Archiv für den Monat: Dezember 2013

“Mein Haus, mein Auto…”

Mietvertrag unterschrieben –> check

Auto aus dem Hafen geholt –> check

Fehlt nur noch, dass das Haus fertig einzugsbereit wird (Neubau), was hoffentlich nicht länger als 2 Wochen dauert; und dass wir die Nummernschilder für unser Auto bekommen (bevor wir es wirklich fahren können), was hoffentlich nicht länger als einen Monat dauert. Übrigens, es scheint beim Auto “nur” die Batterie zu sein, die kaputt ist. Mit Starthilfe ist er ohne Probleme angesprungen.

Ihr könnt schon mal Flüge nach Togo buchen :)

Weihnachten 2013

Ja, Weihnachten in Togo, wie ist das so? Als Erstes fällt einem spontan ein: HEISS. Das Thermometer hat letzte Nacht um 1 Uhr noch 27 °C bzw 29°C angezeigt. Festliche Kerzenromantik kann man da natürlich komplett vergessen. Das Wachs würde schlicht und ergreifend in sich zusammenschmelzen. Hat was… allerdings nichts wirklich weihnachtliches.

Als zweites fällt einem ein: Die Familie fehlt. Ist Weihnachten doch eigentlich ein Fest, das man im Kreis der Lieben begeht. Klar, zwei Liebende sind besser als
(k)einer, aber trotzdem ging der ein oder andere Gedanke an Eltern und Geschwister nach Hause und man merkte doch, dass da etwas ganz Entscheidendes fehlte.

Als Drittes fällt einem ein: Gutes Essen. Wie lief uns das Wasser im Mund zusammen als wir am Telefon von Kalbsbraten mit Knödeln, Spätzle oder Rouladen hörten. Aber… wir sind in Afrika und da ist Weihnachten eben anders…

Ein bisschen deutsche Tradition konnten wir uns trotzdem erhaschen. Wir waren am Montag schon nach Lomé gefahren, hatten das Weihnachtsgrillfest meiner Direktorin besucht und uns für 2 Tage in das wohlvertraute Seemannsheim gebucht. Das war ja ursprünglich als Anlaufpunkt für Seemänner fern der Heimat errichtet worden und so wurde dort auch am 24. ein kleiner Weihnachtsgottesdienst (auf Französisch UND Deutsch) mit anschließendem Buffet angeboten. Die Lieder und das gemeinsame Lauschen der Weihnachtsgeschichte in der Muttersprache trieb mir schon etwas das Pipi in die Augen. Das Essen danach hatte allerings vielversprechender gerochen, als es dann tatsächlich schmeckte. Die Schaschlikspieße waren Innereien und der Reis mit Tomatensoße und die Hähnchenschenkel zwar nicht schlecht, aber halt auch nichts anderes, als wir hier sonst schon die ganze Zeit essen.

Weihnachtsbuffet unter freiem Himmel und Palmen:

Mann mit Keule:

In Togo feiert man Weihnachten erst am 25. und auch das ist anders als in Deutschland. Nicht so festlich oder besonders. Die Leute haben zwar frei, aber abgesehen davon, dass man viele Plastikweihnachtsbäume und -girlanden sieht, die Kinder hübsch rausgeputzt werden und man abends Party machen geht, unterscheidet es sich nicht so stark von anderen Tagen.

Die rausgeputzten Mädels:

Wir hatten (oder haben immer noch) das Privileg, togoische Weihnachten hautnah zu erleben. Ein Freund hat uns für die Feiertage zu seiner Familie eingeladen. Ein spannendes Erlebnis, da wir viel erleben, was wir bisher so nicht gekannt haben. Die Frau ist eine echte Prinzessin (und auch unser Freund stammt aus einer traditionellen Königsfamilie). So sind wir am 25. natürlich gleich die „Familie grüßen“ gefahren. Der König ist schon tot, aber seine 6 Frauen leben noch. Und so haben gelernt, wie man auf Ewe Guten Tag sagt und sich für das Willkommen bedankt. Mit einer kleinen Verbeugung in einer bestimmten Reihenfolge zu verschiedenen Zeitpunkten, deren Ablauf ich aber nicht verstanden habe. Zur Begrüßung haben wir selbstverständlich auch gleich Wasser angeboten bekommen -wie es die Tradition vorgibt. In Tüten, bei denen wir uns nicht sicher waren, ob wir danach gleich an Flitzekacke erkranken werden. Es sei gesagt: Alles ist gut gegangen. Sowieso konnten wir bis jetzt alles essen und trinken und hatten bisher noch keine typischen Weißen-Symptome. Also werden wir immer mutiger mit unseren Kulturerfahrungen.

