Archiv für den Monat: Mai 2014

Die Höhlen von…

…hab ich vergessen. Wir sind im Norden Togos, in Dapaong und machen mit dem Koch des Hotels einen Ausflug aufs Land. Dort gibt es Höhlen zu besichtigen in denen einst Menschen lebten. Zunächst haben wir allerdings ein wenig auf den Koch warten müssen, wir sind ja schließlich in Afrika. Und weil wir in Togo sind haben wir nachdem wir auf den Koch gewartet haben noch ein wenig auf den Koch gewartet. Er musste noch 18 Cordon-Bleu für ein paar Gäste aus Spanien vorbereiten. Anschließend konnten wir dann tatsächlich losfahren.

Ein paar Kilometer südlich von Dapaong haben wir die große Straße verlassen und sind einer Piste gefolgt. Auch hier ging es durch viele kleine Dörfer:

Das Leben ist dort noch beeindruckend mittelalterlich. Wer fortschrittlich sein will hängt sich nen Ochsen vor den Pflug, Strom und fließendes Wasser gibts nicht. Dafür gibt es schöne Bäume:

Und süße Zicklein:

Und Ferkel:

Übrigens, wenn man durch eine Pfütze auf der Straße neben einem Schwein fährt können schweine sogar über einen Erdwall wie auf dem Ferkelbild springen. Die sind richtig flink. Fast schon schade, dass die bei uns nicht auf der Straße rumlaufen…

Dann kann man auf ein Plateau hoch fahren und oben kommen noch mehr Dörfer. Das ganze Land dort wird landwirtschaftlich bestellt und die Leute im Norden scheinen viel fleißiger als die im Süden zu sein:

Die im Süden haben eher den Ruf der Schreibtischtäter und Landverpächter…

Kommt man an den Rand des Plateaus  kann man sogar runterschauen und sieht die Dörfer von oben:

Hier hat sich dereinst auch im Kriegsfalle ein hinterlistiges Völkchen versteckt. Das Völkchen war nämlich schon des öfteren überfallen worden und hat jedes mal einen schmerzlichen Verlust an Dingen des täglichen Bedarfs (Frauen und Lebensmitteln) feststellen müssen. Jetzt haben sie aber entdeckt, dass sie das Plateau ein wenig herunterklettern können um sich dort zu verstecken. Die Kundschafter haben oben nach Feinden ausschau gehalten und sind als sie diese Entdeckt haben abgehauen um in dieser Spalte zu verschwinden:

Die Feinde zu Pferd waren wohl ein wenig übermütig unterwegs oder hatten in der Reitschule beim Thema Anhalteweg nicht aufgepasst. Dieser setzt sich ja zusammen aus dem Weg den man während der Reaktionszeit zurücklegt und dem Bremsweg. In diesem Falle hat der nicht mehr ausreichende Anhalteweg dann dazu geführt, dass so manch ein Pferd samt Reiter den senkrechten Teil der Klippen in voller Länge erkundet haben. Und unten regnets dann Pferde und Krieger…

Das ganze begab sich übrigens ungefähr zu der Zeit als bei uns das Automobil erfunden wurde. So richtig interessant wird es aber erst, wenn man erfährt, dass das Völkchen dort in Zeiten in denen es sich verstecken musste dort in Höhlen auf halber Höhe der Klippen gewohnt hat und man diese besichtigen kann:

Die Runden Dinger sind Kornspeicher oder ähnliches. Hier einer der größeren Räume:

Dort wo kein Licht mehr hineinfällt war das Kinderzimmer. Und dort wo Licht hereinfällt konnte man auch hinausgehen:

War also schon eher eng das ganze. Aber vermutlich besser als tot oder als Ding des täglichen Bedarfs zu Enden. Die Alten wurden übrigens einfach in eine Felsspalte geschoben. Da konnten sie zumindest rausgucken (und Pferde und Krieger regnen sehen).

Dieses schöne Gefäß ist innen übrigens gedrittelt:

Da konnte man also schön dreierlei Getreide oder dreierlei getrocknete Heuschrecken oder was auch immer man da so in dreierlei Variation aufbewahren wollte aufbewahren. Hat aber inzwischen ein Loch unten. Zum Transport ihrer vielen Sachen hatten sie auch schon tolle Rucksäcke:

Das war auch notwendig, der klassische Weg ins Versteck sah nämlich so aus:

Da es da wohl zu viele Touristen den Pferden und den Kriegern gleich getan haben wurde zur Rettung des Tourismus ein wenig in touristische Infrastruktur investiert:

Jetzt kann man da auch hin wenn man die maximal zulässige Traglast der Lianen übersteigt.

Nachdem man da wieder hochgeklettert ist kann man durch allerlei Dörfer wieder nach Hause fahren. Da oben waren wir:

Und noch ein Dorf:

Natürlich haben wir den Koch zu spät zurück gebracht. Trotzdem hat er mir ein äußerst leckeres Schnitzel in Senfsoße gemacht.

Am nächsten Tag sind wir dann wieder nach Hause gefahren. Meine Frau wollte erst die abenteuerlichere Route ausprobieren, aber ohne Karte und ordentliche Vorbereitung funktioniert das hier nicht. Nach dem schlechten Weg fragen gehört zu den Sachen die hier vom gefragten meist nicht so verstanden werden. Die kulturellen Unterschiede. Haben wir halt noch ein paar Dörfer angeschaut und sind dann doch die große Straße heim gefahren. Nächstes mal erklären wir einfach vorher dem GPS-Gerät oder dem Handy wo wir hin wollen und dann läuft das auch.

