Archiv für den Monat: Juni 2014

Tod II

Alter… und jetzt rief mich grad unser Verwalter an und erzählte, dass er heute seinen kleinen Bruder verloren hat. Und… wieder ein Verkehrsunfall. Der Bruder war wohl mit seinem Kollegen unterwegs. Beide waren sofort tot.

Das ist doch einfach nur krass, oder? Ich werde direkt wütend, dass hier so viele fahren wie Gestörte, die Mopefahrer meist sowieso auch ohne Führerschein. Liegt es daran, dass die Fahrschulen nichts taugen oder dass die Prozeduren für einen Führerschein zu langwierig und kompliziert sind? Oder dass man dafür keine Geld hat (oder zahlen möchte), ebensowenig für die Wartung der Fahrzeuge? So wie die LKW, die nur mit einem Scheinwerfer fahren. Togo hat als Konsequenz wegen schwerer Unfälle in letzter Zeit Nachfahrverbot für LKW und Busse angeordnet (alle Fahrzeuge, für mehr als 5 Personen -also auch Taxis, weil die ja in normalen 5-Sitzer PKW 8 Leute beförden).

Das Nachtfahrverbot wird auch kontrolliert und die, die trotzdem fahren werden aus dem Verkehr gezogen. Seit einem Monat gibt es auch für Mopefahrer Helmpflicht und seitdem stehen täglich die Polizisten an Hauptverkehrskreuzungen und kontrollieren, ob jeder seinen Helm trägt. Was die Leute da aus ihren Schubladen ziehen ist beeindruckend: Mopedhelme (meistens ohne Kinnschutz. Mit Kinnschutz gibt es kaum), Bauarbeiterhelme, alte neonfarbenen Kinderfahrradhelme, REIThelme… grad dass sie keine Plastikkübel aufsetzen, wie in diesem Bild, dass die Leute hier unglaublich witzig finden:

Gestern beim Basektballsoiel sah ich doch tatsächlich jemanden mit einem Eimer auf dem Kopf rumlaufen. HOFFENTLICH war das nur Sonnenschutz und nicht eine Nachahmung.

So locker die Leute hier vieles nehmen -schließen sier nicht von den Unfällen auf ihr Verhalten? Behandeln sie lieber die Symptome als die Ursachen? Unser Fahrer – der, der neulich seinen Bruder und seine Schwägerin verloren hat- fuhr gestern wieder so rasant durch das ungeteerte Wohnviertel, dass es mir peinlich war.  Mit ihm werde ich wohl am Montag reden. Aber was ist mit so vielen anderen ???

Rollstuhl Basketball

Gestern waren wir bei einem Basketballspiel. Rollstuhl Baseketball oder auch eine “Werbungsveranstaltung (Promotion) für das Recht von Menschen mit Behinderung auf Freizeitbeschäftigung”. Mein Arbeitgebner ist ja ganz bemüht, sich für die Inklusion von derartigen Randgruppen in der Gesellschaft einzusetzen, darum hatten wir eine persönliche Einladung bekommen: Team Sokodé gegen Team Kara (Stadt 70km nördlich von Sokodé).

Meine Kollegen und ich warteten noch kurz auf meinen Mann, dann fuhren wir ein bisschen zu spät und ein bisschen gestresst los zum Austragungsort. Natürlich hätten wir nicht stressen müssen.Wir sind ja schließlich in Afrika. Also saßen wir erstmal da und schauten beiden Teams beim Aufwärmen zu.

Team Kara, äußerst diszipliniert und professionnel:

Team Sokodé dagegen etwas unorganisiert und eher lässig:

Hier wird noch eben das Basketballnetz geflickt:

Das ging dann so eine ganze Weile. Nebenbei bedankte sich der Moderator immer wieder bei denen, die gekommen waren und natürlich spielte die ganze Zeit Musik durch große Lautsprecher.

Irgendwann kam dann jemand auf die Idee, ob irgendwer überhaupt mal den Präfekten angerufen habe. Der kommt nämlich normalerweise wirklich pünktlich zu Veranstaltungen, allerdings wartet er halt meistens, bis er angerufen und informiert wird, dass die Veranstaltung jetzt tatsächlich beginnen soll. Hier wird imme rein rießen Terz um Authoritäten gemacht. Ohne die kann nichts beginnen, ohne ein Grußwort von denen ist es keine richtig ernstzunehmende Veranstaltung und wenn sie dann kommen, steht jeder ehrerbietend auf und die Veranstalter wuseln ergeben  um die Authoritäten rum, begleiten sie zu ihren Stühlen in der ersten Reihe und verteilen Wasser. Für uns ist soviel Tamtam natürlich reichlich ungewohnt.