(Kleiner Teil der) Familie-n-foto und Hof der Familie:

Wassertütchen (nicht gerade Müll-un-intensiv, übrigens):

Übrigens, das eine kleine Kind fing schrecklich zu weinen an, als es Julian sah. Ist ja auch ein schrecklicher Anblick -äh, natürlich schrecklich beängstigend so ein großer weißer Mann. Na wie bei uns halt ;) Wir haben ja sogar ein Spiel: Wer-hat-Angst-vorm-schwarzen-Mann.

Wieder im Haus unserer Freunde konnten wir ausprobieren, wie man aus Yam-Wurzeln Fufu macht. Alter, richtig anstrengend ist das. Hier ein Foto von Julian bei der traditionell von Frauen erledigten Arbeit:

 

Auch gibt es hier kein fließendes Wasser. Wir waschen uns, indem wir Wasser aus Schüsseln über den Körper gießen. Strom gibt es nur im Wohnzimmer, für das Schlafzimmer und das Bad benutzen wir die Taschenlampe mit Kurbel, die uns meine Eltern noch vor der Abreise gekauft haben.

Das Essen ist manchmal recht abenteuerlich, bzw. finden die halt andere Sachen lecker als wir. Wir hatten z.B eine Tüte Chips mitgebracht -haha, wie sie beim Kosten das Gesicht verzogen haben. Ging gar nicht. Die sind wohl noch nicht so auf Geschmacksverstärker geeicht wie wir.

Wir dagegen müssen manchmal allen Mut zusammen nehmen, um die Soßen zu probieren, die man uns zu den verschiedenen Klößen aus Maismehl oder Yamwurzel anbietet. Mal mit getrocknetem Fisch, mal mit Spinatartigen Blättern, die die Soße klebrige Schlieren ziehen lassen. Auch amüsieren sich unsere Freunde köstlich, dass wir vor allem nur das Weiche vom Fleisch und nicht auch die Knochen essen. Sie selbst beißen fröhlich, bis die Knochen brechen, es knirscht und knackt, und dann erfreuen sie sich daran, dass das Knochemark ja den eigentlichen Geschmack gibt. Wie kann man sowas nur nicht mögen!!! Bei all diesen Ess-Eigenheiten geben sich unsere Freunde echt alle Mühe, uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Sie kochen sogar extra 2 Soßen, falls uns eine nicht schmeckt.  Auch reichen sie uns neuerdings immer einen Ingwer-Palmschnaps dazu. Der haut vielleicht rein. Sie amüsieren sich immer köstlich, wenn sie beim Schlucken unsere Grimassen sehen. Sie nennen es ihr afrikanisches Antibiotikum -das man übrigens auch Frauen nach dem Gebären gibt…das schmeckt so bösartig, das tötet bestimmt alles im Magen, was da nicht rein gehört!!

Eigentlich sieht das Ergebnis ja ganz gut aus -na, hat auch eigentlich echt gut geschmeckt- wenn man halt Fisch mag ;)

Und der berüchtigte Ingwer-Palmschnaps:

So, jetzt hab ich grad keine Lust mehr weiterzuschreiben. Es ist ja eh schon genug. Außerdem steigt mir grad der Ingwer-Palmschnapps echt in den Kopf :) Ich geh jetzt gleich mit der Frau des Hauses auf den Markt und Julian mit dem Mann des Hauses Moped fahren (lernen). Heute Abend gehen wir Party machen. Da erzählen wir dann wann anders mal davon -vielleicht dann auch nochmal mit ein paar Worten vom Ausgehen am 25. (das war nämlich echt schön!!)

PS: Heute Abend gibt es selbstfrittierte Pommes -da kenn ich mindestens einen, der sich sehr darüber freut.