Auf dem Rückweg haben wir am Straßenrand noch ein paar Pfützen gefunden:

Mir wär das ja egal, aber unsere Wächter bestehen drauf, dass unser Auto immer sauber ist. Dann sollen sie auch was zu tun haben. Am Straßenrad gab es noch weitere Dörfer:

Und noch ein paar Impressionen von der Rückfahrt. Ihr habt ja alle schnelles Internet, oder?

Ein Weg:

Gelegentlich findet man sogar Hügel wo die Straße in Serpentinen hochgeht:

Und am Straßenrand liegen öfter mal kaputte Fahrzeuge rum:

Mich wundert ein wenig wie man es schafft Leitplanken zur Straße hin zu verbiegen:

Aussicht aus dem fahrenden Auto:

Des Präsidenten Privatflughafen:

Und sein Flugzeug:

Offiziell ist es der internationale Flughafen von Dingsbums. Leider fliegt da kein Flugzeug außer der Präsidentenmaschine hin. Wär nämlich schön einfach zu erreichen von hier…

Das Stadtzentrum der Stadt zum Flughafen:

Noch ein weniger glücklicher Verkehrsteilnehmer:

Kara (die einzige Stadt in der Nähe des Flughafens), immerhin drittgrößte Stadt Togos (rund 100.000 Einwohner):

Ekeln statt räkeln:

Der überholt nicht, der andere ist kaputt:

So, das wars. Jetzt haben wir Togo von Süd nach Nord komplett bereist und ganz im Norden hats mir am besten gefallen.

Es regnet in Lomé

Heute morgen wurde es hell. Und dann wurde es wieder dunkel. Und dann kam ein Gewitter und seit dem regnet es, nicht stark, aber spürbar. Direkt nach dem Gewitter bin ich dann mal zum nächsten Luxushotel gelaufen und hab mir ein paar Pain-au-Chocolat gekauft. Und wenn man so in der Fremde unterwegs ist, entdeckt man ja doch einige Sachen, die nicht so sind wie die bisherige, praktisch selbstverständliche Annahme. Sprich: Immer warm und Sonne ist irgendwie auch scheiße.  Großbritannien (ohne London) als Urlaubsziel für die nähere Zukunft. Ich hab da zwar ein wenig Angst vor der Küche, aber meinen Vorurteilen gegenüber den Ernährungsweisen anderer Völker traue ich nicht mehr. Dann hätte es nämlich in Israel nicht schmecken dürfen (tat es aber) und hier hätte es lecker sein müssen (ist es aber nicht).

Jetzt sitze ich hier ganz im Süden im Regen und schreibe (gleich) über unseren Besuch ganz im Norden. Dort waren wir nämlich vor ein paar Wochen um uns das mal anzuschauen. Inzwischen sind wir ja automobil, was in solchen Fällen echt angenehm ist. Also die Rösser gesattelt und losgeritten. Schon relativ kurz nach verlassen der Heimat hatten zwei LKWs eine Kurve am Hang genutzt um zu parken. Bei uns gibts für sowas Auslaufspuren, hier nicht so.

Der Berg da ist schon recht steil, manche LKWs sind so langsam, dass man im ersten Gang Standgas nicht hinterherfahren kann, weil man zu schnell ist. Unfälle sind gar nicht so häufig, aber man kommt da praktisch nie vorbei, ohne dass kaputte LKWs irgendwo rumstehen. Und dann wird auch schon mal das Getriebe oder der Motorblock ausgebaut. Mitten auf der Straße und ohne Kran oder sowas. Die neue Umgehungsstraße ist auch schon fertig. Seit längerem sogar, zumindest sah sie im Januar oder Februar schon fertig aus. Allerdings hatte sie noch kein Mauthäuschen. Die Maut für einen PKW beträgt übrigens 300 FCFA (50 cent) pro Mauthäuschen und zwischen Sokodé und Lome gibt es zwei Häuschen, hoch in den Norden aktuelll noch eines, wenn ich mich recht erinnere. Das vierte wird gebaut. Macht dann so 2€ für 600km.

Wenn man von uns aus 70km fährt kommt man nach Kara. Dort soll es (laut Lonely Planet) eines der Top-Restaurants Togos geben. Die erwartete Freude blieb aus. Wir waren allerdings später nochmal da, da war es gut (also 1/2 auf der Schnitzelwertung – gute Schnitzel pro gegessene Schnitzel – bei uns in der Gegend also das beste Restaurant). Anschließend wurde die Landschaft dann auch gleich ein wenig interessanter:

Und noch ein Stück weiter fuhren wir dann durch einen Nationalpark. Mitgekriegt hat man davon nichts, erst am Ausgang stand ein Schild. Im Nationalpark wurde aber die Straße erneuert und die Umleitung war einfach eine Piste die durch den Wald geschlagen wurde.  Eine staubige Angelegenheit, aber überraschend gut zu fahren. Ne Straße mit Schlaglöchern (oder Speed-Bumps) ist viel schlimmer. Man ist praktisch genau so schnell unterwegs wie auf einer richtigen Straße.

