Archiv für den Monat: März 2014

Frauenarbeit

Am 8. März ist ja der internationale Frauentag. Jetzt wird der in Togo nicht so groß gefeiert, wie z.B. in Kamerun (da gleicht der Tag einem großen Feiertag und alle gehen auf die Straße, um den Frauengruppenparaden zuzuschauen, alle Frauen tragen Kleider in ein und demselben ”Frauentags”-Stoff und die Restaurants verbuchen Rekordeinnahmen, weil die Frauen an diesem Tag ihrer traditionelle Rolle -dem Kochen- nicht nachkommen) oder in Italien (wo ich am 8.März mal zufälligerweise in Florenz war und zu meiner großen Überraschung mit einem freudigen “Heute am Frauentag haben Frauen zu ALLEN Museen in Florenz kostenlosen Eintritt” begrüßt wurde -zusammen mit einer sehr guten Freundin wurde das ein sehr langer Tag :)  ) … naja, also Frauentag in Togo. Obwohl es da keine Paraden oder freien Eintritte gibt, haben wir nette Glückwunschs Emails  von Kollegen bekommen. ”Mein” Unternehmen arbeitet in Togo ja zu 3 Programmschwerpunkten: 1. Berufliche Bildung und Jugendbeschäftigung (Da bin ich), 2. Landwirtschaftliche Produktion und 3. Gute Regierungsführung und Stärkung der Zivilgesellschaft. Die Kollegen vom letzteren Programm hatten sich was ganz Besonderes ausgedacht und den internationalen Frauentag gleich mal zum FrauenMONAT ernannt. Also fanden Veranstaltungen zum Thema Frauenrechte, Stärkung der Kompetenzen von Frauen, Engagement von Frauen in der Zivilgesellschaft usw. statt. Ich hatte wohl mal wieder in der wöchentlichen Büroaustauschrunde nur die Hälfte verstanden und so saß ich eines Morgens -wie gewohnt- nichtsahnend an meinem Schreibtisch,

(extrem geiler Schreibtischstuhl, übrigens)

als plötzlich meine Kollegen (die von dem Zivilgesellschaftsprogramm) reinkamen und meiner Kollegin und mir T-Shirts brachten. Ob wir denn bei ihrer Frauenparade mitlaufen wollten. Meine Kollegin und ich sind nämlich bei uns im Büro die einzigen Frauen. Und eine Parade organisieren, die für die aktive Teilnahme von Frauen am gesellschafts-politischen Leben werben soll, und dann als Veranstalter keine Frau in die Parade schicken können -ist halt irgendwie auch unrepräsentativ. Also, unsere Jugendbeschäftigungsarbeit auf die Seite gelegt und in die aktive Frauenrolle geschlüpft.

Am Treffpunkt angekommen, war die zivilgesellschaftlich aktive Frauengruppe schon adrett einheitlich in dieselben Billig-T-Shirts gekleidet, wie wir und wartete nur darauf, endlich los paradieren zu können.

Nachdem noch einige überambitionierte Ideen über die Route und zurückzulegende Länge des Laufs ausgeredet worden waren, begann die Blasmusik den Aufbruch einzuläuten und die Parade setzte sich fröhlich schwatzend, tanzend und dann singend in Bewegung.

Hier die würdevoll und pflichtbewusst spielende musikalische Begleitung (übrigens, alles Männer)

Naja, wir sind in Afrika. Die haben natürlich schon ordentlich mit flotten Rhythmen eingeheizt (sofern man bei der Hitze überhaupt von einheizen reden kann).