Hier noch ein paar Cliché-hafte Eindrücke:

 

Auf dem Weg…

Zum Abschied haben mir meine Arbeitskollegen ja eine kleine, aber sehr feine Videokamera geschenkt. Vielen, vielen Dank dafür!

Als erste Spielerei habe ich angefangen den Weg aus Deutschland nach Togo, aus München nach Sokodé zu Filmen. Also natürlich nur Ausschnittsweise, nichteinmal Anfang und Ende sind drauf. Und so ganz zufrieden bin ich mit Schnitt und Kameraeinstellungen auch noch nicht, aber was nicht ist kann ja noch werden… Achja, Togo ist dabei keineswegs vollständig wiedergegeben, in echt gibt es natürlich noch viel mehr zu sehen:

Auf dem Weg from Julian Rauprich on Vimeo.

Es geht looooooos

Wir sind da! In Sokodé und jetzt bleiben wir erstmal. Naja, für die Feiertag sind wir vielleicht doch nochmal in Lomé, aber darum solls jetzt nicht gehen.

Sokodé. Schön ist es. Herzlich. Und KALT!! Heute hab ich mir sogar mal meinen dünnen Longsleeve Pulli drüber gezogen. Und nachts kühlt es sogar schon mal auf sagenhafte 26 Grad runter. Herrlich, man muss sich direkt sogar nachts mit dem Laken zudecken. Gestern hat schlagartig der Harmatan angefangen. Morgens und abends fällt es besonders auf, wenn die Stadt in einen Schleier aus feinstem Staub gehüllt ist, der aus der Sahara herüberweht. In dieser kalten Jahreszeit haben sich unsere Mitmenschen schon die Wollmützen, Schals und Daunenwesten rausgeholt.

Jetzt aber von vorne: Letzten Montag sind wir angekommen. Am Dienstag war dann die offizielle Eröffnung des Standortes meines Arbeitgebers in Sokodé. Ein großes Fest mit 150 Leuten, darunter 4 Minister, der Botschafter und alles, was Rang und Nahmen hat. Schöne, fröhliche, ausgelassene Stimmung. Ich hatte gleich die Feuertaufe und durfte vor den “Offiziellen” den Teil der Präsentation über unser Programm zur Jugendbeschäftigung vorstellen. Auf Französisch versteht sich. Naja, auch das geschafft, mit ein bisschen Zittern in der Stimme, aber die Leute hat es scheinbar wirklich interessiert :) Ein paar Eindrücke vom Fest:

 

Das Catering Team beim Warten:

Ja, ihr habt richtig gesehen, das sind Käsestangen!! Die hat unser ortsansässiger Bäcker, der in Deutschland gelernt hat, gemacht. Kommentar des Vetreter des Bundesministeriums dazu: “Geil, das ist ja total irre!” -Ja, wir haben uns auch gefreut!

Ereignisreich ging die Woche weiter. Den einen Tag zogen wir in eine Rundhütte des Hotels um, die vorerst unsere letzte Bleibe vor der Entgültigen sein wird. Hier haben wir etwas mehr Platz und neben Schlafzimmer und Bad sogar einen kleinen Wohnbereich und eine Veranda. Klar, dass hier endlich auch das lang Vermisste ausgepackt werden konnte:

Das Gefühl, endlich anzukommen hatte ich sogar auch im Büro, als ich aus meinem Koffer die kleine Kiste mit den Schreibsachen, bunte Stabilos aus Deutschland und das Bild, das ich mir extra für den Schreibtisch mitgebracht hatte holen konnte. Langsam fühlt man sich doch ein bisschen mehr zu Hause. Die ersten Tage im Büro waren entspannt. Das Kollegenteam -alles Togoer mit Ausnahme eines Kameruners- sind alle relativ jung und es ist eine fröhliche, engagierte Truppe, in der egal ob Fahrer, Berater oder Sekretär einfach alle gut miteinander auskommen. Neulich war ich dann bei einem Workshop, mittags kam mein Mann dann dazu, allerdings 1.5 Std zu früh. Erst machte ich mir ein paar Gedanken, was er denn jetzt die ganze Zeit machen würde. Drum ging ich mal kurz runter, nach ihm zu sehen -sah aber nur eine Gruppe schwarzer Männer und dachte mir: nee, da kann der ja nicht dabei sein. Und was lugte da hinter dem Baumstamm hervor, zwei weiße Beine, die ich erst beim zweiten Blick tatsächlich als die meines Mannes identifizierte. Der saß also putzmunter inmitten der Fahrer, die sich gemütlich im Schatten der Bäume über Männerthemen unterhielten: verheiratet? Kinder? Ich bin Moslem, ich darf mehrere Frauen haben. Und auf meine Frage, wie’s denn mit der Verständigung klappe, grinste Julian nur: wir reden Englisch. Na, dann ging ich gut gelaunt weiter workshopen. Als ich beim nächsten Mal runterkam, hatte mir Julian von einer vorbeikommenden Händlerin eine Banane gekauft und war gerade mit 3 Männern und 4 Frauen am rätseln, ob mir wohl der eine Pagne gefallen könnte, den die Dame zu verkaufen hatte.