Im Norden angekommen sind wir erstmal auf einen “Berg” gefahren:

Mit Aussicht:

Und wenn wir schonmal im Gebirge waren haben wir doch gleich mal die Möglichkeit genutzt den Allradantrieb auszuprobieren:

Wir hätten natürlich auch gut daran vorbei fahren können. Tatsächlich gebraucht haben wir ihn bisher nur einmal, und zwar in Lomé auf dem Parkplatz von der neuen In-Location am Strand (mit dem schönen Namen “Pure Plage”). Die Hauptstadt, in der fast alles zubetoniert ist, stellt also die höchsten Ansprüche ans Automobil. Und auch der Verkehr ist am interessantesten. Wenn man dort ein Auto mieten will um aufs Land zu fahren kriegt man allerdings nichts ohne Chaffeur und Allradantrieb. Bei den Wilden ists ja schließlich gefährlich. Aber gut, der echte Münchner fährt ja auch nicht ohne Allrad zum Skifahren. Sonst würde sich ja der Q5 nicht erklären lassen…

Übernachtet haben wir in Dapaong:

Dort gibt es ein Hotel, mit Restaurant, dass laut Reiseführer lecker Nachtisch machen soll. Aber nicht nur dass, auf der togoweiten Schnitzelskala hat es locker den Spitzenplatz eingenommen. Super, alle guten Restaurants die wir kennen sind 350km weg…

Den Koch kann man übrigens auch als Fremdenführer ausleihen, was durchaus Empfehlenswert ist. Die Details dazu gibts aber erst im nächsten Beitrag.

Rund um Dapaong sieht man dann kleine Dörfer:

mit Feldern. Und die Menschen scheinen viel fleißiger zu sein als im Süden. Die bebauten Felder waren größer und schöner. Das mag wohl daran liegen, dass das Klima härter ist und man die klimatisch günstigeren Jahreszeiten nutzen muss um für die harten Zeiten vorzusorgen. Was mich zu meiner Specktheorie führt. Vor einiger Zeit habe ich mir überlegt, warum es hier keinen Speck gibt. Von der ganz praktischen Seite abgesehen, es ist hier zu warm um Speck zu räuchern,  ist es auch einfach nicht notwendig. Man hört es hier nicht gern, aber gerade hier im Süden kann man das ganze Jahr über irgendwelche frischen Früchte und Gemüse ernten. Und auch mit dem erfrieren tut man sich hier schwer. Hunger und Kälte als Entwicklungsmotor sind hier also nicht vorgesehen. Das erklärt sicher nicht alles, aber zumindest, warum es hier keinen Speck gibt…

So, ich geh mal Baden. “I´m swimming in the rain…”

Erste Erfolge

Nach nur 6 Monaten in Togo konnten heute schon 3 Leute ein wenig deutsch mit mir reden. Gut, es waren nur Floskeln wie “Guten Appetit” oder “Dankeschön”, aber erste Erfolge sind sichtbar…

Hier in Lomé kann man ja in klimatisierten Restaurants essen und es ist wirklich anders als zu Hause: Das Essen wird kalt. Wenn ich zu Hause in unserer Sauna-Küche nen Topf Chilli koch und in unserem Sauna-Wohnzimmer auf den Esstisch stell dann ist das Chillie heiß. Wenn meine Frau dann ne halbe Stunde später von der Arbeit kommt ist es immer noch heiß. Wenn ich die Reste anschließend wieder in die Küche stell und meine Frau wieder arbeiten geht und wir das Zeug abends in den Kühlschrank packen wollen ist es immer noch warm. Vollkommen ungewohnt sowas!

Gestern sind wir ja nach Lomé gefahren und sowas hab ich noch nicht erlebt. Ich bin ja durchaus kein Gegner des zügigen Fahrens und auch mit einer kreativen Verkehrsregelauslegung bin ich durchaus “d´accord”, aber gestern wars schon sehr kreativ. Einer ist mir besonders negativ aufgefallen, weil er mich gleich zweimal bescheuert überholt hat (dazwischen hat er angehalten und jemanden aussteigen lassen) und trotzdem kaum schneller war als ich. Zunächst einmal als ich hinter einem LKW fuhr und diesen nicht überholen konnte, weil ein anderer LKW entgegen kam, da meinte er dann unbedingt noch schnell vor uns kommen zu müssen und das andere mal im Ortsseingangsbereich, da bin ich schon 80 gefahren und hab Mopeds überholt, es kamen Mopeds entgegen und er meinte trotzdem überholen zu müssen. Wobei er da nicht ganz so schnell vorbeikam, weil ich mich geweigert hab den togotypischen Seitenabstand beim überholen einzuhalten (also zwei Autos und zwei Mopeds passen nach hier üblichen Maßstäben nebeneinander auf die Straße). Durch die Ortschaft bin ich dann noch langsam gefahren, ansschließend ein bisschen Gas gegeben (nicht vergessen, alter Diesel-Geländewagen, so viel ist da nicht mit Gas geben…) und schon war er wieder direkt vor mir. In der nächsten Ortschaft hab ich ihn dann aber wieder ziehen lassen, aber nur 20km weiter konnte ich wieder rechts an ihm vorbei fahren als er auf der Linksabbiegerspur stand. Natürlich war es ein Toyota Hilux mit roten Kennzeichen. Das typische Fahrzeug ausländischer Firmen und Organisationen. Und das war gestern nicht der einzige. Sonst war das nie so extrem. Die Busfahrer vielleicht… Eine interessante Beobachtung, sonst spielt Zeit keine Rolle, aber im Straßenverkehr kann es nicht schnell genug gehen. Ganz egal ob Sinn macht oder nicht. Und wie gesagt, ich bin kein Gegner des schnellen Fahrens, aber ein paar Sachen müssen einfach nicht sein: Innerorts so schnell wie möglich fahren, Überholen bei Gegenverkehr, Fahrräder und Mopeds mit wenig Seitenabstand überholen, Fahrräder und Mopeds in den Straßengraben drängen (das ist hier gang und gäbe). Ich find man kann durchaus die anderen Verkehrsteilnehmer und sonstige Gegebenheiten ein wenig respektieren und ein wenig vorrausschauend fahren. Aber das scheint hier nicht so möglich zu sein. Beispielsweise abends das Licht anzumachen um gesehen zu werden ist vollkommen unbekannt. Man macht es halt an wenn man nichts mehr sieht, und wenn das Rückicht kaputt ist ist es egal, weil nach hinten muss man ja ehh nicht so viel gucken… Es ist einfach eine komplett andere Welt. Auf den ersten Blick anders und wenn man weiter schaut noch viel mehr…