(Im Vordergrund das ist übrigens der hier übliche Rollstuhl für Menschen mit Gehbehinderung -und es gibt hier sehr viele Menschen mit Geh- oder anderen Behinderungen, vor allem als Folge von Polio/Kinderlähmung )

So ein Spektakel zog natürlich große Aufmerksamkeit auf sich, besonders bei den Marktfrauen:

  

das ist eine Tankstelle (gibt aber auch andere):

Mann muss dazu sagen, dass hier in Togo ja die Rollen (noch?) sehr traditionell verteilt sind. Das heißt, Frauen sind für Kinder und Haushalt zuständig und haben den Markt und alles Marktgeschehen in fester Hand. Wenn sie Berufe gelernt haben, dann sind sie entweder Schneiderinnen oder Frisörinnen (nach einer Querschnittsstudie haben 87% in 2012 den Handwerksabschluss “CFA” in einem dieser beiden Berufe gemacht), oder die Damen sind fliegende Händlerinnen, die von einem Tag auf den anderen Obst verkaufen oder selbstgemachtes Hirsebier oder Seife. Insgesamt kann man die Situation der Frauen hier nicht wirklich mit derer bei uns in Deutschland vergleichen. Sie wirken nicht benachteiligt, aber dadurch dass sich ihre Verantwortlichkeit traditionell halt eher auf das Familieninterne bezieht, sind sie in öffentlichen Verantwortungsbereichen, höherer Bildung oder Politik so gut wie gar nicht vertreten. Darum also die Parade und die Ermutigung an die Frauen, sich innerhalb ihrer Kommune aktiv zu engagieren. So hatten auch die oben bereits genannten T-Shirts auf dem Rücken Aufdrucke wie: “Frauen und Männer für die Entwicklung meiner Kommune”, “Stolz, ein aktiver und partizipativer Staatsbürger zu sein”, “Meine Steuern tragen zur Entwicklung meiner Kommune bei”.

Und deshalb hatten die Damen auch die Möglichkeit, bei der Abschlussveranstaltung, einem Marathon von Reden diverser Zivilgesellschaftlicher Repräsentanten, ihre Forderungen an den Präfekten zu richten: Eine Modernisierung des Marktes, mit Verkaufstischen für alle Frauen, damit nicht -wie bisher- ein Großteil der Marktfrauen die Ware auf dem staubigen Boden anbieten muss, Schatten für alle Marktstände und eventuell sogar Elektrizität (Ventilatoren, seufzte da eine aus dem Publikum). Außerdem noch eine Lösung des Müllproblems in den Stadtvierteln mit Müllsammeln und Abholung. Paradoxerweise fiel mir auf, dass natürlich auch bei dieser Menschenansammlung wieder sofort fliegende Händlerinnen vor Ort waren und Erfrischung und Getränke in diesen hier überall verbreiteten Plastiktüten verkauften und dass die konsumierenden Damen ihren Müll einfach nur auf den Boden schmissen. Ich sah mich vergeblich nach einem Mülleimer um, überlegte mehrmals, aber behielt am Ende doch das Plastik in der Hand. Dann sprach ich einen der Kollegen an, die das Ganze ja veranstalteten, und meinte, dass es ja gar keine Müllgefäße gäbe. Einige Zeit später hatte doch tatsächlich jemand eine richtige Mülltonne aufgetrieben (die erste, die ich übrigens in Togo gesehen habe) und schob sie hinter die Menschenmenge. Keine Ahnung, ob da später überhaupt irgendjemand was reingeworfen hat, ich musste nur schmunzeln, wie scheinbar kein Zusammenhang zwischen Müllproblem im Stadtviertel und ich-schmeiße-meinen-Müll-nicht-auf-den-Boden bestand. Noch mehr musste ich schmunzeln, als der Präfekt mit wichtiger Stimme in seiner Rede die motivierten Zuhörer aufforderte, “das, was die Deutschen sagen ganz genau beim Wort zu nehmen und zu befolgen”, dann würden ihre (also die Togoer) Städte in 3-5 Jahren komplett anders aussehen. Ja, die Deutschen seien wieder da in Togo (die deutsch-togoische Zusammenarbeit wurde 2012 wieder offiziell aufgenommen) und schon seit je her, seien die Deutschen die “Patrone” der Togoer (die deutschen Kolonialherren sind den Togoern ganz erfreulich in Erinnerung geblieben, die Franzosen dagegen sind die, die dem Land geschadet haben). Und ja, also, “die Deutschen, das wissen wir, können richtig hart arbeiten und wenn wir sie ganz genau beobachten und ihnen ganz aufmerksam folgen, dann wird sich unser Land in den nächsten Jahren sehr gut entwickeln”. Lustigerweise war ich auf der Veranstaltung die einzige Deutsche und sowieso nur durch Zufall als Quotenfrau erschienen. Die “Deutschen”, die der Herr Redner so preisend ansprach, hatten in Sokodé sowieso nur nationales Personal angestellt. Die hatten dafür mit dieser ganzen Parade gute Arbeit geleistet. Naja, befremdlich irgendwie und einmal mehr schüttelte ich den Kopf in Unverständnis gegenüber einer Kultur, die scheinbar höchst motiviert ”folgen” will, aber dann nicht “Müll-auf-dem-Boden” mit “keinen-Müll-auf-den-Boden-Schmeißen” in Verbindung zu bringen scheint. Naja… ich muss noch viel lernen. Zu Hause hatte mein Mann dann ein Sofa gebaut :) Auch sowas, was die hier scheinbar schwer verstehen: wie man sich aus Holz, Schaumstoff und Matratze ein Sofa bauen will. Hier gibt es nur das von allen Schreinern gleich gefertigte Sitzecken-Modell oder teure chinesische Billigcouchen. Alles, was irgendwie von dieser Norm abweicht wird mit großen Augen als Absurdum bewundert. Egal… ich find unser Sofa toll. Nur bequem ist es noch nicht so wirklich. Aber da fällt meinem Mann bestimmt noch was ein.