Da der angerufene Präfekt sagte, man könne das Spiel schon mal ohne ihn anfangen, war es nach 1.5 Stunden Verzögerung endlich soweit: Die Teams stellten sich auf.

Die bisher anwesenden und eher unwichtigeren Ehrengäste schüttelten den Spielern der Reihe nach nochmal die Hände (zum Glück war ein älterer Franzose vor Ort, sonst hätten vermutlich wir noch als Quotenweiße mit Händeschütteln müssen). Dann ging es los.

Die Stimmung war großartig. Die Sportler sprinteten mit rollenden Reifen übers Feld. Ich und scheinbar viele andere waren echt beeindruckt wie flink die Spieler mit ihren Rollstühlen hantierten, dabei auch noch den Ball kontrollierten und sich gezielte Pässe zuwarfen. Lustig wurde es, wenn die Rollstühle aneinandern rumsten (mich erinnerte das ganze sehr stark an Autoscooter) und die fahrbaren Untersätze gelengentlich nach hinten umkippten und dabei ihre Insassen verloren. Das Publikum brüllte vor Lachen (sowas hatten sie noch nie in echt gesehen) und feuerten begeistert die Manschaften an. Es war ein riesen Spaß. Gutmütig und herzlich.

Besonders der Einbeinige wurde immer wieder Opfer seinerr ungleichen Gewichtsverteilung:

Dann kam endlich der Präfekt, der “Papa der Behinderten”, wie sie ihn liebe- und respektvoll nannten. Weil sowieso das erste Viertel grad vorbei war, wurde das Spiel unterbrochen, um nun endlich die Begrüßungs- und Eröffnungsreden zu halten. Der Präsident der Behindertenvereinigung fing an … wurde allerdings kaum gehört. Ob es an einem Wackelkontakt oder einer falschen Ausrichtung der Antenne lag… man weiß es nicht. Jedenfalls fiel das Funkmikro ständig aus. Ein zweites wurde herbeigeschafft, aber das zeigte ähnliche Symptome. Also wurde versucht, die Stimme doppelt verstärkt einzufangen.

Der Präfekt stellte sich flexibel auf die Problematik ein und hielt das Mikro in der einzig wirksamen Position -allerdings nicht ohne schmunzelnd einen Kommentar darüber abzugeben, wie ungewohnt diese Haltung sei.

Dann ging es weiter. Die Zuschauer amüsiert bis konzentriert:

Die Spieler motiviert:

Das national Fernsehen war natürlich auch wieder da. Sie filmten ganz fleißig, nur halt nicht das Spiel, sondern die Zuschauer. Und wieder … schien es denen wichtiger zu sein, dem Volk von Togo zu zeigen, dass lokale Authoritäten da waren und sogar ein paar Weiße. Von uns gibt es mindestens 3 Nahaufnahmen.

Die Regenzeit setzt ja langsam immer regelmäßiger ein. So war es unter unserem Schattendach gar nicht so heiß und ein angenehmer Wind bließ immer wieder erfrischend um unsere Nasen. Der wurde dann auch immer stärker und der Himmel verfärbte sich zu aufregenden Farbspielen.

Nebenan spielten ein paar Jungs Fußball

Das Basketballspiel ging wacker weiter und die gepunkteten Körbe wurden fleißig auf der Anzeigetafel vermerkt.

Zu dem Zeitpunkt stand es 25:0 für Team Sokodé. Team Kara wirkte schon irgendwie frustriert und niegergeschlagen. Da nahm sich der Schiri den Ball und sprintete beherzt auf den Sokodé-Korb zu. Bäm… ein Punkt für Kara. Alles jubelte und gröhlte! Irgendwie musste man ja das arme Kara Team mal wieder zurück ins Spiel bringen. Das wirkte. 2 Minuten später traf ein echter Kara Spieler auch den Korb. Tosender Beifall.

Der Regen, der dann kam, hielt die Spieler nicht auf. Nur die Zuschauer fingen an, sich immer dichter unter die für die Ehrengäste vorgesehenen Planendächer zu drücken. Irgendwann entschied sich der Präfekt dann auch zu gehen -natürlich nicht, ohne sich von mir und vor allem von Julian mit einem kräftigen Handschlag und einem lustig betontem deutschen “Auf Wiedersehen” zu verabschieden -der alte Kumpel.