Erholung

Wir sind in Lomé!! Nie hätte ich gedacht, dass ich das mal so befreiend finden könnte. Das letzte Mal, als wir in Lomé waren, haben wir unseren Besuch zum Flughafen gebracht. Das war Anfang April. Und da haben wir unser Auto endlich bekommen -eine Ewigkeit scheint das her zu sein. Seitdem hatten wir die Arbeitstreffen nur noch in anderen Teilen des Landes und folglich keine Möglichkeit mehr die 360km in die Hauptstadt zu kommen.

Relativ spontan wurde ich aber zu einem Termin in Lomé für Montag und Dienstag beordert und da das OHNE meine Kollegin sein sollte, hatten wir auch die Freiheit, mit unserem Privatauto und ohne Chauffeur schon am Samstag anzureisen. Der Chauffeur hat mich heute schon zum 2.Mal angerufen, wie beleidigt er ist, dass wir nicht mit ihm gefahren sind (er wäre wohl auch sehr gerne mal wieder in die Großstadt). Aber hilft nix, Junge, diesmal wollten wir einfach mal wieder UNSER Ding machen können.

Die letzten 2 Monate waren extrem anstrengend. So ganz abgesondert in der relativ einfachen Welt Sokodés. Nicht nur merkte ich, wie meine interkulturelle Sensibilität immer mehr an den ständig anderen Verhaltens- und Vorgehensweisen meiner Kollegen litt (ich bin ja die einzige Deutsche im Sokodoer Team und irgendwann könnte man schon innerlich mal platzen, wenn die eigene Art zu arbeiten immer geduldig zurückstecken muss, oder ansonsten alles in einer riesen Diskussion endet); auch zu Hause fiel mir immer mehr die Decke auf den Kopf. Nein, nicht mein Mann… aber so gemütlich ist unser Haus jetzt auch wieder nicht, dass es eine Oase der Heimat wäre -schon allein weil da immer die Wächter rumhocken oder man ständig beobachtet wird und dann natürlich immer freundlich grüßen muss. Ach, die Leute sind schon echt nett….aber eben sehr anders.

Also, Lomé. Wir sind natürlich wieder ins Seemannsheim. Das Vertraute in der Fremde! Dort kennen uns die Mitarbeiter schon und haben uns alle fröhlich begrüßt: wir seien schon lang nicht mehr hier gewesen. Oh ja!! Samstag Abend angekommen und erstmal in einem super feinen chinesischen Restaurant essen gegangen. Die Preise sind eigentlich nicht anders als in Deutschland, aber für hiesige Verhältnisse astronomisch. Dafür springen hier dann gleich 4 Bedienungen auf einmal um einen rum. Aber die schienen die Zielgruppe des Restaurants gewohnt zu sein und es tat richtig gut, sich nicht immer rechtfertigen zu müssen oder verständnislos angeschaut zu werden, wenn man für ein Gericht auch mal umgerechnet 10 Euro ausgibt (meine Kollegen essen ja Gerichte für maximal 1Euro). Wir haben reingehauen, sogar mit Vorspeise (super leckere gedämpfte Frühlingsrollen).

Sonntag morgen erstmal ausgeschlafen, nach einer super erholsamen Nacht, weil großes Bett und MIT KLIMAANLAGE, dann Frühstück mit Käsekuchen und danach in den Pool. Dann wieder chillen… es fühlte sich an, als würde die Anspannung von Jahren abfallen. Auch die Leute in Lomé sind anders. Irgendwie entwickelter, moderner. Das merkt man schon allein an der Kleidung. Die ganzen Kleider mit Kopftuch in farbefrohen Stoffen sind ja wirklich toll, aber es ist auch einfach mal erholend, wenn man Frauen in Jeans und knappen T-Shirts sieht. Davon gibt es in Lomé bedeutend mehr. Übrigens hab ich auch gleich mal meine Wäsche waschen lassen. In Sokodé müssen wir das ja per Hand machen, oder, jetzt wo Dora wieder da ist, macht sie das. Allerdings gebe ich meine Blusen und feineren Sachen lieber nicht in die wohlmeinenden Hände, die dann natürlich höchst engagiert und sehr mühevoll die Wäsche lupenrein rubbeln wollen. Da warte ich lieber, bis wir ins Seemannsheim kommen und zahle dann halt ca. 6 Euro. Da weiß ich zumindest, dass die Waschmaschine niegel nagel neu ist.

Und dann sind wir noch an den Strand gefahren. Da hat eine neue Strandbar/bewachte Badezone aufgemacht. Die ist echt cool. So ein bisschen loungig und wirklich stilvoll hergerichtet. Musik lief und es war echt was los. Und zwar nicht nur “Jovos” (Weiße) und Libanesen und Chinesen, sondern auch die scheinbar Togoer obere Mittelklasse und die, die in ihrer Freizeit auch was anderes machen als zu Beerdigungen oder Hochzeiten gehen oder Hirsebier trinken. Vom Strand sind wir jetzt grad zurück, nachher gehen wir noch in das bayerische Restaurant Schnitzel essen ;) . Dann kann es von mir aus auch wieder weitergehen mit Abenteuer und fremder Kultur.