Togoisches Kochrezept: Ferkel

Man nehme ein Ferkel, tot und ausgenommen. Anschließend schneide man den Kopf ab. So ähnlich wie bei dem schönen Katzenrezept: Kopf ab, Schwanz ab, Haas. Nur das man den Schwanz dran lassen kann. Das Ferkel ohne Innereien, ohne Kopf aber mit Haut wird in der Mitte durchgeschnitten. Quer, nicht wie bei uns üblich längs. Also zwischen vorne und hinten. Da man nun zwei handliche Teile hat kann man die einfach direkt in die Friteuse* stecken und fertig. Beilagen sind nicht notwendig. Dafür gibts ja dann die anderen Gänge…

*Eventuell wurde es vor dem fritieren auch noch gekocht.

Lustiges und Erstaunliches auf den Straßen

Laura ist zwar nun schon wieder fort, aber ihr ist es zu verdanken, dass vieles, was für uns schon zum normalen Straßenbild ganz selbstverständlich dazugehört, fotografisch festgehalten wurde. Voilà:

und dann -später- in Aktion (man beachte, mit welcher Behutsamkeit das Abschleppseil angebracht wurde):

 

und noch von der Handycam an einem anderen Tag:

Kleine temporäre Behinderung auf der Hauptverkehrsader in Sokodé

 

“Das Leben fickt mich jeden Tag” und “Haustier” der Schneiderin (dessen einziger Lebenszweck nur drin besteht, irgendwann im Kochtopf  zu landen)

 

Die neue Küche ist da!!

Statt der geplanten 2 Wochen hat es zwar etwa 5 Wochen gedauert, aber mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden. Da sich Julian eine Arbeitsplatten-/Regalkonstruktion mit anspruchsvolleren Winkeln (45 Grad) und Verstrebungen ausgedacht hatte, beauftragten wir einen Schreiner, der den Ruf hatte, zwar etwas teurer zu sein, aber dafür sehr gute Qualität zu liefern.