Das Spiel endete 35:6 für Sokodé. In Minuten waren die Zuschauer verschwunden und das Team Kara eingepackt.

die Sokodé Spieler wieder in ihre normalen Rollstühle gestiegen

Es war ein schöner Nachmittag gewesen.

 

Wikipedia…

Ich les grad so ein bisschen quer durch Wikipedia. Auf Nigeria bin ich gekommen, weil da bis 2005 noch Peugeot 504 gebaut wurden. Das Land muss ja echt am Arsch sein. Diamanten, Erdöl, Landwirtschaft, Industrie… Alles da, trotzdem ist die Hälfte der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze von nem Dollar am Tag. Die Landwirtschaft, in der mehr als die Hälfte der Menschen arbeiten schafft es nicht die Bevölkerung zu ernähren (sprich: Eine Person die in der Landwirtschaft arbeitet schafft es nicht essen für zwei zu produzieren – das kann ich mir nicht mal vorstellen). Und durch Korruption gehen die Gewinne schön an der Bevölkerung vorbei.
Dazu dann noch alle 10 Jahre ne Militärdiktatur und dazwischen immer mal wieder Demokratie. Sie sind jetzt bei der 4. Republik seit 1960. Die aktuelle Verfassung gilt seit 1999, da wirds eigentlich mal wieder Zeit. Das denkt wohl auch Boko-Harem im Norden…

Harter Schnitt. Meine Frau hat Freunde in Kamerun. Leider liegt Nigeria da dazwischen und auch in der Nähe, so dass es derzeit leider weder möglich ist da hin zu fahren noch sich dort sicher zu fühlen. Hätte sie gerne gemacht, nachdem wir hier fertig wären. Eine andere Option wäre mit dem Auto nach Deutschland zurück zu fahren. Da gibts immerhin eine Route mit akzeptabler Sicherheitslage, dafür breitet sich da grad ne Ebola-Epedemie aus…

Und auf meinem Körper breitet sich grad irgendeine Ausschlagepedemie aus. Bisher ging es mir ja hier relativ gut, der Stuhlgang war wechselnder Viskosität – aber Regelmäßig. Weihnachten hatte ich mal Verstopfung mit anschließend Fieber und zwei Tage Schlafen. Und jetzt am Wochenende Durchfall. Wahrscheinlich ist mein Körper hier so weit außerhalb seines Wohlfühltemperaturbereichs dass auch die Krankheiten nicht damit klar kommen…

Achja, glaube nie einer Statistik die du nicht selbst gefälscht hast. Die monatlichen Durchschnittshöchsttemperaturen liegen hier bei 35° C im Frühjahr. Das klingt jetzt an sich nicht so schlimm kennt man ja von uns. Aber München im August hat 12° weniger. Und da lauf ich zuverlässig in kurzen Hosen rum. Was wiederrum erklärt warum die 35°C hier nichts mit den 32°C-Hitzefrei-Tagen in Deutschland zu tun haben…

Tod

Mit dem wird man hier schon viel öfter konfrontiert als bei uns. Vor 2 Wochen ist von einem unserer Fahrer der Sohn gestorben. Mit 21 Jahren einfach aus dem Leben gerissen. Durch einen Unfall.

Jetzt am Wochenende ist der jüngere Bruder und die Schwägerin von dem Fahrer meines Programms gestorben. Also von Norbert’s Papa, von dessen Kindergeburtstag wir neulich geschrieben haben. Muss ein ziemlich hässlicher Unfall gewesen sein. Bruder und Schwägerin waren auf dem Moped unterwegs und sind frontal in einen LKW. Sie wurden einfach überfahren bzw. “zerdrückt” (wie die Übersetzung des  französischen Wortes korrekt wäre).

 

Allerhand los…

Wir sind gerade aus Lomé wiedergekommen. Dort hörten wir, dass ein Arbeitskollege überfallen wurde. Nachts, zu Hause. Der Dieb nutzte einen Vodoo mit dem er durch Mauern gehen konnte, damit dieser Funktionierte musste er aber nackt sein. Einmal ins Haus eingedrungen fand er allerdings nicht befriedigend viel Geld, so dass er beschloß den Hausherren zu wecken. Als der Hausherr dann, mit seinem eigenen Küchenmesser bedroht, erwachte erblickte er einen fremden Dieb in einer bekannten Unterhose… Verletzt wurde übrigens niemand.

