis der Laster nach einer ganzen Weile sich in irgendeinen Winkel manövriert hatte, um auf die Teerstraße zurückzukommen und die Umleitung wieder frei zu machen.

“Alles raus” dachte sich der Lastwagenfahrer wohl auch:

(Das ganze Altmetall wird übrigens nach Europa verschifft und dort zu neuen Mopeds verarbeitet ;) -hat mir mein Fahrer später erklärt)

Später war dann noch einer umgekippt:

Und noch einer

Und noch einer

Aber die muss ich hier ja nicht alle zeigen.

Die beiden stehen noch, ja fahren sogar:

Die Jungs haben sich tierisch gefreut, ein paar Weiße beim Autofahren zu sehen.

Auf dem Rückweg bin ich ja dann alleine gefahren. Das lief auch super gut, allerdings waren die knapp 4.5 Stunden brutalst anstregend. Hier muss man immer 100% konzentriert sein, weil jeden Moment etwas Unvorhergesehenes passieren kann.

Zum Beispiel, die beiden Mopedfahrer, die nebeneinander während der Fahrt einfach umgekippt sind. Den einen hat es gleich mitsamt Moped nen halben Meter in den offenen (aber trockenen) Abwasserkanal runtergelassen, der andere konnte sich vor der Kante grad noch stoppen. Oder der Mopedfahrer, der ein ganzes Sofa quer auf seinem Gepäckträger transportiert hat und aber erst recht spät als derartiges Verkehrshindernis identifiziert werden konnte. Oder der Mopedfahrer, dessen Mitfahrer auf seinem Kopf einen 4m langen Holzbalken (manchmal sieht man sowas auch mit Stahlstangen) balanciert und vor lauter Quatschen nicht bemerkt hat, dass ihn ein Auto überholen will – in dem Moment, in dem er gerade seinen Kopf ein wenig dreht. Oder der entgegenkommende Autofahrer, der plötzlich auf meine Fahrspur kam und einfach parkte, um sich am Straßenrand Früchte zu kaufen. Unglücklicherweiße genau in dem Moment, in dem Gegenverkehr kam und ich voll runterbremsen musste, um aus seinen Früchten nicht Fruchtsaft zu machen. Oder die Lastwagen, die einem entgegendonnern und plötzlich noch einem riesen Schlagloch auf ihrer Seite ausweichen und heftig schlingernd grad noch rechtzeitig wieder rüberziehen, bevor es für mich brenzlig wird. Oder die Damen, die mit sichtbar schweren Schüsseln und Säcken auf dem Kopf und dadurch etwas unflexibler in ihrer Reaktionsfähigkeit plötzlich aus dem meterhohen Dickicht hervortreten und den Autofahrer ganz schön erschrecken.  Wenigstens bleiben die immer gleich am Straßenrand stehen und nutzen nicht noch den Schwung, um ein Auto von der Seite zu erwischen. Oder der Lastwagenfahrer, der genau dann ansetzt einen Motorradfahrer zu überholen, wenn man ihn schon halbe Strecke überholt hat und man heftig hupen muss, um nicht in den Straßengraben geschoben zu werden. Ganz zu schweigen von den Hühnern, Ziegen oder Hunden, die unberechenbar nach erfolgreicher Überquerung der Straße plötzlich kehrt machen und zurück auf die Straße rennen als wären sie des Lebens müde. Kinder laufen da ja auch genug rum ( auch solche, die grad erst laufen können). Aber wie alle Menschen hier, passen auch die Kinder  verflixt gut auf und selbst die Kleinsten springen beim Geräusch eines Autos oder einer Hupe tollkühn in den Straßengraben.

Verrückt ist das schon irgendwie alles!! Ich war froh, als ich zu Hause war.

Ach ja… und noch was: ein kleines Stück Heimat in der Fremde!