Wie es sich dann herausstellte, hatte er vor vielen Jahren bei Deutschen gelernt und in der Zwischenzeit eine beachtliche Schreinerei aufgebaut. Bei einem Besuch bei ihm führte er uns durch seine nagelneu gebaute Fertigungshalle etwas außerhalb von Sokodé und erklärte uns mit einem Hauch von Stolz die Funktionalität jeder seiner Maschinen. Nicht nur seine ruhige, unaufdringliche und sehr freundliche Art hatten bereits Sympathie geweckt, besonders der Anblick schön verarbeiteter Rohplatten, fleißig arbeitender Azubis und das Schmökern in den 90er Jahre IKEA Katalogen in seinem Büro, ließen uns Vertrauen fassen, dass wir unseren Mann gefunden hatten.

Mehrmals kam er bei uns vorbei, vermaß die Küche, zeichnete mit Julian dessen Ideen auf und stellte kluge Verständnisfragen. Eine Freude! Und auch wenn das Ergebnis mich zumindest dann optisch doch etwas überrascht hat, ist es sehr schön und genau gearbeitet und überhaupt: wer hat schon eine Massiv-Tiekholz-Küche perfekt angepasst an die schiefen Wände und Fußböden eines togoischen Hauses.

Und noch ein bisschen Kitsch von unserem Hausdach:

Besuch aus Deutschland

Bißl mehr als zwei Wochen ist Julians Schwester nun schon da. Das Tolle an Besuch ist: er bringt ganz viele leckere und schöne Sachen aus Deutschland mit:

Das andere Tolle an Besuch ist: mit ihm macht man mal endlich all die touristischen Aktivitäten, zu denen man sonst nicht so kommt oder sich nicht so die Zeit nimmt. Also, wie schon in „Meine erste große Mopedtour“ beschrieben haben wir die Pflicht mit dem Angenehmen verbunden und ein Wochenende im Touristenzentrum Kpalimé verbracht. Neben Togos Bergen mit Wanderwegen zu Wasserfällen, satt-grünen tropischeren Wäldern und etwas kühleren Temperaturen wohnt da nämlich auch ein Kollege, der uns netterweise bei sich wohnen ließ. Von anderen Kollegen aus Lomé mitgebracht, wartete ich Freitag Nachmittag also gespannt auf die aus Sokodé Anreisenden. Natürlich hatte ich keine Zweifel daran, dass ihnen der lange Ritt auf dieser Strecke mit dem Moped, von dem die meisten nur mit einem Kopfschütteln abgeraten hatten, nichts anhaben konnte. Und so hörte ich ziemlich genau um 16.00 das fröhliche Krächzen einer vertrauten Hupe und konnte sogleich zwei geschaffte aber gut gelaunte dreckig-verschwitzte Gestalten in die Arme schließen. Nach einem gemütlichen Frühstück am nächsten Tag ging es erstmal auf den Markt: Zutaten für das am Abend geplante Bar-B-Q kaufen. Die Erde roter als bei uns, eine leichte Brise die uns gelegentlich bei unserem Lauf durch ein Labyrinth von auf dem Boden ausgebreiteten Tomate, Zwiebeln, Kochbananen, Mangos, Avocados, Kohlesäcken usw. übers Gesicht strich und uns eine minimale Erfrischung von der brennenden Sonne bot, und die Berge im Hintergrund … war es alles in allem ein angenehmer aber ermüdender Ersteindruck. Nach ein bisschen Ausruhen ging es dann los zur eigentlichen Touristenaktivität: dem Wasserfall. Geleitet von einem Togoer Kollegen schraubten wir uns auf der kleinen Landstraße die Berge hoch. Der Ausblick war zwar etwas von dem zwischen den Hängen stehendem Staub getrübt, aber trotzdem hatten die Augen ihren Spaß an den Wäldern aus Bananenstauden, Palmen, Kaffeebäumen und Kakaopflanzen. Dann hieß es plötzlich links abbiegen und die folgende steile Auffahrt aus Kies und Geröll im 2-Rad Antrieb bewältigte Julian unter großer Bewunderung des Kollegen.