Auf der Rückfahrt war dann irgendwann Stau. Ein Unfall hatte sich ereignet, ein LKW war wohl irgendwie ins Schläudern geraten und Stand quer zur Fahrtrichtung noch teilweise auf der Straße. Da war es dann natürlich schwierig vorbei zu kommen, aber der Togoer ist da ganz ungehemmt und regelt erstmal den Verkehr. Das funktioniert auch größtenteils ganz gut und es wird nur ein wenig gedrängelt. Dann ging es irgendwann ein wenig weiter, es kam Gegenverkehr. An sich kein Problem. Nur das Auto mit dem Regierungskennzeichen hatte so gedrängelt dass es dann auch im Weg stand… Anschließend durften wir fahren und natürlich musste zuerst ein LKW durch, der etwas optimistisch geschätzt hatte was den Platz angeht. Nunja, es hat ein wenig länger gedauert und die Kante zwischen Straßengraben und Straße hatte hinterher ein paar Kratzer…

Und dann wurden wir von einem, nein zwei Autos überholt. Der eine hat den anderen nämlich abgeschleppt. Innerorts werde ich hier nämlich immer zum Hindernis, obwohl ich so fahr, dass ich in Deutschland wohl schon keinen Führerschein mehr hätte. Muss schon spannend sein ein paar hundert Kilometer an nem 3m-Seil zu hängen und keines der Schlaglöcher rechtzeitig zu sehen die plötzlich hinter dem vorderen Auto auftauchen…

Ein formidables Pistenvergnügen

Pfingsten macht ja aus einem Wochenende ein langes Wochenende. Das ist schön. Pfingsten bedeutet noch viel mehr. Das ist sicherlich wichtiger, hier aber gerade nicht so relevant. So lange wir noch hier sind müssen wir die freien Tage meiner Frau nämlich geschickt ausnutzen. Und so sind wir wieder mal nach Benin gefahren. Hab ich schonmal erwähnt, dass mir Benin besser gefällt als Togo? Alles voll mit alten Peugeots, so wie man sich das (frankophone) Afrika vorstellt. Nicht alles voller Corollas wie in Togo. Wir hätten da ja einerseits auf der großen, gut  ausgebauten und nur mit kleinen, aber gemeinen Schlaglöchern versehenen Straße hinfahren können. Wollten wir aber nicht. Wir nahmen die deutlich langsamere, dafür aber auch deutlich interessantere Piste…