Am nächsten Tag (anderer Workshop) war’s auch lustig. Einige, die mich im Doppelpack kannten, hatten schon nach gefragt: “Und, wie gehts dem Monsieur” oder “Wo ist denn heute mon ami (mein Freund)?” Aber grad weil er nicht da war, hatte ich wegen ihm auch einiges zu lachen. War ich wohl in ein sprachliches Fettnäpfchen gestiegen. Als ich dem Kurs (Kompetenzen stärkend für unternehmerisches Handeln) vorgestellt wurde und der Trainer meinte: für alle, die an ihr interessiert sind, ihr Mann ist nicht weit weg… wurde mir natürlich von allen Seiten empfohlen, auch mal togoische Geschmacksrichtungen auszuprobieren. ICH dachte natürlich sofort an Essen und stieß ein lautes und fröhliches “bien sûr” (natürlich!!!) aus. Schallendes Gelächter! Leute, die sich auf ihren Stühlen bogen vor Lachen!! Tja, mal wieder mit ner langen Leitung viele Menschen erfreut :) Im Laufe des Tages musste ich dann immer wieder Bizeps fühlen, Hände halten und immer wieder bestätigen, dass mein Mann sie alle locker wegstecken könnte ;) Und wenn Julian dabei ist, reden dann alle nur noch davon, dass wir doch so hübsche Kinder machen würden und wir unbedingt schon in Togo damit anfangen sollten… ja ja ja…

Ach, ich vergaß zu schreiben, dass in dem ganzen Spaß ich ja auch gearbeitet habe: als offizielle Vertreterin, aufgereiht neben den ehrenwürdigen Vetretern anderer wichtiger Insitutionen, musste ich bei der Abschlussveranstaltung des Kurses eine Rede halten, bzw. ablesen. Schon irgendwie auch ein komisches Gefühl, aber macht Spaß:

Abends, so hatte meine Kollegin rausgefunden, sollte es in der einen Bar als Werbeaktion 3 Bier zum Preis von 2 geben (übrigens sind hier die Bierflaschen alle 0,6l). Also hin, a bißl Bier trinken, a bißl nett quatschen, a bißle spontan alle Leute, die wir hier schon kennen treffen, a bißl Hähnchen vom Straßengrill essen, das so scharf ist, dass einem die Luft wegbleibt (wenn man auf ein Stück Pigment (Chiliartige kleine grüne Schote) gebissen hat), bißle tanzen, bißl von Zuschauern zugejohlt bekommen, bißl spät heim kommen, bißl ausschlafen.

Sonntag haben wir dann noch eine Wohnung angeguckt, die fast schon potentiell sein könnte. Werden noch weiter schauen (als Vergleichswerte und Verhandlungsbasis), aber das hat uns schon mal Hoffnung gegeben.

Übrigens ist nicht immer alles immer nur schön und toll und lustig. Arbeiten in einem Büro, in dem ständig jemand anderes rein kommt und mit einem reden will oder zur Musik aus dem Laptop mitgesungen wird oder man in jeder Veranstaltung auf die Möglichkeiten finanzieller Unterstützung seitens meiner Organisation angesprochen wird oder man es dann doch leid wird, dass der halbe Nachmittag mit Warten drauf ging… ist nicht immer einfach. Aber hey… C’est l’Afrique.