 

Vorbei an Lehmhütten und winkenden Kinder (die dann unserem Auto nachliefen und auf der Stoßstange „surften“), parkten wir schließlich auf Wiese an deren anderem Ende die waschenden Frauen lustig bunt die sauberen Kleidungsstücke auf dem Boden zum Trocknen ausgebreitet hatten. Mein Kollege diskutierte etwas länger mit einem Bewohner des Dorfes und dann ging es in dessen Begleitung los über kleine Pfade und steile Stufen immer weiter bergab, bis man langsam ein Rauschen vernahm (Übrigens bescherte der in Folge geleistete Rück-Aufstieg zumindest Laura und mir für die nächsten Tage einen gewaltigen Muskelkater in den Oberschenkeln …aber herrlich, mal wieder was „getan“ zu haben).

Dann eröffnete er sich vor uns, der Wasserfall, gepaart mit einem frischen Schwall an kühl-feuchter Luft. Unser Führer lief sodann bald auch ins Wasser und wir folgten ihm beherzt ins herrliche Nass. Allerdings war es maximal knietief –während der Regenzeit steigt es wohl um die 3m an, so dass man in dem Pool richtig schwimmen kann.

Etwas Platschen, etwas Krabben gucken, etwas Fotos machen und abends dann den Tag mit einem leckeren Grillen abgerundet.

Der nächste Tag dann Mont Ague, an dessen Spitze sich mein Mann etwas ausruhen wollte und wir ihn bei unserer Rückkehr von einer lustigen französisch-togoischen Jugendgruppe umzingelt fanden.

Leider sind die Bilder der Straße leider echt nicht so schlecht wie der Originalzustand, aber bei meinen 4 Tage Moped-Fahr-Praxis, hatte ich doch so einige Ersterfahrungen mit tiefen Löchern im Asphalt, Pfützen, Sand und Anstiegen. Hat echt Spaß gemacht. Ebenso –oder noch viel mehr- die Abfahrt. Da haben wir die 940 Höhenmeter auf 12km einfach rollen lassen. Motor aus und in den Kurven hupen, weil ja irgend so ein Sportlicher um die Ecke schießen könnte. Das war aber nicht der Fall. Im Gegenteil, an den Straßenrändern und in den Dörfern winkten uns fröhlich Leute zu, als die Weißen da auf so stillem Gummi durchrauschten und hin und wieder rauschten dann noch schnellere Still-Rollende an uns vorbei und grinsten breit.

und jetzt noch ein paar Schmankerl aus der Tierwelt:

Meine erste große Mopedtour…

Andere machen das mit 16, ich musste erst doppelt so alt werden…

Durch die Verkettung einiger Umstände ergab sich praktisch, dass wir eine größere Strecke Moped fahren mussten: Meine Schwester ist zu Besuch und meine Frau auf Dienstreise in der Hauptstadt. Vor und nach dem Wochenende. Dazwischen könnte man sich ja unweit der Hauptstadt in Togos Touristen- und Rastazentrum Kpalime treffen. Das Auto steckt nach wie vor in der Bürokratie und der öffentliche Personenverkehr spricht diverse Sprachen, aber keine die kompatibel mit unseren diversen Sprachen ist. So verbleibt nur das Moped, und eigentlich wollte ich das ja ehh mal ausprobieren…