Zunächst mussten wir aber trotzdem erstmal 190km auf der recht hässlichen Straße nach Süden fahren. Schon interessant wie sie sich jedes mal geändert hat. Die ist ja geteert, trotzdem entstehen und verschwinden immer mal wieder ein paar Schlaglöcher. Bei 120 stören die aber nicht mehr so viel. Leider kann (oder will, innerorts etc) man nicht immer 120 fahren. Ab Atakpame ging es dann auf die Piste. Anfangs war die Piste noch von Savannen gesäumt. Irgendwann kamen wir dann an fast trockenen Stausee der Togo mit Strom versorgt (die Regenzeit beginnt gerade erst). Danach ging es dann weiter nach Süden und die Umgebung wure grüner, mit Elefantengras und Urwald (wobei ich davon nicht so viel wahrgenommen hab, man muss sich da schon auf die Strecke konzentrieren). Die Piste wurde dann auch kleiner (mehr wie ein Feldweg) und gelegentlich schienen Piste und Bachlauf dann auch einen Bund fürs Leben geschlossen zu haben. Da waren wir dann schon froh über unseren Geländewagen, auch wenn wir nie Allrad gebraucht haben, das robuste Fahrwerk und die größere  Bodenfreiheit schaffen da schon mehr Zuversicht. Ohne wärs aber sicherlich auch gegangen. Das schöne ist ja, dass so kleine Straßen die Entwicklung der westlichen Zivilisation schon deutlich zu bremsen scheinen. Und auch wenn man häufiger an recht ordentlichen Handysendemasten vorbeikommt sind die kleinen Dörfer doch recht ursprünglich geblieben. Mit kleinen Zicklein und Ferkeln, Kindern die im Abwassergraben spielen und Frauen, denen noch kein BH verkauft wurde (wenn doch wird er stolz über der Kleidung getragen). Togo hat ja aus touristischer Sicht nicht so viel zu bieten, wenn man aber doch mal herkommt sollte man doch schauen, dass man auch mal sowas sieht. Wird vermutlich ein wenig schwierig zu vermitteln sein, weil kein Fahrer hier wird den Wunsch: “Ich möchte mal ein einfaches Dorf am Arsch der Welt sehen!” verstehen. Ein eigenes Auto ist da schon toll. Da ihr aber wohl ehh nie nach Togo kommen werdet ist das auch egal. Da wir ein wenig spät losgekommen und dann noch ein wenig länger gebraucht haben sind wir erst zum Einbruch der Dunkelheit an die togoisch-beninische Grenze gekommen. Der Grenzübertritt hat dann auch nur 55 Minuten gebraucht (weil auf beiden Seiten unsere Daten in ein großes Buch geschrieben werden mussten). Ansonsten keine Probleme. In Benin musssten wir dann ein wenig im Dunkeln fahren, das ist hier nicht so schön. Man hat hier so wenig Licht, dass der Gegenverkehr immer sehr blendet und der Rest einfach dunkel ist. Man steht also ständig vor der Frage: “Ist das schwarz da nichts, oder ist da ein unbeleuchteter Verkehrsteilnehmer”. Ansonsten war die Straße aber zunächst ausgezeichnet, so konnten wir immer wenn kein Gegenverkehr kam ordentlich Strecke machen. Nach der ersten Ortschaft änderte sich das allerdings und die von meiner Frau versprochenen “guten Straßen mit wenig Verkehr” zeigten sich als schlechte Straßen mit viel Verkehr. Was ganz lustig war, die Schlaglöcher waren so groß, dass ein ganzes Auto hineinpasste (von der länge und breite her, in der Höhe hätte es nur für nen halben tiefergelegten Golf gereicht). Und da kann man dann halt irgendwie Slalom drumherum fahren oder einfach mittendurch. Da in vielen Wasser stand weiß man halt nicht wie tief sie sind und ob da nicht noch ein paar Felsbrocken unter der Wasseroberfläche warten, da hat man halt ein gewisses Restrisiko. Ja, das ging dann so ganz gut vorwärts, bis dann irgendwann ein Audi vor uns auftauchte. Audifahrer scheinen ja international ein Problem mit nichtlinearer Streckenführung zu haben. Vor Kurven und Schlaglöchern sind die mir auch in Europa schon mit übertriebenem Bremsen auf die Nerven gegangen.  Nunja, also gings ein wenig langsamer weiter, überholen ging nicht, weil der Kollege ständig mitten auf der Straße Schlangenlinien gefahren ist. Irgendwann kam dann noch ein drängelnder Bus von hinten, und ich hab mir gedacht, vielleicht findet der ja nen Weg am Audi vorbei. Hat er auch nicht und irgendwann schien mir dann der linke Straßengraben recht attraktiv (da die Piste so viele Schlaglöcher hat wird hier viel im Straßengraben gefahren – ist meist auch kein richtiger graben) und ich bin da wieder am Bus vorbei. Der Audi ist dann auf einen noch langsameren Bus aufgefahren, welcher die ganze Geschichte nochmal verlangsamt hat. Irgendwann kam dann auf beiden Seiten der Piste ein Schlagloch, was den Bus veranlasst hat halb im linken Straßengraben vorbei zu fahren. Der Audi sah seine Chance zu überholen, was er halb im rechten Straßengraben versuchte. Ich hab die ganze Problematik als nicht so besorgniserregend eingestuft und bin einfach mitten durch. Und schon hatten wir beide hinter uns gelassen und konnten mal wieder ein wenig zu fahren. Im nächsten Dorf haben wir mal wieder nach dem Weg gefragt und da meine Frau leider gelegentlich ein dazu neigt ein bisschen  viel zu reden hat uns der Audi wieder überholt, aber jetzt wusste ich ja wie es ging und beim nächsten Loch dass er umrundet hat bin ich einfach mitten durch. Diese Technik konnte ich dann noch ein paar mal erfolgreich anwenden. Im Dunkeln sind so Pisten übrigens deutlich angenehmer zu fahren als normale Straßen. Es bewegt sich einfach alles langsamer und durch den recht dichten Verkehr war auch eine fast schon gleichmäßige Beleuchtung gegeben. Und dann kam wieder eine Ortschaft und schon war die Piste vorbei. Stattdessen kam eine Straße, wo die rechte Seite gerade neu gemacht wurde und deshalb abgefräst wurde. Das heißt links war es angenehmer zu fahren und so fuhr man da und nur  bei Gegenferkehr rechts. Irgendwann kam dann vor uns ein SUV (das sind die Dinger die heutzutage als Geländewagen verkauft werden, aber eigentlich nur den Verbrauch von nem richtigen Gelänewagen mit den Fahrleistungen von nem Golf II verbinden). Ließ sich wunderbar rechts auf dem abgefrästen Teil der Staße überholen. Ja, und dann waren wir irgendwann in Grand Popo (und auch wenn die großen Hintern hier naheliegend wären, Kanonenschüsse “Po – Po” waren Namensgebend. Dort mussten wir nur noch einmal quer durchs Volksfest (wo für die späte Stunde noch ganz schön viel los war und schon waren wir an unserem Hotel (mit Meerblick aus dem Bett – das entdeckten wir aber erst am nächsten morgen) angekommen. Wir hatten schon befürchtet, dass die Rezeption schon zu  sein könnte, aber sogar ein Koch war noch da…