Freud und Leid

Die letzte Woche in Lomé ist vorbei und damit auch unsere Vorbereitungszeit. Plötzlich fallen einem dann noch die Dinge ein, die man eigentlich schon die ganze Zeit machen wollte, oder die, die man nur in Lomé machen kann. Also, auf zum Markt und schauen, was der so zu bieten hat (Eigentlich hatten wir ja überlegt, schon mal einen Kühlschrank, Herd, Ventilator, Küchenutensilien usw. in Lomé zu kaufen. Laut Kollegen sind die nämlich in der Hauptstadt billiger, weil sie dort direkt vom Schiff ankommen und nicht erst noch in den Norden transportiert werden müssen) Naja, allerdings haben wir ja eh noch kein Haus, in das wir die guten Stücke stellen könnten. Drum nahm das Interesse die genannten Dinge zu suchen proportional mit steigender Überforderung im Markttreiben ab und wir endeten in Pagne-Läden (sprich “panje” – das sind diese überaus bunten und teilweise wildgemusterten Stoffe, die hier jeder-mann und jede Frau trägt und die das Cliché von fröhlicher Farbenvielfalt in Afrika scheinbar bestätigen). Übrigens hatten wir für das Vorhaben kompetente Begleitung, nämlich meine togoische Kollegin, mit der ich mir in Sokodé für die nächsten 2 Jahre das Büro teilen werde. Schnell stellte sich allerdings heraus, dass einen Pagne für mich zu finden kein wie erwartet leichtes Vorhaben werden sollte -z.B konnte ich die Begeisterung meiner Kollegin und vor allem meines Mannes für einen Pagne mit dem Motiv von Besen (!!!) nicht unbedingt teilen. (is ja schön, wenn hier Frauen mit derartigen Besen jeden Morgen Haus und Hof fegen -ich konnte da aber nicht so einen Bezug zu mir sehen ;) ). Na, trotzdem brachte unser Vorhaben eine satte Beute: meine Kollegin 3 Pagnes, mein Mann 2 und ich zumindest einen.

Wie’s damit weitergeht? Lasst euch überraschen :) Ach ja, auf dem Weg zum Markt beantwortete meine Kollegin meine Frage, wie wir denn am besten zum Markt kommen wohl etwas zu konkret und plötzlich fanden wir uns IM Markt wieder. Also plätzlich umringt von nie endende Ströhmen von Händlern und Einkäufern, in engen Marktgassen mit zahlreichen entgegenkommenden Handkarren, hupenden Mopedtaxis und auf dem Boden ausgebreiteten Warenangeboten. Gar nicht so einfach, da rum zu buxieren, wenn der vollbepackte Lieferwagen vor einem plötzlich den Rückwärtsgang einlegt, weil die Straße vor ihm zu eng ist bzw. so verstopft, dass ein Durchkommen unmöglich wird.

Der Rest des Tages war vergleichbar entspannt. Wir ließen ihn gemütlich mit Bier am Strand ausklingen, fuhren dann an den Boulevard, um in einem der Straßen”cafés” etwas zu essen und schließlich zurück zum Hotel, um etwas zu entspannen.

    

oooooohhhhh:                                                             aaahhhhhhh:

 

ui:

Und mal wieder was zu essen (lecker!!!) -man beachte das Getränk. “Sport Actif” ist derzeit unser Lebenselexier:

Später ging es dann zu einer Bar/ Restaurant, in der wirklich extrem feine Livemusik spielte, trafen uns dort mit ein paar neuen deutschen Bekannte und pilgerten anschließend weiter zu einem chinesisch-libanesischen Billard-Laden, der mit grellem Neonlicht, bunten Leuchtdioden Lichterketten, arschwackelnden Musikvideos im Fernsehen auf voller Lautstärke und schiefen Billardtischen bestach. Da war der darauf folgende Ort wesentlich ansprechender, eine openair Bar, die allen Anschein nach von togoischen Reggaekünstlern geführt wurde. Hier war neben der Livemusik vor allem ein auf 6m hochgebockter Omnibus die Attraktion, der als Sitzgelegenheit und Barbetrieb umfunktioniert worden war. Allerdings entschieden wir uns dann doch, draußen Platz zu nehmen. Uns hatte beim Betreten des Busses eine arktische Kaltfront der auf 16 °C gestellten Klimaanlage entgegen geschlagen. Fröhlich und zufrieden kamen wir kurz vor 3 Uhr morgens heim.