Am Freitag morgen also die Schwester und das Gepäck aufs Moped geladen und los. Die ersten 190km waren auf der N1, die ist recht gut ausgebaut, aber leider auch recht stark befahren. Und relativ langweilig. Von hinten kamen lediglich gelegentlich klagen über einen schmerzenden Hintern. Nach nur vier Stunden waren wir dann in Atakpame und konnten tanken und endlich abbiegen. Von dort waren es dann nur noch gut 100km, aber die Straße hatte den Ruf schlecht zu sein. Trotzdem waren wir optimistisch bald anzukommen und alles ist besser als ständig mit LKWs den Asphalt teilen zu müssen. In Atakpame Mittag gegessen (ein paar Bananen) und nach dem Weg gefragt und weiter auf der kleineren Straße. Was hat Loch an Loch und hält doch? Richtig, eine togoische Landstraße. Mit der Schwester und dem Gepäck hintendrauf war das Moped ein wenig überladen und somit auch ein wenig schwerfälliger zu fahren. Schlaglochslalom ging so nicht so gut und der Dämpfer ist auch öfter mal durchgeschlagen. Außerdem hatte ich bei jeder Bremsung und bei jedem Schlagloch die Schwester im Rücken. Diese beklagte sich inzwischen auch häufiger über einen schmerzenden Hintern und unser Gepäck lockerte sich auch des öfteren. Einige kleine Pausen waren also angesagt. Zwischendurch gab es aber auch immer mal wieder Stücke mit intaktem Asphalt und landschaftlich war es wohl auch ganz schön (hab ich nicht gesehen, ich musste auf die Straße achten).

Immerhin, wir waren noch schneller als die Autos, die konnten nämlich den Schlaglöchern noch weniger ausweichen, haben ja schließlich zwei Spuren. Allerdings waren die nicht immer so ganz einfach zu überholen, insbesondere wenn man so Konzepte wie Sicherheitsabstand verinnerlicht hat. An einer Stelle bot sich dann aber doch mal ne Alternativlinie an. Diese hatte lediglich den kleinen Nachteil durch ein Schlammloch zu führen. Da wir da drinnen natürlich nicht stecken bleiben wollten, hab ich mal beherzt am Gashahn gedreht und das Moped hat das (wie erwartet) mit einer gewissen Instabilität am Hinterrad quittiert. Gegen Ende des Schlammlochs mussten wir dann doch die Füße zu Hilfe nehmen. Aber immerhin, wir waren am Auto vorbei. Von hinten kam ein wenig Geschrei, ich konnte aber nicht verstehen, ob es Beschwerden waren, weil wir ne Lehmhütte mit Lehm eingedeckt hatten oder begeisterte Anfeuerungsrufe. Endlich mal sowas wie Fahrspaß. Die Schwester sah das allerdings anders und ist fortan gelaufen, wenn Wasser in Sicht war. Dabei konnte sich dann auch der schmerzende Hintern ein wenig erholen. Irgendwann kamen wir dann an eine Baustelle. Die Chinesen haben hier die praktische Entwicklungshilfe inzwischen übernommen und bauen fleissig Straßen. Für uns bedeutete das erstmal das Ende des Teers, dafür Schotter. Fester, ebener Schotter. Einwandfrei, endlich wieder Gas geben. Einige Zeit später wurde die Baustelle dann zur guten Straße und kurz später waren wir in Kpalime. Nach nur siebeneinhalb Stunden. Da ich den ganzen Tag mit offenem Helm gefahren war war ich ein wenig schwarz im Gesicht:

Anschließend zum Belgier. Ein hoch auf die touristische Infrastruktur!

Am Samstag waren wir dann bei nem Wasserfall. Da wir mit dem Auto hingefahren sind ist das hier irrelevant. Abends Grillen und Bier.

Am Samstag war ich dann krank. Erkältung oder Heuschnupfen oder sowas (wobei ich eigentlich keinen Heuschnupfen habe). Jedenfalls meine Nase… Ich wollte eigentlich nur ins Bett, aber die Mädels wollten auf den höchsten Berg Togos und da die eine nicht kann und die andere sich mit der einen hintendrauf nicht traut musste ich trotz Mistwetter mit. Wir hatten uns zusätzlich noch so ein Enduroding ausgeliehen:

Und sind mit zwei Mopeds auf den Berg gefahren. Oben war die Aussicht wie erwartet grandios:

Was hier ausschaut wie Nebel ist staubtrocken. Sand aus der Sahara und extrem trockene Luft. Äußerst unangenehm. Immerhin, man schwitzt nicht mehr ganz so viel. So schaut übrigens der Gipfel Togos aus:

Im Vordergrund das Betonteil neben dem Mülleimer (einer von ungefähr 8 in Togo) ist der höchste Punkt den die Franzosen Gemessen haben. Hinten unter den Bäumen im Hintergrund ist der höchste Punkt den die Deutschen vermessen haben… Einen der beiden Sender da oben konnten wir noch besichtigen, der Techniker war zwar gerade nicht da, aber der Wächter hat uns durchgeführt. Und so nen Radio- und Fernsehsendegeräte erkennt man ja auch wenn man davor steht. Der Versuchung ein paar Sendefrequenzen zu verschieben habe ich nicht nachgegeben… Abends gabs dann noch ne Pizza.

Am Montag war dann Heimfahrt angesagt und aufgrund von Popoaua und Mopedüberlastung entschloss sich die Schwester dann mit meiner Frau nach Lomé in die Hauptstadt und von dort mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück zu fahren. Das kam mir natürlich gelegen, denn mit weniger Gewicht auf dem Moped fährt es sich einfach angenehmer. Ich verließ Kpalime also frohgemut:

Die leere, gute Landstraße versprach freiheit, lediglich die passende musikalische Untermalung fehlte mir:

“Riders on the Storm” von “The Doors” lief in meinem Kopf. Da ich aber nur zwei Takte von dem Lied kannte und in den Helm gesungene E-Gitarren-Solos irgendwie auch kacke klingen hab ich das mit der Musik bald wieder bleiben lassen. Erst sehr viel Später, als die Straße schlecht und wieder gut geworden war habe ich schottische Dudelsackweisen in meinen Helm geträllert. Das hat halbwegs funktioniert und ich meine, die Blicke die mir nachgeworfen wurden waren auch noch verwunderter als ehh schon. Die Menschen hier rufen einem dann auch gern mal ein “Jovo” oder “Ansara” hinterher. Das ist das Gegenstück zu unserem “Neger”, nur eben ohne die negative Konnotation die damit einher geht. Dabei hätten die Menschen hier so viel mehr Grund dazu. Man ist dann eher so eine Sehenswürdigkeit und Kinder sind regelrecht begeistert davon einen Weißen zu sehen. Wenn man da kurz nach Schulschluß schafft an ner Schule vorbeizufahren kann das sogar zu Sprechchören führen: “Jovo, Jovo, Jovo…”.

Die schöne Straße hielt leider nicht lang, dann kam wieder die Baustelle und der Schotter:

Und somit waren die Hirnkapazitäten auch wieder mit dem Fahren ausgelastet (bei den Temperaturen hier ist von den Hirnkapazitäten ehh nur noch die Hälfte da). Und so fuhr ich durch Dörfer und Städte:

und Wiesen und Felder, ähh, Felder und Wälder:

Natürlich hab ich es auch auf der Rückfahrt nicht geschafft mal nen vernünftiges Foto von den Schlaglöchern hinzukriegen. Zudem waren durch die Wetterverhältnisse (kann man bei Sand in der Luft eigentlich noch von Wetter reden?) die Schlaglöcher schwieriger zu sehen und die Trockenheit war deutlich zu spüren, kein Wasser mehr auf der ganzen Strecke, dafür ein paar Stellen mit weichem Sand. Schlamm ist mir da lieber. Oder zumindest vertrauter, da hab ich mehr Gefühl dafür. Nach nur 3 Stunden ging es dann hinauf nach Atakpame:

Und von dort noch die langweiligen 190km nach Sokode.

Die Rückfahrt war nach sechseinhalb Stunden erledigt und anschliessend gabs erst mal Bohnen (aus Frankreich) mit Speck (aus Deutschland). Und “The Doors” bei Youtube.

Am nächsten Tag wollte ich dann voller Stolz das dreckige Motorrad betrachten. Unser Wächter hatte es geputzt. Während ich schlief…