Hier noch ein paar Fotos vom Strand (leider nur mit meiner Kack Handy Kamera)

Über den Wolken

oder besser auf den Dächern von Sokodé. Es ist ja gerade wieder sehr heiß. Weiß nicht, die hatten ja alle davon geredet, dass es nur im März/ April so heiß ist und dann mit der Regenzeit die Abkühlung kommt. Im März/ April war es dann zwar auch heiß, aber zwischendrin gab es immer mal wieder erfrischende Gewitter… und jetzt ist es dafür immer noch oder schon wieder unerträglich heiß … man kann sich echt auf nichts verlassen hier.

Die Hitze versetzt einen in einen stoischen und relativ bewegungsarmen Zustand. Mein Mann rennt sowieso nur noch in Unterwäsche rum -wehe, wenn mal jemand an der Tür klingelt (die Klingel ist aber sowieso neuerdings kaputt). Schwierig wirds dann besonders abends, wenn man zu Bett  gehen möchte. Dank brilliant aus Beton gegossenem Flachdach (wenn es regnet, leckt es an mindestens 2 Stellen), staut sich die Hitze im Haus so richtig schön auf und man läuft förmlich gegen eine Wand, egal an welcher Öffnung man das Haus betritt. An Schlafen ist bei über 30 Grad nicht zu denken. Da wälzt man sich nur im Bett rum und steht morgens verzweifelt und unerholt auf.

Glücklicherweise hatte unser Besuch ein Mosquitozelt mitgebracht. Damit können wir auf dem Dach schlafen. Das ist eine Etage höher als der Hitzestau und draußen kühlt zumindest nachts die Luft dann doch (irgendwann gegen 2Uhr morgens) spürbar ab. WIr hatten -als wir das Zelt noch nicht besaßen- es auch schon öfter probiert, draußen zu schlafen, aber die Mücken kommen doch auch bis dort oben und so ganz ohne Schutz den potentiellen Malariaträgern ausgesetzt sein, lässt einen dann auch nicht so entspannt ruhen. Also sind wir dankbar für das Zelt -selbst wenn die Größe meines Mannes ihn regelmäßig zu immer neuen und kreativeren Schlafpositionen zwingt …tja, was macht man, wenn man nur die Wahl hat zwischen unerträglich heiß, Gefahr auf Malaria oder klein zusammengerollt und eng mit der Frau kuscheln … dann lieber gar nicht schlafen?!?! Scherz -hoffentlich :)

Auf den Bildern war die Frau dann aber schon aufgestanden:

Er stößt übrigens oben und unten mit den Füßen an der Zeltwand an. Und ja, Mücken können auch durch zentimeterdicke Hornhaut stechen. Das juckt dann besonders fies. Übrigens, nach alledem hatten wir tatsächlich noch KEINE Malaria -irgendwas scheinen wir ja doch richtig zu machen. Oder wir haben einfach Glück -nicht so wie unser Besuch.

Hier nochmal das Panorama:

Französischunterricht

Heute sind wir im französischen Deutschbuch meines schwarzen Französischlehrers über den “Mohrenkopf” gestolpert. Kurz darauf wurde aus dem togoischen Französischbuch an mich die Frage gerichtet, zu welcher Jahreszeit wir die Felder roden…
Ansonsten habe ich heute die grammatischen Grundlagen gelernt um vollkommen korrekt: “Geh Abendessen machen!” zu sagen. Muss ich gleich mal ausprobieren wenn meine Frau heimkommt.