Der nächste Tag war geprägt von Chillen. Nachem ich jetzt immer mit den ersten Sonnenstrahlen gegen 5 (spätestens aber um 6) aufwache (schrecklich), klappte das mit dem Ausschlafen doch mal wieder. So bewegten wir uns nur vom Bett ins Auto, damit zum Strand und ab ins Meer. Eigentlich wollten wir lustige Filme mit der GoPro im Wasser drehen, aber diesmal war Ebbe und windstill und der Wellengang bei Weitem nicht so “umwerfend” wie beim letzten Mal am Meer. SCHADE!!! Naja, Aufregung hatten wir dann doch, nämlich als wir die alte Hafenmauer im Wasser besteigen wollten. Bösartige Wesen lauerten da, Korallen, Seesterne oder sonst was. Jedenfalls piekten die gemein und plötzlich sah mein Mann aus wie ein Igel (zumindest an Fuß und Händen) und hatte fiese Stachel in der Haut stecken. Ich hatte ja nur einen und schon der tat ziemlich weh. Also nix wie heim und versuchen, die Dinger mit der Pinzette raus zu ziehen. Denkste. Die steckten so tief in der Haut. Mit Desinfektionsspray und Nadel bohrten wir abwechselnd in Julians oberen Hautschichten. Die Hälfte der Dinger konnten wir wenigstens entfernen.

Zum Abschied aus Lomé waren wir dann abends noch im Alt-München essen. Gulasch- bzw. Flädlesuppe zur Vorspeise und Cordon Bleu und Kalbsrahmgeschnetzeltes mit Spätzle hinterher. Hammer!!

Ja, warum also Freud und LEID in der Überschrift. Tatsächlich klingt das hier ja alles doch immer recht begeistert. Aber es gibt auch andere Seiten. Es sind vor allem diese existenziellen Unterschiede, die man hier so von Alltagsleben sieht und mit denen ich erst umgehen lernen muss. Bisher waren wir ja vor allem an Orten, an denen vornehmlich Weiße oder besser gestellte Togoer essen, sich vergnügen, einkaufen. Auf meine Frage, ob denn togosiche Jugendliche gar nicht so in Clubs und so tanzen gehen, bekam ich die Antwort: die meisten sind schlicht weg zu arm. Die können sich den Luxus, bei so etwas Eintritt oder Geträke zahlen zu müssen, gar nicht leisten. Auch hatte ich am Strand schon darüber nachgedacht, dass das unterhaltsame Tanzen der Kinder ur Musik einer der Strandbars wohl ihr Spiel war  (abgesehen von dem lustigen Spiel, von der Bühne, durch die Blätter einer Pflanze in den Sand zu springen). Meine togoische Kollegin meinte dazu nur: das sind die Kinder hier aus dem Viertel, die haben nichts anderes zum spielen. Ich dachte an manche mit Spielzeug überfrachteten Kinderzimmer in Deutschland oder extern organisierte Freizeitangebote für die Kleinen. Hier sieht man Kinder vor allem beim Arbeiten (sei es beim Verkaufen von Kleinigkeiten oder beim Schleppen von Wassereimern), in Schuluniform (wenigstens das ;) ) oder eben dabei, sich selbst zu beschäftigen. Nie sieht man Eltern (oder blickt durch, wer oder wo die Eltern sind). Die größeren Kinder kümmern sich um die kleinen und währen die Eltern wohl arbeiten müssen suchen sie sich eben selbstständig eine Beschäftigung (eine solche Beschäftigung kann auch sein, dass dir Kinder entgegengelaufen kommen, wenn du das Auto parkst, dir -als Vorsichtsmaßnahme für den vorbeirauschenden Verkehr- die Rückspiegel einklappen und die Tür zumachen, nachdem du ausgestiegen bist. Wenn sie beim Zurückkommen zum Wagen dann auch wieder die Rückspiegel ausklappen und die Tür zumachen, geben wir ihnen schon mal ein paar cent. Schließlich zeigen sie unternehmerischen Geist:) )