Bildmaterial kommt dann mal später. Jetzt über Pfingsten habt ihr ja erstmal viel Zeit zu lesen…

Kindergeburtstag

Am Freitag hatte der kleine Sohn von unserem Fahrer Geburtstag. Seinen ersten! Das zu feiern waren wir eingeladen.

Nach der Arbeit aber erstmal n bißl entspannen. Sind ja in Afrika, da kann man auch später kommen. So ne gute Stunden. Wir waren dann eh die ersten Gäste. Mit unserem Auto über enge Sandwege, bis es nicht mehr weiter ging. Nur noch ein paar Mauern, hinter denen sich Häuser vermuten ließen. Wir folgten einfach mal der Musik. Lautstärke bedeutet hier scheinbar Stärke, darum wird aufgedreht, was geht. Der Klag… wohl nebensächlich ;)

Durch einen kleinen Gang gelangten wir in einen Innehof, von dem mehrere Zimmer, jeweils mit Vordach abgingen. Hier lebt man meist in Gemeinschaft mit anderen. Der Innenhof mit Brunnen, einem kleinen Baum und einer gemeinsamen Außenküche wird geteilt, die Zimmer gehören unterschiedlichen Familien. Wir mussten erstmal nachfragen, bevor wir unter all den interessiert guckenden Gesichtern die Mutter des Geburtstagskindes entdeckten. Diese führte uns gleich in ihr Wohnzimmer, neben dem Schlafzimmer der einzige Raum ihrer bescheidenen Wohnung und äußerst spärlich eingerichtet. Ein Sofa, ein Tisch, ein Spar Stapel Geschirr  und der Fernseher, der mit Musikvideos eine unterhaltungsuntaugliche Atmosphäre schuf. Machte aber nichts, denn irgendwie waren eh alle draußen. Nur wir wurden gebeten uns auf das Sofa zu setzen. Nach und nach kamen immer wieder Leute rein, knieten sich halb vor uns nieder und begrüßten uns damit ehrbürtig.

Nach einer Weile kam dann endlich der Geburtstagskindvater, der noch 2 Kisten Getränke gekauft hatte. Ihm folgten ein paar weitere meiner Kollegen und endlich wurde der Raum etwas voller. Getränke wurden ausgeteilt und Tische hereingebracht. Dann bekamen wir etwas zu essen. Erst Salat, der, wie ich gehofft hatte, vor allem aus Spaghetti und Mayonnaise bestand und nur eine überschaubare Zahl an Salatblättern aufwies.  Auch wenn damit das Durchfallrisiko etwas gesenkt werden konnte, blieb der Fischgeschmack. Naja, wer wollte nochmal fremde Kulturen erleben? Ich bewunderte meinen Mann, der wesentlich mutiger einfach das aß, was uns angeboten wurde. Danach Couscous mit undefinierbaren Fleisch, aber schon ok. Die Kollegen aßen auch nicht alles auf und so gingen die Reste nach draußen, um von den Gästen “2.Klasse” fertig gegessen zu werden. Die Kollegen wurde munterer und standen auf, um mit den Musikvideos mitzutanzen.