Superstar

Eines unschuldigen Samstagnachmittages wurden wir, unter Vortäuschung falscher Tatsachen – wir erwarteten ein Gospelkonzert – zu einem höchst abenteuerlichen Abend verführt. Als wir, nur wenig verspätet, am Ort des versprochenen Geschehens ankamen war natürlich noch nichts los. Wer kommt auch schon nur eine halbe Stunde zu spät schon um 19:30. Ein paar neugierige Zuschauer lungerten herum und ich hab zum ersten mal in meinem Leben ein verstimmtes Keyboard gehört. Ich dachte bisher immer das sei ziemlich unmöglich. Und ich hab da nicht so empfindliche Ohren. Vielleicht hatte aber auch nur die Gitarre meine Gehör durcheinandergebracht, deren Stimmung ließ auf eine gewaltige Offenheit gegenüber Disharmonien beim Gittarristen schließen. Dazu hat haben noch ein anstrengender und ein weniger anstrengender Sänger abwechselnd gesungen. Nachdem wir das vielleicht ne knappe Stunde angehört hatten wurden alle Zuschauer des Platzes verwiesen, damit sie nochmal neu reinkommen konnten um dabei Eintritt zu bezahlen (rund 25 cent). Uns wurde aber von einer Teilnehmerin bedeutet sitzen zu bleiben. So saßen wir einsam und verlassen in den Rängen und derjenige der alle raus geschmissen hat hat uns hartnäckig ignoriert. Die sind weiß, da sag ich nichts. Das wird schon passen. Im laufe der Zeit hatten wir mitbekommen, dass das gar kein Gospelkonzert war, es war eher eine Art: “Sokode sucht den Gospel-Superstar” oder “The Voice of Germany-  Church-Edition”. Irgendwann hatten alle bezahlt und waren wieder drin. Früh kommen ist übrigens wichtig gewesen, nicht nur für die besten Plätze, sondern auch um einen intakten Stuhl zu bekommen. Nachdem alle wieder drin waren hat die Band mit dem anstrengenden und dem weniger anstrengenden Sänger noch ein wenig weitergespielt während im Vordergrund der Beamer in Betrieb genommen wurde. Ich hab ja nicht mehr dran geglaubt, aber nach nur 40 Minuten lief das Ding dann tatsächlich (war aber dann im weitren Verlauf des Abends vollkommen irrelevant). Im Fernsehen wären wir jetzt schon bei  der durchlaufenden Schrift: “Die Nachfolgende Sendung verzögert sich leider um einige Stunden, möglicherweise auch Tage” angekommen. Ein guter Zeitpunkt anzufangen. Mein alter Kumpel, der Präfekt, war nämlich auch gerade angekommen. Anfangen tut man am besten mit einer kleinen Begrüßung, die dann direkt in die Predigt am Anfang übergeleitet hat. Und direkt im Anschluss ist es dann mit der ersten Teilnehmerin losgegangen. Wow hab ich mir Gedacht, krasse Stimme. Ein bisschen Angst hatte ich schon. Davor, dass meine Brillengläser zerspringen. Die Ultraschallnavigation der anwesenden Fledermäuse war sicherlich auch gestört. Die Lautsprecher waren natürlich auch für derartige Darbietungen optimiert, zu den vier Tieftönern auf jeder Seite gesellten sich 5 Hochtonhörner. Subwoofer waren nicht vorgesehen. Gegen Ende des Liedes waren entweder die Hälfte der Hochtöner explodiert oder die entsprechenden Rezeptoren meiner Ohren. Es wurde erträglicher. Und dann war das erste Lied geschafft. Nur noch 17. Aber zunächst mal eine Kindertanzgruppe. Der zweite kam im Rollstuhl auf die Bühne gerollt und war schon viel besser. Vielleicht sogar richtig gut. Das Puplikum honoriert sowas mit Geldgeschenken für den Sänger. Scheine kann man ins Hemd stecken oder mit Spucke auf die Stirn kleben,  Münzen lassen sich wunderbar werfen. Das hatte schon ein bisschen was von Steinigung (Die Mädchenschwärme mit ihrer weniger finanzstarken Fanschaft wurden stattdessen mit Bonbons beworfen). Anschließend kam direkt gleich die nächste Sängerin. Auch diese machte einen ganz guten Eindruck. War allerdings noch ein wenig klein und hatte Schuhe geliehen die ein wenig groß waren. So konnte sie nur über die Bühne stapfen als hätte sie Gummistiefel an. War ehh interessant anzuschauen wie häufig manche Schuhe und Kopfverzierungshauben auf der Bühne erschienen. Nach ein paar Beiträgen kam dann mal wieder eine professionelle Unterbrechung in Form einer nicht teilnehmenden Sängerin. Nachdem die ersten Takte gespielt waren wurde ein wenig umdisponiert. Wir machen das Playback! Also kleine Pause bis die passende Kasette oder der entsprechende Player gefunden war und dann nochmal von vorne. So konnte die Band auch mal Pause machen. Anschließend ging es weiter, ich erinnere mich nicht mehr an so viel. Und irgendwann waren die 17 durch. Einer war nicht aufgetaucht. Danach lief noch ein langweiliges Video mit Interviews ohne Ton auf dem Beamer und die Jury hat sich zu umfangreichen Beratungen zurückgezogen. Die Beratungen zum Vertrag der die Deutsch-Togoische Freundschaft vor 130 Jahren besiegelt hat waren sicherlich ähnlich lang. Der Präfekt hat die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkannt und musste gehen. Er wurde von der Bühne aus verabschiedet, anschließend hat er den Leuten die neben ihm saßen die Hand geschüttelt und ist los marschiert. Hat sich nochmal umgedreht um zu winken und dabei hat er uns erspäht. Also ist er nochmal zurück marschiert um uns noch die Hand zu schütteln, der alte Kumpel… Als der Präfekt weg war waren dann wohl nicht mehr genügend wichtige Leute da um die Teilnahmeurkunden zu verteilen und irgendwie kamen die Verantwortlichen dann auf die Idee, dass wir da doch unterstützend helfen könnten. Ich hab mich erfolgreich weigern können, meine Frau ist einfach zu freundlich. Und so mussten wir dann dableiben, bis die Beratungen abgeschlossen waren. Das hat gedauert. Und noch ein wenig gedauert. Und das Publikum wurde unruhig. Und dann hat es noch ein wenig gedauert. Und dann war es endlich so weit und die Künstler wurden auf die Bühne gerufen. Hat auch ein wenig gedauert, die Hälfte hat sicherlich schon geschlafen. Anschließend wurden die Teilnehmerurkunden verteilt und danach kam das Highlight. Die Kürung der Sieger. Zunächst der fünfte Platz. Dann der vierte. Da wurde derjenige aufgerufen der gar nicht gesungen hatte und auch nicht da war. Das Publikum hatte das mitgekriegt, die Jury nicht so. Gabs halt nen anderen Vierten. Ist ja kein Problem sowas. Die dritte war diejenige die die beste Performance gezeigt hat und auch ne schöne Stimme hatte. Allerdings hatte sie leichte Probleme damit die Töne zu treffen. Zweiter wurde der Rollstuhlfahrer und erste die Dicke. Das ist hier nicht beleidigend, das sagt man hier so wie man bei uns “die Schwarzhaarige” sagt. Und wörtlich übersetzt sagt man hier auch nicht die Dicke sondern die Fette. Mich hatte die ja nicht so überzeugt, aber das ist bei so Wettbewerben in Deutschland (nicht dass ich sowas schauen würde) meist nicht anders… Und dann war es vorbei und 2 Minuten später alle weg. Um halb nach Mitternacht konnten wir endlich heimgehen.