Trotzdem ist das irgendwie krass und oft frag ich mich, warum wir (also vor allem so westliche Organisationen) eigentlich hier sind. Irgendwie funktioniert das System ja auch. Zumindest scheint es nicht sonderlich viele zu stören, dass die Bedienungen in den meisten Restaurants teils nervtötend langsam sind, die Sauberkeit an den meisten Örtlichkeiten relativ gewöhnungsbedürftig ist, technische Ausstattungen nur bedingt gut funktionieren und das einhemische Essen, das wir bisher probiert haben weder besonders vielfältig noch geschmacklich überzeugend ist (außer die oben abgebildeten Fleischspieße mit Pommes ;) ). Wir werden weiter beobachten, ausprobieren, kennen lernen und euch berichten :)

Letzter Punkt: Unser Auto ist da :) Wir haben am Samstag as Schiff im Hafen gesehen und der “Transiteuer” hat wohl bis 23 Uhr versucht, alle Formalitäten zu regeln. Jetzt die schlechte Nachricht: Unser Auto fährt nicht mehr. Musste wohl sogar vom Schiff abgeschleppt werden. Unser Neuer hatte ja schon in Deutschland beim Anlassen rumgezickt. Jetzt sind wir nicht wirklich übereugt, dass eine neue Batterie das Problem lösen wird. Bis Samstag muss er noch im Hafen stehen. Bis dahin hoffen wir, dass irgendein Wunder geschieht und wir wenigstens eine Idee bekommen, wie wir das Drecksding zumindest aus dem Hafen schaffen können.

So, hier noch eine kleine Momentaufnahme (das Lied im Hintergrund ist der aktuelle Dauerbrenner in Togo):

Abendstimmung from Steffka on Vimeo.

 

 

 

Sokodé

So, und schon gibts den nächsten Eintrag. Eigentlich wollte ich ja was über Heimweh schreiben. Denn letzte Woche hatte ich ein bisschen Heimweh. Zumindest habe ich es vermisst, ein zu Hause zu haben. Jetzt sind wir schon über 3 Wochen in Togo und leben noch immer aus Koffern, in wechselnden Hotelzimmern, ohne bis jetzt die geringste Aussicht auf eine baldige Bleibe. Das zermürbt schon mit der Zeit und deswegen …

…war es umso besser, dass es letzte Woche dann endlich mal nach Sokodé gehen sollte. Der Plan war, schon mal unser gröbstes Gepäck mitzunehmen (z.B. die Fahrräder), um es dann in unserer zukünftigen Heimatstadt ins Büro zu stellen. Da das Büro zur Zeit auch noch eher unterausgestattet ist und zufälligerweise die lang erwartete Bestellung von Büromöbeln in der Zentrale in Lomé angekommen war, konnten mein Mann und der Fahrer kreativ den Hilux beladen. Raus kam das hier:

Und dann gings los. Weniger holprig als sonst (dank der schön schweren Ladung) ging es los Richtung Norden. Mein Chef rief schon mal bei bekannten Restaurant in Sokodé an, damit in ca 6 Stunden eventuell das Essen dann auch schon fertig sein könnte (der Wirt hatte begeistert gesagt: ich kann dir alles kochen! Am Ende beschränkte sich die Auswahl allerdings doch eher auf Fisch mit Pommes, Rindfleisch mit Pommes oder Hühnchen mit Pommes). Die Fahrt lief ohne Probleme. Die Landschaft in den Norden hoch verändert sich von Banenstauden und saftigen Blättern zu etwas trockeneren aber immer noch dichten Waldstücken mit Baobab-Bäumen (Affenbrotbaum) und nur noch vereinzelten Palmen. Die Erde ist stellenweise richtig tiefrot und die Dörfer an den Straßenrändern mit ihren Strohdächern, Marktständen, herumlaufenden Hühnern, Ziegen, Kindern und Frauen, die allerlei auf dem Kopf herumtragen, erinnern doch tatsächlich an die Art von traditionell idyllischem “Afrika”, das uns in Europa so vermittelt wird. Die Schlaglöcher in der Straße waren gar nicht so schlimm. Die entgegegnkommenden Autos, Kleinbusse und LKW abenteuerlich überladen oder so alt und klapprig, dass es faszinierend ist, dass die Dinger überhaupt noch fahren. Manche fahren auch nicht mehr, die stehen dann am Straßenrand oder liegen flach auf der Seite oder werden abgeschleppt.

