Archiv für den Monat: Januar 2014

Sokodé

Ein kleines Video aus unserem aktuellen Wohnort:

Ein Tipp von meinem Bruder: Wenn man im Video auf “Sokodé” oder “Vimeo” klickt öffnet sich das Video in einem neuen Fenster und wird ca. 100 mal besser.

Tiefpunkt…

“Was ist der Unterschied zwischen einem Touristen und einem Rassisten? – 1 Woche.” Dieses Zitat klingt reichlich böse, hat aber durchaus einen wahren Kern. Der Zeitraum kann natürlich auch ein anderer sein, aber bisher gings mir immer so (auch in den USA, der Schweiz…). Also nicht dass ich zum Rassisten geworden wäre, aber die Welt der unreflektierten Emotionen ging schon stark in die Richtung. Einfach weil hier so viel anders läuf t(und im Gegensatz zu den Ankündigungen im interkulturellen Training manches auch gar nicht). Als Mensch einer anderen Kultur versteht man hier erstmal vieles nicht: Warum ist ein Fernseher wichtiger als fliessendes Wasser? Und warum ist eine Antenne die ein ordentliches Bild liefert wiederum total unwichtig? Warum ist bei nem Verkehrsunfall derjenige Schuld der die Versicherung hat (und nicht derjenige der Käse gemacht hat)? Und warum zahlt die Versicherung nicht wenn man Schuld ist? Warum muss man das Auto jeden Tag putzen, wenn doch die Straßen voller Müll sind? Und warum muss man für ne blöde Unterschrift 3 Stunden anstehen? Warum, warum, warum… Es gibt hier so viele Dinge die ich nicht versteh. Prioritäten, das Verständnis von Zeit und Qualität. Und dann die Bürokratie. Warum muss jeder Mensch mit Schreibtisch die Welt mit überflüssigen Regeln  fluten an die er/sie sich nach 2 Wochen nicht mehr erinnern kann und somit von den eigenen Regeln überfordert ist? Und wiso darf man für dieses Hobby auch noch Geld verlangen? Und das nicht zu knapp…

Dazu dann noch das ungewohnte Essen, die ständige Hitze und die permanente Präsenz (wenn man keine eigenen vier Wände hat hat man nie seine Ruhe). Diese Kombination hat mich kurz nach Weihnachten erstmal krank gemacht. Wir waren da grad für die Woche zwischen Weihnachten und Neujahr bei togoischen Kollegen zu besuch. Kein fließendes Wasser und man wurde schlimmer zum Essen genötigt als bei Oma (und das mindestens 3 mal täglich, das pack ich entgegen aller Gerüchte einfach  nicht. Ich kann zwar viel Essen, aber nicht oft).  Also bin ich erstmal krank geworden und hab nen ganzen Tag verschlafen. Das war sehr angenehm. Leider wurde mir das nach wenigen Tagen schon wieder verwehrt und ich musste wieder raus. War ja schließlich Sylvester (15 Stunden unterwegs…). Also hab ich das erholen auf später verschieben müssen. Im neuen Jahr, wenn alle anderen wieder arbeiten mussten. Da hatte ich dann erstmal einige Zeit überhaupt keinen Appetit mehr und auch keine Lust mit Einheimischen rumzuhängen. Zudem wollte ich einfach nur nach Hause. Freunde, Familie, angenehm kühler Regen (Schnee gabs ja noch nicht), nen McDonalds an der Ecke. Eben nach da wo es schön ist…

Ein paar Tage später sind wir dann endlich in unser neues Haus gezogen. Nach knapp 2 Monaten in Togo und 3 1/2 ohne Heim. Da war ich dann gleich wieder doppelt so gesund. Unsere Küche ist zwar noch nicht ganz komplett, aber wir können immerhin schon wieder Sachen kochen die ein wenig mehr unserem Geschmack entsprechen. Und wieder selber die Verantwortung übernehmen über wann und wie viel… Das macht schon vieles besser.
Jetzt müssen wir nur noch die Bürokratie (sowohl auf deutscher wie auch auf togoischer Seite) dazu bringen unser Auto herauszurücken, uns an die lebensfeindlichen Temperaturen gewöhnen und ich muss noch eine abartige Sprache lernen und dann wird das schon. Achja, funktionierendes und bezahlbares Internet zu installieren wär auch noch schön (wir driften ab, in Richtung Utopie).

Achja, ich wink mal mit dem Zaunpfahl: Wir haben jetzt ein Gästezimmer…

Noch ein paar Fotos. Bilder gucken tut ihr doch sicherlich lieber als lesen. Das ist unser Haus. Ich nenne es immer unser Rosa Gefängnis:

Ohne Werkzeug  und Baumarkt in der Nähe muss man ein wenig kreativ werden, wenn man dringend Möbel benötigt:

Da hat meine Frau mal was leckeres gekocht. Teller haben wir immerhin schon. Aber der Tisch ist nur ne große Fliese auf nem Pappkarton:

(Wir mussten die Spaghetti übrigens löffeln. Seit heute gibt es aber auch Messer und Gabel).

Und dann hab ich noch ne kleine Müllverbrennungsanlage gebaut. Find ich zwar nicht gut, aber was ist die Alternative?