 

Rezept des Tages

Wie alle meine Rezepte ist auch dieses schnell und einfach umzusetzen und macht einfach schön.

Man nehme ein Schüsselchen und fülle ein “wenig” Vanilleeis hinein. Dieses garniere man mit ein paar Scheiben Banane. Ein wenig Nutella obendrauf sorgt für ein ausgewogeneres Geschmackserlebnis. Abgerundet wird das ganze mit etwas Zimtzucker.

Guten Appetit!

Schwein gehabt

Für den kommenden Sonntag haben wir Gäste zum Essen eingeladen. Das ist schön, aber gar nicht so einfach zu bewerkstelligen. Kann man hier ja nicht einfach in den Supermarkt gehen und Zutaten kaufen. Besonders den Fleischverbrauch haben wir ja enorm gedrosselt, einfach weil das mit dem Fleisch hier immer mit einem äußerst großen Umstand verbunden ist und es meinem Mann sowieso nicht so schmeckt “wie zu Hause”. Allerdings gehört hier Fleisch zur guten Gastfreundschaft und wer es sich leisten kann, überschüttet seine Eingeladenen mit Tier (Beispiel http://dorotopherus.de/?p=161).

Also, mit dem Fleisch ist das so eine Sache. Entweder man kauft das auf dem Markt (wir nicht …Bilder gibt’s vielleicht mal wann anders) oder man kauft es bei einem Metzger. Das hat den Vorteil, dass man auf Empfehlungen vertrauenswürdiger Bekannter zurückgreifen kann. So haben wir schon 2 mal bei einem Rindermetzger gekauft, der ganz passable Qualität bietet und auch das örtliche Hotel beliefert. Man ruft da morgens an und fragt, ob er heut geschlachtet hat. Dann nennt man die Teile des Tieres, die man gerne möchte und schon hier entscheide ich mich oft, einfach mal wieder vegetarisch zu kochen -weil ich die Teile gar nicht kenne und mir schon gar nicht auf Französisch merken kann). Hat man diese Hürde überwunden, bringt der Metzger einem die gewünschten Teile an die Haustür. Beim letzten Mal hat der Lehrling die Teile doch tatsächlich erst mal an die Haustür der Amerikaner gebracht… die wohnen zwar ganz woanders, sind aber zumindest auch weiß ;)  Einmal im Haus, kommt das Fleisch erst mal in einem Sieb und mit Öl begossen und abgedeckt 3-4 Tage in den Kühlschrank. Beim letzten Mal hab ich 4kg Fleisch bestellt. Mein Mann hat ganz schön geschimpft, als er dafür Platz im Kühlschrank finden musste ;) Vor allem, dann läuft der Fleischsaft aus oder der Deckel geht nicht mehr drauf… na jedenfalls ist es immer auch eine ziemliche Sauerei. Hackfleisch machen wir mühevoll mit einem Handfleischwolf, bei dem ein Teil fehlt und es deswegen besonders schwer geht und spritzt oder aber man muss das Fleisch mehrere Stunden kochen, um es genießbar weich zu kriegen (Das hab ich von Oma gelernt und muss jetzt jedesmal beim Fleisch kochen an sie denken- es klappt hervorragend). Kurz, man verbringt tatsächlich 3-4 Tage, bzw. dann noch mal 2-3 Stunden damit, dass Tier verarbeitungsbreit zu kriegen. Dann je nach Teil noch mal ne halbe bis 6 Stunden, um es servierfertig zu bekommen.

Aber, wenn man nicht ganz so feine Geschmacksnerven hat wie mein Mann, kann man zumindest ab dem Stadium, wie es im Bild gezeigt ist, zu frohlocken beginnen. Das sind 2 kg Filet vom Rind. Ein Rind, das wahrscheinlich glücklich durch die Felder um Sokodé herum gegrast und begleitet von jungen Hirten im Einklang mit Mensch und Natur gelebt hat. So wie übrigens die meisten Tiere hier. Und jetzt kommt’s: 2kg frisches  glückliches Rind-s-Filet für umgerechnet 8 Euro. Ich finde das ja schon toll und in Deutschland würde man für ein Kilo bis zu 4 mal so viel zahlen. Mein Mann möchte allerdings an dieser Stelle zitiert werden:

“In Deutschland ist das dafür aber ordentlich abgehangen, tierärztlich untersucht, kommt von ner wohlschmeckenden Rinderrasse und nicht irgendeinem 100 Jahre alten ‘Bock’. Außerdem ist der Metzger ordentlich ausgebildet, anständig bezahlt und sozial versichert”… diese Feststellung hat er übrigens in einem Atemzug und ohne nachzudenken ausgesprochen.

Na egal… also, es kommen Gäste, und da brauchen wir halt doch irgendwie Fleisch. Wunderbarerweise ist Dora wieder da. Dora hilft uns im Haushalt und weil ihr Mann relativ krank ist, konnte sie in letzter Zeit nicht mehr kommen. Dann tauchte sie wieder auf und wollte gleich jeden Tag der Woche bei uns arbeiten -boah, so viel Arbeit haben wir gar nicht im Haushalt, aber sie scheint das Geld wirklich für die Behandlung ihres Mannes zu brauchen (der muss in den Kernspind und das kostet die Familie umgerechnet ca. 770 Euro -ein unglaublich hoher Betrag, wenn man bedenkt, dass 90cent schon ein relativ guter Stundenlohn sind). Also schickte ich sie zum Markt, die Zutaten für das Gäste-Essen einzukaufen, unter anderem auch Schweinefleisch (weil man das nicht so lange kochen muss). Noch als ich in der Arbeit war, erzählte mir mein Mann, dass sie mit Schweinehaut zurückgekommen war… oh la la… ich hatte sie gebeten, Fleisch ohne Knochen zu kaufen. Natürlich hatte sie bestimmt Hemmungen, das teuerste Stück zu nehmen und in meiner Fantasie türmten sich schon Eingeweide und andere Teile ohne Knochen auf. Zuhause überwog aber dann doch die Erleichterung. Die Schweinehaut ist nur der geringere Teil. Und der Wächter hat sich sehr gefreut, als wir sie ihm geschenkt haben. Das restliche Fleisch kann man irgendwie zurechtschneiden.