Durch das ganze Gepacke waren wir doch etwas später als geplant losgekommen und es wurde langsam richtig dunkel. Jetzt versteht man auch das absolut strickte Nachtfahrverbot. Es ist wirklich extrem anstrengend, die ganzen am Straßenrand entlanglaufenden schwarzen Gestalten rechtzeitig zu erkennen oder dem entgegenkommenden Auto noch gebührend auszuweichen, das man für ein Motorrad gehalten hatte, weil einer der beiden Scheinwerfer nicht funktionierte. Unser Fahrer war höchst konzentriert und schlug sich tapfer die letzte halbe Stunde bis nach Sokodé.

So, und nun die Eindrücke der Stadt etwas zusammengfasst: Sokodé ist echt schön. Viel ruhiger und gemütlicher als Lomé, aber immer noch groß genug, dass man da wohl dann einiges erleben können wird. Die Menschen wirken sehr nett und besonders die Kinder sind total begeistert, wenn sie uns Weißnasen sehen. Bei dem ganzen Gewinke kann man sich schon mal leicht wie die Queen von England fühlen. Der offizielle Part war, dass wir dem Präfekten, dem Bürgermeister, dem Präsident der Handwerkskammer und im technischen Gymnasium vorgestellt wurden. Es war ein herzliches Hallo und Willkommen und als sie dann auch noch hörten, dass mein Mann Ingenieur für Fahrzeugtechnik ist, waren sie ganz aus dem Häuschen. Das könne man hier immer gebrauchen. Die Verständigung klappte auch gut und besonders meinem Mann gegenüber gaben sie sich richtig viel Mühe. Manche versuchten es auf Englisch (welcome, welcome, my friend, how are you?), der Bürgermeister meinte gleich: nein nein, er soll wenigstens 3 Sätze sagen, nur damit ich seine Stimme höre. Und so meisterte mein Mann seine ersten Vorstellungen auf Französisch mit Bravour.

Die Haussuche war abenteuerlich. Von super geile 70er Jahre Stil Villa (leider 3mal zu groß und 3mal zu teuer) zu absolut atemberaubend hässlich (das Wohnzimmer komplett ohne Fenster mit dem Charme eines Bunkers). Diesen Schock konnten wir bei Bouba erstmal verarbeiten, ein Togoer Bäcker, der seinen Meister in Deutschland gemacht hat und in Sokodé tatsächlich Brezeln verkauft!!! Er meinte: keine Sorge, er hört sich mal um, er weiß, was Europäern gefällt. Sein Wort in Gottes Ohr!!

Und selbst wenn wir bis jetzt immer noch kein zu Hause in Aussicht haben, die Stadt kennen zu lernen hat uns schon mal vorfreudige Hoffnungen geweckt. Das Klima ist bei weitem angenehmer (die Schwüle in Lomé macht einen echt fertig. Das Bett ist immer feucht-muffig, die Kleider klamm und die Handtücher trocknen nach dem duschen nicht). Das Essen hat uns in Sokodé auch besser geschmeckt, sei es Couscous, Foufou oder die schön-scharfe Erdnusssoße. So brachen wir am Samstag dann zu unserer letzten Woche in Lomé auf und werden dann ab dem 9.Dez. zurück nach Sokodé gehen und dort halt im Hotel unterkommend weiter nach Häusern suchen.

Auf dem Rückweg haben wir dann noch kurz den Präsidenten von Togo gesehen. Das hat mein Mann ja untenstehend schon beschrieben. Hier noch ein paar visuelle Eindrücke davon.

Vorbereitungen zum großen Ereignis, denen wir während unserem knapp 3 stündigen Wartens intenstivst zusehen konnten:

Des Präsidenten großügige Gabe, bereitstehend, verschenkt zu werden:

traditionelle Könige beim Warten:

andere beim Warten:

unsere Entfernung zum Präsidententhron (noch schön in Schutzhülle eingepackt, schließlich war es ja staubig):

und als letztes noch ein erstaunlicher Transport in all dem erheiternden Verkehrstreiben auf der Heimfahrt: Eine KUH, die in einem Auto auf dem Rücksitz herumgefahren wurde.

Das wars vorerst :)