Der togoische Künstler im Musikvideo hatte alle Clips im gleichen Studio gedreht und tanzte in jedem Lied vor den gleichen Hintergrundbildern, die Alpenseen und beleuchtete Hochhäuser abbildeten. Manchmal auch eine lokale Schule, vor der eine Dame mit weißen Zotteln um den Hintern diese unermüdlich schüttelte. Mit immer neuen Moviemaker Effekts wurden die Szenen gewechselt und regelmäßig die Telefonnummer des Künstlers eingeblendet. Die Kollegen tanzten und johlten. Die Leute im Innenhof schafften es allerdings, wesentlich lauter zu sein :) Abwechselnd drang so immer wieder “joyeux anniversaire” bzw. “happy birthday” zu uns ins Zimmer und ich war echt beeindruckt.

Dann ging die Tür auf und ein ca. 5 jähriges Mädchen schaute herein. Sofort entdeckte sie uns, guckte, lief dann schnurstracks auf Julian zu  und schmiss sich ihm in den Schoß. Fasziniert befühlte sie erst seine Hand, dann die Haut seines Arms und seine Knie. Nachdem sie auch meine Backe und meine Zähne mit ihren kleinen Fingern angetappst hatte, befühlte sie unsere Haare. Später wurde sie redseliger und versuchte uns zu erklären, dass wir krank seien :) Mein Kollege hatte ihr davor schon von seinem Bier gegeben und als sie sah, dass ich aus einer Bierflasche trank, nahm sie davon gleich auch einen beherzten Schluck. Mit der Zeit wurde sie direkt agressiv, fing an, unsre Brillen vom Kopf zu reißen und uns zu schlagen. Aber Julian hatte sie gut im Griff. Wenn sie zu aufmüpfig wurde, kitzelte er sie einfach und dann gackerte die kleine Besoffene aufgedreht.

Irgendwann -nach 30 min- wollten die Kollegen dann wieder gehen. Wir entschieden uns, noch zu bleiben. Allerdings wollten wir lieber rausgehen und nicht allein in dem kargen Zimmer sitzen bleiben. Draußen wurden uns sofort Stühle hingestellt, am anderen Ende des Hofes. Es ist schon echt ein eigenartiges Gefühl, wie anders man als Weißer behandelt wird. Später, als die Kinder einen Tanzwettbewerb austrugen und man sich zwischen 2 Gewinnern nicht entscheiden konnte, sollten wir entscheiden, wer der Sieger sein sollte. Ne ne, dazu hatten wir zu wenig gesehen. Als Folge wurde allen Kindern verboten, sich in unser Sichtfeld zu stellen. Mit der Zeit gewöhnten sich aber alle Anwesenden langsam an uns und wir konnten ganz entspannt einfach an der guten Stimmung Anteil haben. 2 -7 jährige Kinder wachelten im harten Wettbewerb und zur Belustigung der Umstehenden mit den Hintern. Die machten das teilweise echt gut und die beiden, zwischen denen man sich nicht entscheiden konnten, mussten ungefähr 5 mal erneut tanzen und wurden nach jedem Lied von ihren großen Brüdern in die Luft gehoben und über den Köpfen geschüttelt … und dabei fast in den Wäscheleinen erdrosselt. Plötzlich war auch die kleine Besoffene wieder bei uns und kuschelte sich abewechselnd an Julian und mich. Und dann kam irgendeine Nachbarin und drückte mir das Geburtstagskind in die Arme. Auch ein süßer Fratz, der dann bei mir auf dem Schoß saß, versuchte zur Musik zu klatschen und im Rythmus rockte. Irgendwann wurde er widerspenstig, aber wollte wohl einfach nur einen Szenenwechsel. Bei Julian dann war er wieder glücklich und schwupps, was er in seinem Arm eingeschlafen.

Irgendjemand hat dann wohl gedacht, uns könnte das stören und die Mutter gerufen, damit sie den Kleinen zu sich nimmt. Wir sind aber dann eh auch gegangen. Am nächsten Morgen hat uns mein Kollege und seine Frau noch extgra angerufen und sich tausend mal tausend mal bedankt, das wir da waren und vor allem so lange geblieben sind. 3 Stunden :) Naja, Für sie war es wohl was total besonderes, dass Weiße auf der Feier waren und vor allem nicht wie andere Ehrengäste nur essen und gleich wieder verschwinden.