Schwein gehabt :)

Alltag

Keine großen Erlebnisse, nur kleine Alltagserzählungen: nach dem Mopedunfall ist alles soweit wieder in Ordnung. Gestern war ich dann doch mal im Krankenhaus, zum Anschauen lassen. Die Beine sind schon etwas blau und aufgeschrammt, aber mit Bepanten und Geduld geht das schon wieder weg. So ne Halskrause hab ich bekommen. Na, aber viel spannender war das Blut abnehmen. Mal wieder. Schon beim letzten Mal war da eine junge Krankenschwester, die die Sache -sagen wir- relativ entspannt anging. Schon beim Abbinden fragte ich mich, ob das wohl was werden würde. Es war so schlaff geschnürt, dass ich gar nicht erst eine meiner sowieso schon recht schwer aufspürbaren Venen hervortreten sah. Beim letzten Mal stach sie mich doch tatsächlich 3 mal neu, weil sie nie traf und bohrte mit der ca. 4cm versenkten Nadel in meiner Armbeuge rum. Als ich sie diesmal wieder im Labor vorfand, nahm ich mir fest vor, all mein Wissen, wie man am besten Blut aus meinem Körper bekommt, mitzuteilen. Als wieder keine Vene zu finden war, schlug die Kollegin vor, doch am Handgelenk oder am Handrücken anzuzapfen. Ich protestierte mutig. Keine Ahnung, vielleicht hatte die Dame ja recht, dass man praktisch überall Blut holen kann, aber diese Erfahrung wollte ich eigentlich nicht machen. Also bat ich sie, doch bitte wieder am Oberarm abzubinden und diesmal wesentlich fester zu zurren…. Long story short: Sie stach beherzt drauf zu, ich freute mich unglaublich, als ich Blut erblickte und dann sagte sie zu mir: “ich hab einfach drauf los gestochen, ohne zu zielen. Und du hast gebetet” -hatte ich zwar nicht, aber jetzt weiß ich, dass ich das bestimmt beim nächsten Mal tun werde. Übrigens, die junge Dame ist so nett und lustig und eben entspannt, eigentlich kann man sie einfach nur gern haben. Und obwohl ich mir wünschte, sie  wäre nicht diejenige, die beim nächsten Mal wahrscheinlich wieder Blut abnimmt, kann ich es ihr auch irgendwie nicht übel nehmen. Was macht man jetzt da? Der Ärztin dezent einen Hinweis geben, dass sie für ihr Personal eventuell nochmal eine Fortbildung in Umgang mit Spritzen geben könnte?

Unser Moped ist leider noch nicht wieder ganz fahrtauglich, wobei es weniger der eingedrückte Tank als eher der verbogene Lenker ist, der es noch in der Garage hält.

Und ja… natürlich hatte ich einen Helm auf -ist ja hier bei Weitem nicht selbstverständlich.

Apropos Kopf: Ich habe heute das erste Mal in meinem Leben Haare geschnitten. Also stimmt nicht ganz. Meiner Mitbewohnerin habe ich mal versucht, die Spitzen ihrer langen Haare zu schneiden. Die waren am Ende nicht nur links 3cm länger als rechts, sondern hatten auch noch deutlich sichtbare Abstufungen, jeweils dort, wo ich die Schere angesetzt hatte. Mit diesem Erlebnis im Hinterkopf, hatte ich immer die Frauen bewundert, die ihren Männern oder Brüdern die Haare schneiden und hatte folglich meinen Mann zum Friseur geschickt. Jetzt ging das aber nicht, denn die Frisöre hier können entweder nur Kunsthaar zu kreativen Zöpfen und Getürmen in kurzes Krausehaar flechten, oder aber den Kopf kahl rasieren. Und bevor mein Mann letztere Option in die Tat umsetzte (wie er es -hoffentlich nur zum Spaß- schon mehrmals in Erwägung gezogen hatte), musste ich mich also dieser Herausforderung stellen.

Mit dem Ergebnis kann er tatsächlich rumlaufen, allerdings wird ein heimischer Friseur recht schnell diverse Löcher und unterschiedlich lange Haarstränge entdecken.

Und noch eine letzte Neuigkeit aus unserem Alltag -die schon gar nicht mehr so neu ist: Wir haben eine der Außenstellen der Togoer Brauerei in Sokodé gefunden. Somit müssen wir nicht mehr sämtliche Getränke in Dosen oder Plastikflasche kaufen, sondern sind ein darüber mit Freude erfüllter Teil eines Pfandflaschensystems geworden (nicht nur, dass das bedeutend weniger Müll darstellt, sondern ich bevorzuge ja immer noch Glas dem Plastik, weil man nie weiß, wie gut die ganzen Weichmacher überhaupt für die Gesundheit sind). Doch das Allertollste: da gibt es auch Mineralwasser mit Kohlensäure!!! Ist zwar verhältnismäßig teuer, weil es wie Cola und Bier gehandelt wird, aber es geht doch nichts über ein spritzig perlendes Wasser an einem heißen Sommertag :)