Wir hatten einen wirklich schönen Abend, inmitten eines togoischen Wohnhofs und mit afrikanischem Leben. Viele Kinder, laute Musik und einfaches geselliges Zusammensein. Leider sind wir immer irgendwie isoliert, aber das wird sich wohl auch hier nie ändern. Gerade in Sokodé sind Weiße einfach zu selten, als dass der Umgang mit ihnen irgendwie vertrauter sein könnte. Aber gut. Ist halt so. Zwar ne komische, aber auch ne Erfahrung. Beim Abschied folgten uns noch die Teenies bis zum Auto und verabschiedeten uns mit lautem Gejohle und Zurufen, dass wir morgen wieder kommen sollten, bis dahin könnten sie auch dann deutsch sprechen und sich mit uns unterhalten :)

Wir grinsten und fuhren durch die Nacht heim. Es war 20:16 Uhr. Das Geburtstagskind heißt übrigens Norbert.

Attraktion

Es gibt ja hier nicht gerade viele Weiße in Sokodé, um nicht zu sagen verschwindend wenige. Da die Leute aber irgendwie Weiße ganz toll finden, werde ich sowieso schon immer besonders auf die Linse genommen. Egal welche Provinzveranstaltung, ist eine Kamera anwesen, werde ich angezoomt. Oft finde ich so dann auch den Weg ins Nationale Fernsehen, selbst wenn ich eigentlich nur zufällig und vollkommen irrelevant irgendwo war. Mein Mann meinte schon, ich sei das hier in der Gegend am meisten aufgenommene Subjekt, die Vorzeigeattraktion aus der Region Centrale.

Und jetzt fährt dieses Subjekt auch noch Fahrrad. Heute bin ich das erste mal (endlich) mit dem Radl in die Arbeit gefahren. A bißl gezögert hatte ich, weil man hier höchstens mal eine vereinzelte Schülerin auf einem alten klapprigen Fahrrad die Straße langwackeln sieht. Ich mich also in Sportklamotten geschmissen und Rucksack mit Wechselkleidung für die Arbeit hinten drauf und los gings.

Schon unser Wächter grinste amüsiert und wohl auch ein wenig skeptisch. Ganz konnte ich seinen Blick nicht deuten. Auf der Hauptstraße dann das Erlebnis: Alle Köpfe drehten sich, Manche schauten mich entgeistert an, andere tuschelten nur. Pfiffe und “Weiße” Rufe, oder auch “hey, die Rote” (wahrscheinlich weil das Fahrrad rot ist). Manche Frauen lächelten, aber wirkten zum Teil irgendwie verständnislos. Nur die Kinder, die waren hell auf begeistert. Liefen neben meinem Fahrrad her und konnten sich vor lauter Aufregung gar nicht mehr einkriegen.

Dann kam ich in ie Arbeit und der Wächter dort lachte nur. Meinte, aha, heute Sport? Mein Kollege, mein Fahrer… alle lachten nur. Irgendwie kam ich mir verarscht vor. Aber egal. Es hatte sich sau gut angefühlt, endlich mal wieder Bewegung, endlich mal wieder auf dem Sattel. Zuhause dann (die Wächter hatten mittlerweile Schichtwechsel), meinte der neue Wächter dann: aber is doch für Männer! Auf meine Nachfrage erklärte er: nein, es sei schon auch gut, wenn Frauen Sport machten.

Ach ja, mein Fahrer aus der Arbeit, hatte übrigens spontan entschieden, mich heim zu eskortieren. So fuhr er die ganze Strecke schräg hinter mir mit seinem Moped, um mich vor dem Verkehr abzuschirmen… Haha, morgen fahr ich wohl wieder mit dem Fahrrad. Irgendwann haben sie sich dann bestimmt an die komische weiße Frau, die Sport macht, gewöhnt. Und vielleicht motiviert es ja sogar noch die ein oder andere Schülerin ;)

 

Besucher

Grad bin ich nochmal halbblind (ohne Brille) zum Kühlschrank gestolpert, ein bisschen meinen Gelüsten nach Schokolade und Wasser nachkommen und ein bisschen Getränke nachlegen. Nachdem ich dann fertig war mit dem rumgekruschtel, erblickte ich, gerade dort wo gerade noch zwischen meinen Füßen vor dem Kühlschrank war ein dunkles etwas. Nähere  Betrachtungen haben dann zu der Erkenntnis geführt dass ich einen Skorpion vor mir hatte.

Auch wenn die Skorpionstiche dieser Art angeblich nicht so tödlich sondern lediglich schmerzhaft sind bin ich doch ganz froh, dass wir keinen direkten Kontakt hatten…